Was ist an Clemens Tönnies Aussage so rassistisch?

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Rassismus

Deutschland hat, wie andere europäische Staaten auch, eine Vergangenheit der Kolonialisierung in Afrika. Die Bevölkerung in Schwarzafrika wurde als steinzeitlich und primitiv dargestellt.

So genannte Schausteller und Kuriositätenkabinetts nutzten neben natürlich mutierten Tieren auch kleinwüchsige und körperlich missgestaltete Menschen, sowie "Wilde" (Afrikaner) als Schauobjekte. Das setzte diese Menschen in ihrer Würde herab.

Jetzt wird die Bevölkerung eines ganzen Kontinents erneut, als brünftige, vom Sexualtrieb beherrschte Tiere dargestellt, die ausschließlich in Basthütten leben und nur an Holzfeuern herumsitzen. Das ist die Verwendung uralter rassistischer Klischees.

Diese reichen also von den ersten Afrika-Expeditionen, über die Kolonalisierung, den deutsche NS-Rassismus und die Apartheid in Südafrika also bis in unsere Gegenwart. Das finde ich beschämend und peinlich.

Schuldzuweisung

Außerdem suggerierter er, dass die Afrikaner mit der Abholzung von Wäldern selbst verantwortlich für ihre Lage wären - die Folgen der Kolonialisierung und die Ausbeutung durch internationale Konzerne sind aber das Gegenteil davon!

Hier wird das Opfer - nämlich die Afrikaner in rohstoffreichen Staaten mit korrupter Regierung - als Täter dargestellt, die ihre Situation selbst verschuldet haben. Die wahren Täter sitzen aber in Maßanzügen an Konferenztischen in Europa, den USA und Asien.

Die implizierte Behauptung, die Afrikaner seien gewissermaßen selbst Schuld an ihrer Lage, ist sachlich falsch und diskriminierend. Die wirklichen Verantwortlichen werden in diesen Sätzen gar nicht genannt.

Vergleich

Wenn du behauptest, die pauschalierende Aussage über "alle US-Amerikaner", den Konsum von Fastfood und der dortigen Fettleibigkeit lässt sich nach meiner Meinung nur schwer damit vergleichen.

Hinter der Diskriminierung von Afrikanern steht eine jahrhundertealte Tradition westlicher Überheblichkeit, Arroganz und Anmaßung. Anti-afrikanischer Rassismus ist historisch verwurzelt und zwar bis heute- oder wer kennt nicht die Behauptungen, Afrikaner wären besonders potent und hätten große Penisse?

Von dieser historischen Aufladung ist das Bild der "fetten Amis" meiner Ansicht nach noch meilenweit entfernt.

Auch haben die USA wiederum ihrerseits ein Rassismusproblem, von dem nach wie vor auch Afro-Amerikaner betroffen sind. Auch hier wurden die Afrika-Klischees von den europäischen Siedlern in Nordamerika importiert.

Fazit:

Die Äußerungen sind gerade aufgrund ihres geschichtlichen Hintergrunds mehr als nur eine flapsige Äußerung, sondern aus meiner Sicht zutiefst rassistisch.

Danke. Endlich einmal eine sachlich fundierte Antwort.

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Vielen Dank für den Stern. :-)

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Hallo!

Die Nazikeule wird schneller denn je ausgepackt - meistens von Linksgrünen, die in Wahrheit viel intoleranter sind, als sie es jemals zugeben würden. Ich versuche das sachlich zu sehen.

Tönnies ist auch in meinen Augen kein Rassist. Er hat sich vielleicht ungeschickt ausgedrückt, aber in Wahrheit nur die Klischees auf die Spitze getrieben, die es gibt und die auch letztlich ein Stück der Wahrheit ins Gesicht blicken: Leider ist es genau so; die Überbevölkerung gibt es dort nicht wegen päpstlichen Verhütungsverboten, an die man sich strikt hält. Das hat eher was mit Kindern als Altersvorsorge, fehlender Sozialfürsorge, hoher Kindersterblichkeit durch nicht ausgerottete Krankheiten und vielleicht auch absoluter Unwissenheit zu tun: Man hat Langeweile, also liegt man aufeinander rum, weil es Spaß macht und man vielleicht gar nicht weiß, was da alles passieren kann ... ganz abwegig ist das nicht.

