Was iast eine reltive und absolute Straftheorie?

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1 Antwort

Die Unterscheidung bezieht sich auf Grund/Begründung und Zweck von Strafen.

Nach der absoluten Straftheorie ist allein die Straftat (als Schuld zurechenbar) die Rechtfertigung der Strafe, die Strafe ihre notwendige Folge und ihr Ziel die Vergeltung der Tat und die Wiederherstellung der Ordnung (Ausgleich im Bereich von Recht und Gerechtigkeit).

Nach der relativen Straftheorie wird die Strafe unabhängig von der Straftat selbst gerechtfertigt, mit außerhalb von ihr liegenden Zwecken. Solche Zwecke sind beispielsweise Abschreckung/Vorbeugung (die auf zwei Wegen geschehen kann, mit einer Einwirkung auf alle potentiellen Straftäter(innen) – Generalprävention - und mit einer Einwirkung auf straffällig gewordene Personen – Spezialprävention - ) und Besserung/Resozialisierung.

Es gibt Vereinigungstheorien, bei denen die Straftat Rechtsgrund der Strafe ist, aber zugleich die Strafe weitere Aufgaben hat.

Reiner Wimmer, Strafe. In: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Herausgegeben von Jürgen Mittelstrass, Band 4: Sp – Z. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1996, S. 103:
„Eine weitere notwendige Bedingung für die Legitimität der S.[trafe] suchen die Strafrechtstheorien zu formulieren. Nach den reinen Zwecktheorien (relative Straftheorie) ist die S.[trafe] nicht deshalb gerechtfertigt, weil die Rechtsordnung verletzt und Unrecht begangen wurde, sondern nur deshalb, damit solches in Zukunft nicht mehr geschehe (punitur ne peccetur). Vertreter dieser Auffassung waren z. B. Platon (in den «Nomoi»), C. Wolff und P. J. A. Feuerbach. Als die wichtigsten Strafzwecke gelten die Vorbeugung und Verhütung von Übertretungen der Rechtsordnung durch die abschreckende Wirkung der Strafandrohung und des Strafvollzugs auf alle (Generalprävention), die Abschreckung vor künftigen Gesetzesübertretungen oder Besserung des Übeltäters (Spezialprävention) und der Schutz der Rechtsgemeinschaft durch vorübergehende oder in Fällen, wo Abschreckung und Besserung nicht zu erwarten sind, auch dauerhafte Unschädlichmachung, insbes.[ondere] Freiheitsentzug des Schwerverbrechers. Demgegenüber verwerfen die Verfechter der absoluten Strafrechtstheorie wie I. Kant und G. W. F. Hegel jeden Bezug der S.[trafe] auf sie rechtfertigende zwecke oder halten die Strafe zumindest ohne einen solchen Bezug allein aus ihrem angeblichen Vergeltungscharakter heraus für begründet, wodurch die schuldhaft begangene Tat gesühnt und die gestörte Rechtsordnung wiederhergestellt wurde. Danach besteht ausschließlich in der Straftat der die S.[trafe] rechtfertigende Grund (punitur quia peccatum est).

Die plausiblen Züge beider Positionen suchten die Vereinigungstheorien des Strafrechts zu kombinieren: Einerseits wird die Strafwürdigkeit allein in der verantwortlich begangenen Straftat gesehen und so der Sühne- und Vergeltungscharakter der S.[trafe] zu wahren gesucht; andererseits sollen der moralische Grundwert der ↑ Gerechtigkeit sowohl bei der Art als auch bei Ausmaß der S.[trafe] sowie die begründet zu erwartende Besserung und Resozialisierung des Straftäters berücksichtigt werden. Diese kombinierende Strafrechtsaufassung liegt dem gegenwärtigen Strafrecht der Bundesrepublik Deutschland zugrunde.“

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