Was heist dieser philosophische Spruch von Sokrates?

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5 Antworten

Hi,- hier eine mögliche "Übersetzung" /Deutung: "denn ich meine der Fülle meines Lebens und dem Sinn meines Todes nichts mehr hinzugewinnen zu können durch den Zugewinn einer Sekunde zu dessen was war." - Oder "trockener": " ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen. Den Rest müßt ihr mit euch selbst ausmachen" Oder noch trockener: " In der mir verbleibenden Zeit kann ich euch von eurer Blödheit auch nicht mehr kurieren - der Rest ist Leerlauf - alles ist gesagt." ;-)

Gruß

Dieser Satz ist wirklich interessant, da man sich vergegenwärtigen muss, dass Sokrates das Leben im Hier und Jetzt als das unbedeutende Leben im Gegensatz zum Leben Drüben als das Bedeutende betrachtete. Für ihn war es also ein Gewinn "hinüberzugehen". Der physische Tod galt ihm als Erlösung und nicht als Vernichtung.

Da wird der von dir zitierte Spruch deutlich schwieriger zu deuten. Wenn er als "normaler Mensch" mit der natürlichen Angst vor dem Tod noch einige Minuten mit dem Trinken warten würde, hätte er noch eine kleine Zeitspanne mehr zu leben. Solche existentiell hoch brisanten Minuten können als unendlich wichtig erlebt werden, so dass es kaum nachvollziehbar ist, dass jemand diesen Minuten nicht extreme Bedeutung beimessen würde. 

Um seine Souveränität, also die totale Macht und Kontrolle über sich selbst vor den Schülern zu demonstrieren, würde dieser Spruch wiederum Sinn machen, und ich glaube sogar, dass er aus diesem Motiv gesagt worden ist. In der bewusst erlebten Todesstunde wollen viele Menschen ihr "Erinnerungsbild" für die Freunde und Vertrauten möglichst positiv gestalten. Da ist es dann auch viel zielführender, die Sache heroisch, gelassen und aus einer Position der Stärke heraus zu gestalten. So sehe ich es bei Sokrates ebenfalls.

Wenn Sokrates jedoch aus seiner Weltsicht heraus das Leben nach dem Tod als das eigentliche und zu erstrebende gesehen hat, dann macht dieser Spruch wiederum wenig Sinn. Daher denke ich, dass sein "Modell", sein "Konstrukt" vom Leben nach dem physischen Tod in der Todesstunde selbst doch "Brüche erfahren hat". Ich denke, er war sich hier nicht wirklich sicher und agierte weit mehr wie ein normaler Sterblicher.

Ich finde nicht, dass sich der oben angegebene Ausspruch und seine Ansicht, die Zeit nach dem Tod sei bedeutender als das irdische Leben, widersprechen. Laut Zitat heißt es doch, dass es nichts nützt, die verbleibende Zeit vor seiner Hinrichtung hinauszuzögern und länger am Leben festzuhalten.

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Da er ja zum Tode verurteilt war, soll diese Aussage nur darstellen, das sein Leben, ohne sein Philosophieren (immer nur mittels Gespräche) ausüben zu können, sinnlos ist, er würde sich nur lächerlich machen, wenn er weiterhin leben wollte....ganz anders zum Beispiel der übermenschlich starke Thomas Morus, der in seiner Kerkerhaft noch schreiben konnte - und hoffte, dass dies auch noch veröffentlicht würde....

Ich bin mir zu schade, um ein paar Minuten meines Lebens zu feilschen. 

"Mein Leben ist vorbei. Zögern ist sinnlos. Runter damit!"

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