Was heißt "Angestellt auf selbständiger Basis"?

5 Antworten

Es heißt auf jeden Fall, dass sie dich abzocken wollen. Such dir lieber was gescheites. Das sind einfach unseriöse Methoden. Die Firma will von dir die maximale Leistung, ist aber nicht gewillt, irgendwas beizusteuern. Und wenn sie deine Leistung nicht mehr brauchen, stehst du da mit deiner "eigenen Firma".

"Angestellt auf selbständiger Basis" ist staatlich unterstützte Ausbeuterei.

Du bist einerseits selbständig, musst also die etwas aufwändigere Steuererklärung machen, hast Steuergesetze zu beachten, Fristen und musst Dich selbst versichern.

Andererseits hast Du zu tun, was der "Arbeitgeber", der jetzt nur noch ein Aftraggeber ist, also Dein Kunde, dem Du Deine Dienstleistung verkaufst, von Dir will. Er schreibt Dir Zeiten und Tätigkeiten vor.

Wenn es vertraglich nicht anders wirklich wasserdicht festgelegt ist (mit Rechtsanwalt Vertrag prüfen!), kann er Dir jederzeit ohne große Vorankündigung und ohne große Frist keinen Auftrag mehr geben. Dann hast Du von heute auf morgen kein Einkommen mehr. Gut, wenn Du Dich dann auch freiwillig arbeitslosenversichert hast.

Die List eist lang, die erspare ich Dir hier einfach mal mit dem Hinweis, dass Du Dich da von einem Anwalt und einem Steuerberater oder von einem Unternehmensberater beraten lassen solltest.

Wenn Du derzeit arbeitslos bist, gibt es die Möglichkeit, dass Du vom Arbeitsamt eine Starthilfe bekommst, ein halbes Jahr lang das letzte Arbeitslosengeld mit Option auf einmalige Verlängerung. Davor steht allerdings der Businessplan, der von einem fachkundigen Menschen begutachtet und für gut befunden werden muss. Dafür musst Du aber erst einmal wissen, wie man so ein Ding schreibt und was da alles reingehört. Ist nicht mit drei, vier Seiten Schönrederei getan, das Ding ist richtig Arbeit.

Üblicherweise gehen die Firmen dann her und bieten Dir unvorstellbare 3000 Euro im Monat an. Wenn Du mit dem Monat durch bist, stellst Du fest, dass Du nicht mehr hast, wie als Arbeitnehmer auch. Nur, dass Du jetzt von jetzt auf sofort Deine Arbeit ohne Widerrede los sein kannst, dass Du noch nicht einen Euro Urlaubsgeld bekommen hast und wenn Du Urlaub machst oder krank bist, kein Geld verdienst, und für Dich gelten in dem Moment die Arbeitszeitgesetze nicht mehr, d.h., wenn Dein Auftraggeber 14 Stunden von Dir pro Tag verlangt an sechs Tagen pro Woche, kannst Du das entweder machen oder das Risiko eingehen, dass er den Auftrag an jemand anderen vergibt. Dein Arbeitnehmerschutz ist nicht mehr vorhanden. Gleichzeitig hast Du gegenüber dem Finanzamt, der Krankenkasse und noch ein paar Stellen eine deutlich größere Verantwortung, wirst für bestimmte Fehler und Versäumnisse deutlich härter bestraft und so geht auch diese Liste noch weiter.

Für unter 7.000 Euro pro Monat solltest Du Dir wirklich überlegen, ob Du das ernsthaft willst und ob es nicht doch eine andere Möglichkeit gibt, unter anderem auch in die Rentenkasse einzuzahlen, denn der Arbeitgeber, der das bisher für Dich gemacht hat, bist Du ja jetzt selbst.

Diese Art "Arbeitsverhältnis" wird sehr gerne bei Auslieferfahrern angewandt. Ich weiß jetzt nicht, ob das bei DPD oder DHL oder UPS so ist, einige dieser Firmen machen das so, von Transoflex weiß ich es, weil ein Freund von mir sich damit sein Leben finanziell ruiniert hat. Er hatte 1.700 Euro netto nach Steuern und anderen Abzügen, musste davon eine vierköpfige Familie ernähren. Dann musste der LKW, den er sich selbst kaufen musste, in die Werkstatt, das waren 4.500 Euro und seine Insolvenz. Soviel zu "Angestellt auf selbständiger Basis".

Es kann auch was gutes sein, wenn der Preis und der Auftrag stimmt. Auch gibt es Vorteile, weil Du einige Dinge von der Steuer absetzen kannst, was Du als Privatmensch nicht kannst. Aber wie gesagt, ich wiederhole da absichtlich nochmal: wenn da nicht mindestens 7.000 Euro im Monat für ein festgelegtes Stundenkontingent oder für eine in einer solchen Zeit schaffbaren Leistung verbrieft sind, zuzüglich natürlich den Kosten, wenn Du Dir Arbeitsgeräte wie Notebook, Handy, LKW, PKW, Kleidung selbst kaufen musst, würde ich das nicht machen. Denk an Weihnachtsgeld (das zahlst Du Dir selbst), Urlaubsgeld, Ausfall, wenn Du nicht arbeitest (Urlaub oder krank oder keine Lust), Haftungsrisiko (du brauchst eine Haftpflichversicherung, falls Du mit oder während Deiner Arbeit Schäden anrichtest, das kann ja schnell mal richtig teuer werden), was fällt denn noch weg? Achso: Weihnachten. Feiertage. Wenn Du einen Auftrag annimmst, der eventuell auch zu Feiertagsarbeit führen kann oder zu extrem blöden Arbeitszeiten, kannst Du Dich mit Deinem Auftraggeber einigen. Möglicherweise vergibt er den Auftrag aber anderweitig.

Hach ja, eins meiner Lieblingsthemen, weil darauf ein durchaus beachtenswerter Teil der Ausbeuterei basiert. Staatlich unterstützt. Es ist nicht alles schlecht, es gibt da echt gute Chancen. Aber die musst Du auch nutzen. Da hilft es Dir nicht, wie ein Arbeitnehmer darauf zu warten, dass Dur einer einen Brotkrumen hinwirft. Da musst Du Dir das Brot schon selber backen.

Pauschal lässt sich das kaum seriös beantworten. Selbständig bedeutet in der Tat: Keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung (höchstens auf freiwilliger Basis). Krankenversicherungsbeiträge zu 100 % bei Dir. Keine (Zwangs-)Beiträge zur Rentenversicherung, dafür aber wiederum: Altersabsicherung geht zu 100 % zu Deinen Lasten. Es kommt also auf den Wortlaut im Vertrag an. Von Ausbeutung würde ich pauschal auch nicht sofort sprechen - ein solcher Vertrag kann Vorteile für beide Seiten bieten. Übernimmt der Auftraggeber (nicht "Arbeitgeber") bestimmte Verpflichtungen? Welche genau? Wie lange läuft der Vertrag? Wie sieht die Regelung für den Trennungsfall aus? Was genau wird für eine ggf. monatlich von Dir zu erbringende Leistung bezahlt - mit welchen Zahlungsfristen. Du merkst schon: Da gibt's ein paar Stolperfallen - allerdings kannst Du jeden Vertrag ja verhandeln - und genau das kann auch Spaß und Erfolg bringen. http://korus-consult.com

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