Was heißt "unstratifiziert"?

2 Antworten

Die Stratigraphie ist ein Teilgebiet der Archäologie und hilft bei der relativen archäologischen Altersbestimmung von Ablagerungen



Entnommen aus https://de.wikipedia.org/wiki/Stratigraphie_(Arch%C3%A4ologie)

Also gehe ich davon aus, dass unstratifizert eine Ablagerung ist bei welcher noch kein Alter festgestellt wurde, oder nicht festgestellt werden konnte.



Das ist nah dran aber dennoch nicht ganz korrekt. Meist handelt es sich um ein Artefakt, dass man aufgrund seiner Lage keinem bestimmten Punkt in der Stratigraphie zuordnen kann. (Stratigraphie gestört, beispielweise durch einen Versturz oder ähnliches).Daher kann es zumindest stratigraphiebedingt nicht datiert werden. Es geht aber hauptsächlich darum, dass man es keiner bestimmten Schicht zuordnen kann.

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Unter einer Stratigraphie versteht man die Abfolge von Befunden: Ein
Befund liegt über dem anderen, wieder ein anderer stört ihn usw.. Diese Stratigraphie wird primär durch die Funde datiert.

Einem unstratifizierten Fund fehlt es am Fundzusammenhang, man weiß nicht, woher er innerhalb der Grabungsfläche stammt.

Üblicherweise trennt man in der Archäologie Funde beim Bergen nach Befunden, also nach den Entstehungseinheiten, aus denen sie stammen. Unter Umständen wird dabei nochmal unterschieden, an welchem Tag der Fund gemacht wurde oder von welchem Abhub innerhalb des Befundes der Fund stammt.

Alternativ werden Funde nur nach Abhüben auf künstliche Flächen, die sog. Plana getrennt. Leider ist das auch im Jahr 2016 noch nicht ganz Geschichte (die mangelnde Fundtrennung, Plana sind in vielen Situationen sinnvoll oder gar unvermeidbar).

Unstratifizierte Funde sind nur selten mehr als Ballast. Da man nicht weiß, woher sie stammen, können sie nicht helfen, Befunde und Schichten zu datieren. Sind es Funde, die chronologisch nicht sehr trennscharf oder selten sind, kann man sie nicht über die übrigen Funde des zugehörigen Befundes datieren.

In der Regel wird man in der Archäologie immer vermeiden, unstratifizierte Funde mutwillig zu erzeugen. Häufig anzutreffen sind sie beispielsweise auf überackerten vorgeschichtlichen Flächen: Hier reißt der Pflug Funde aus den Befunden und verlagert sie. Auch andere jüngere Eingriffe führen zu diesem Problem. Auf der Grabung selbst umgeht man es durch den Einsatz von geschultem Personal, ordentliches Graben und Absichern der Flächen und Profile.

Zu den letzten beiden Abschnitten von Jerne79:

[...]

Unstratifizierte Funde sind nur selten mehr als Ballast. Da man nicht
weiß, woher sie stammen, können sie nicht helfen, Befunde und Schichten
zu datieren. Sind es Funde, die chronologisch nicht sehr trennscharf
oder selten sind, kann man sie nicht über die übrigen Funde des
zugehörigen Befundes datieren.


In der Regel wird man in der Archäologie immer vermeiden,
unstratifizierte Funde mutwillig zu erzeugen. Häufig anzutreffen sind
sie beispielsweise auf überackerten vorgeschichtlichen Flächen: Hier
reißt der Pflug Funde aus den Befunden und verlagert sie. Auch andere
jüngere Eingriffe führen zu diesem Problem. Auf der Grabung selbst
umgeht man es durch den Einsatz von geschultem Personal, ordentliches
Graben und Absichern der Flächen und Profile.<<


Das ist soweit richtig, dennoch sind sie kein Ballast. Alle dem Landesamt gemeldete bestimmbare Artefakte, auch unstratifizierte Lesefunde, bekommen einen Fundpunkt auf dem "Archäologischen Atlas". Somit bekommen sie für ein Fundareal eine Bedeutung.

Hayns

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@Hayns

Aus wissenschaftlicher Sicht SIND unstratifizierte Funde im Kontext einer Grabung (und darauf habe ich mich bezogen) leider wirklich "selten mehr als Ballast". Diese Formulierung habe ich bewußt gewählt, eben weil es auch Ausnahmen gibt.

Die Bedeutung von Lesefunden, die tatsächlich als Anzeiger für ein vorhandenes Bodendenkmal dienen, bleibt davon natürlich unberührt. Aber Lesefunde sind in der Regel nur so lange relevant, bis aus der archäologischen Verdachtsfläche bzw. einem nicht untersuchten Bodendenkmal eine Grabung wird. "Ist da" ist im Vorfeld wichtig, ist für den Denkmalschutz wichtig, aber in der wissenschaftlichen Auswertung verliert ein unstratifizierter Fund leider drastisch an Wert.

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@Jerne79

@ Jerne, sollte kein Veto sein. Ich wollte den Fachfremden lediglich die "Ausnahmen" verdeutlichen.

Bei mir sind es viele (Ausnahmen/Lesefunde), und alle werden archiviert und bekommen ein rotes Kreuzchen im "Archäologischen Atlas". Bei den letzten Fundmeldungen handelte es sich um bisher unbekannte Fundplätze. Dass dort eine Grabung stattfindet, ist kaum zu erwarten.

Gruß Hayns

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@Hayns

Sag das nicht. Du weißt nie, was als nächstes als Neubaugebiet ausgewiesen wird, wo die nächste Trasse oder Straße durchgeht etc pp.

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@Jerne79

Ja OK, das kann man nie wirklich wissen. Windräder wären tätsächlich eine möglich Maßnahme. Es sind große Ackerflächen,  rundum sind bereits Grabungen gewesen, daher meine ich, das dort so schnell nicht wieder Geld zur Verfügung steht. Selbst die von mir gemeldeten Dolchfragmente, bei denen es sich um Grabbeigaben handeln könnte, haben im Amt keine Aufregung verursacht. Das merke ich auch nicht einmal kritisch an, denn die Museen in dem Bereich haben genügend Anschauungsmaterial. Es ist die Meldung eines neuen Fundpunktes der zählt.

Wenn aber dann doch wieder ein Windpark entsteht, dann sind sie informiert.

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@Hayns

Naja, normalerweise sagen wir uns auch: Wenn es im Boden ist, liegt es da erstmal gut. Es sei denn natürlich, dort wird immer wieder was rausgepflügt.

Wo bist du denn unterwegs? Leider ist das Interesse der Ämter auch immer extrem von der zuständigen Person abhängig. (Wenn du das hier nicht schreiben willst, melde dich einfach über eine Freundschaftsanfrage.)

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