Schon ein Erdkunde-Lehrer von mir - bekennender SPD'ler, Stadtrat und alles - hat so etwas vor bereits 15 Jahren im Unterricht gesagt. Als Nazi wurde der Mann damals nicht bezeichnet.

Ich denke, es hängt in Deutschland viel mit der Gesellschaft zusammen, die linksgrün-verbohrter ist denn je, gegen alles ist und doch dafür und generell zu sehr auf politische Korrektheit achtet, jedem jedes Wort im Munde rumzudrehen versucht das ihr nicht nach dem Mund redet und eigentlich nur das duldet, was sie selbst gut findet aber von Toleranz redet.

Außerdem: Wer weiß denn schon, was ihn Herrn Tönnies vorging, als er das sagte? War jemand von uns dabei, kennt ihn jemand persönlich? Ich glaube nicht - so können wir uns im Grunde als Externe gar kein Urteil einbilden.

Auf Kommentare werde ich hier nicht eingehen, da ich keine endlose Diskussion um Alles und Nichts führen möchte. Und, nur zur Information: Ich war kommunalpolitisch immer CDU'ler, bin inzwischen eher SPD-nah und alles andere als ein Nazi oder sonst was.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Man hat in all den Jahren einiges erlebt.

Du bist kein Nazi das ist klar, aber als Schwarze Frau kann ich dir sagen, das deine Antowrt die Typische Antwort eines Weißen Menschen ist. Es ist wie es ist, Ihr seid so wie Ihr seid - es wird sich wohl nie ändern.

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@ninanewpart9

Und ich bin noch nicht mal Deutscher - ich stamme aus einer jugoslawischen Familie.

Normalerweise mache ich keine Unterschiede; es gehört auch ein Kameruner zu meinem Freundeskreis, den ich in der Flüchtlingshilfe 2015/16 kennen lernte und von dem ich Einiges erfuhr - aber wahrscheinlich gibt es da in der Denkweise schon große Unterschiede.

Ich kann nichts für meine Denkweise und muss mich für nichts entschuldigen, möchte mich aber auch nicht unterschwellig in irgendeine Dritte-Reich- oder Diskriminations-Ecke drängen lassen. Ich war in der Realschule immer der, der als "der blöde Ausländer" diskriminiert und lächerlich gemacht wurde - und das habe ich auch 20 Jahre später nicht vergessen.

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@rotesand

Ich hab von Weißen Menschen gesprochen - Du bist weiß, ob Du Kroate, Däne, Deutscher oder Italiener bist ist egal. Weiß ist Weiß. Es geht um eine Geisteshaltung. Einer Eurozentrischen Sicht auf Dinge. Du musst dich auch nicht Entschuldigen - ich hab dir keine Vorwürfe gemacht.

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@ninanewpart9

Ja, diese "eurozentrische" Haltung ist schon vorhanden - so wie ein Asiate auf Asien bezogen, der Ami bezogen auf die Staaten und der Afrikaner bezogen auf Afrika seine Sicht der Dinge entwickelt hat. Das ist auch ganz natürlich - man hat seine geistige Heimat da, wo man aufwuchs, aber das kann man keinem vorwerfen oder zum Nachteil auslegen, weil es einfach ein Faktum ist - da lasse ich mich auch nicht provozieren oder zu einer Art Selbstanerkenntnis überzeugen.

Tut mir leid, es kam halt teilweise so rüber ... und da bin ich immer noch recht empfindlich, weil gerade ich mit meiner Vorgeschichte immer versuche, Vorurteile zu demontieren und mir auch nichts nachsagen lassen möchte.

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@rotesand

Mit Eurozentrische Sicht meine Ich nicht die Eurozentrische Sicht eines Europäers auf Europa - sondern die Vorherrschaft der Europäer durch Kolonialvergangenheit etc. und deren Eurozentrische Sicht auf die Welt außerhalb Europas. Das is die Arroganz der Westlichen Welt. Aber das ist wieder kein Angriff gegen dich als Person. Du bist ein Weißer Mann, mit weißer Geisteshaltung in Europa.

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  1. Ist es kolonialrassistisch von den Afrikanern zu sprechen.
  2. ist es kolonialrassistisch zu denken, "wir müssten den afrikanern helfen"
  3. ist es in dem Kontext absolut rassistisch "den Afrikanern" die Schuld am Klimawandel zu geben, weil sie ja Bäume fällen und nicht so leben, wie Leute in Europa bzw Deutschland. Weil die sind ja minderwertig und deshalb schuld an allem? (obwohl in Deutschland mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird, als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent...)
  4. es ist kolonialrassistisch sich nicht klar von derlei aussagen zu distanzieren, sie nicht klar zu rückzunehmen, sondern sie zu bagatellisieren, als "töricht"
  5. sollte die aussage in historischen kontext gesetzt werden, dass es nicht der erste "Ausfall dieser Art" von Tönnies war.
  6. menschen aufgrund ihrer Hekunft zu diskriminieren ist rassistisch.
Ist es kolonialrassistisch von den Afrikanern zu sprechen.

Jetzt interessiert es mich wirklich mal, was Du für ein Wort benutzt, wenn Du von Menschen in Afrika sprichst. Wenn man eine Gruppe von Menschen aus Afrika hast und man nicht weiß, wo genau sie her kommen, dann spricht doch von "Afrikanern". Genauso wie man von "Europäern" spricht. Oder etwa nicht?

ist es kolonialrassistisch zu denken, "wir müssten den afrikanern helfen"

Schau Dir doch mal die Lebenszustände in manchen Regionen Afrikas an: Kinder die nicht wissen, ob sie am Tag überhaupt etwas zu essen bekommen. Hunger und Elend. Und dann soll es rassistisch sein, wenn man helfen möchte? Das geht mir nicht in den Kopf.

Weil die sind ja minderwertig und deshalb schuld an allem? 

Mir ist nicht bekannt, dass Tönnies afrikanische Menschen "minderwertig" genannt hat. Kannst Du diese Behauptung beweisen?

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@Hessen001

helfen sit immer erwas was von oben herab passiert....
Menschen zu fragen, was sie brauchen und möchten, das ist etwas anderes, aber leuten den verschwenderischen westeuropäischen lebensstil aufzwängen zu wollen, weil sie ja selbst nicht entscheiden können, weil sie ja, weil sie "afrikaner sind" nur schnackseln, das ist rassismus!
Wie besagt erwarte ich NICHTS von jemandem dem Menschenrechte in seinen Fabriken so was von am A**** vorbeigehen... ansonsten finde ich die erklärung von rotesand sehr einleuchtend, wenn dir das nicht einleuchtet, dann tut s mir leid.

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Der Satz ist ein bisschen beleidigend ausgedrückt. Das stimmt wohl. Aber er hat zumindest damit recht, dass man in Afrika eine Infrastruktur aufbauen müsste (leider stehen da die korrupten Regierungen im Weg)

Er hat außerdem Recht mit der Überbevölkerung. Als Beispiel hier Äthiopien, dass sich von 23 Millionen (1961) bis 2018 vervierfacht hat, 109 Millionen. In anderen Ländern sieht es häufig genauso aus. Zwar sind die Länder größer als Deutschland, doch sie besitzen weniger Vegetation und eine sehr schlecht entwickelte Wirtschaft was die Versorgung der Menschen unmöglich macht und zu Hungersnöten führt. Eine Einschränkung der Geburten wäre sehr sinnvoll für das Land und die Umwelt. Außerdem würden Verteilungskriege vermindert und die Migration gestoppt.

Um gleich vorzubeugen. Auch Deutschland ist massiv überbevölkert. Wir können die Bevölkerung zwar komplett ernähren, allerdings gibt es zu wenige natürliche Flächen und zu viel Landwirtschaft.

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