Was hatte die französische Revolution für Auswirkungen in Deutschland?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Günstig ist eine Angabe, welche Revolution gemeint ist (es hat mehrere französische Revolutionen gegeben) und um welchen Zeitraum es bei den Auswirkungen geht.

Vermutlich ist die Französische Revolution 1789 – 1799) gemeint. Sie hatte auf Deutschland, das politisch nicht als einen einzigen Staat organisiert war, sondern in einer Vielzahl von Staaten, noch bis 1806 mit dem Heiligen Römischen Reich als einem eher lockeren Rahmen, Auswirkungen in verschiedenen Bereichen.

  • Anregungen der Ideen und Grundsätze für Gedanken und Weltanschauung: Ideen und Grundsätze der Französischen Revolution wurden in Deutschland zu einem Thema politischen Denkens. Die Berichte über die Revolution haben Eindruck gemacht. Ideen und Grundsätze wurden diskutiert.
  • Politisierung und Polarisierung (mit zustimmenden und ablehnenden Reaktionen): Die Einstellung der Deutschen gegenüber der Französische Revolution war unterschiedlich, sie reichte von begeisterter Zustimmung bis scharfer Ablehnung. Gegensätze traten deutlich hervor. Bei einigen bildete sich eine revolutionsfeindliche konservative politische Weltanschauung heraus. Andere befürworteten die Ideen der Französischen revolution. Jakobiner-Klubs wurden gegründet, manche symbolischen Handlungen aufgegriffen (wie das Aufstellen von „Freiheitsbäumen“). Bei Leuten, die der Aufklärung zuneigten, gab es zunächst überwiegend Zustimmung und Hoffnungen. Mit der 1792 beginnenden Radikalisierung, dem Krieg und der Hinrichtung des Königs nahm dies ab und insgesamt trat verstärkt Ablehnung auf. Daneben gab es aber weiterhin bei einem Teil Sympathie mit den grundlegenden Ideen.
  • Verlust von Feudalrechten für deutsche Fürsten: Mit der Abschaffung von Privilegien in Frankreich verloren einige deutsche Fürsten Feudalrechte in Grenzgebieten. Exklaven (abgetrennte, von einem anderen Staatsgebiet [in diesem Fall: Frankreich] umschlossene Gebiete) des Heiligen Römischen Reiches wie das württembergische Mömpelgard/Montbéliard, das nassauische Saarwerder, die selbständige Grafschaft Salm und einige Grenzgebiete (wie das Fürstbistum Basel) kamen 1792/1793 unter französische Souveränität. Inhaber und Besitzer von zu Frankreich gehörender (meist elsässischer) Herrschaft verloren durch revolutionäre Gesetzgebung bzw. die politische Entwicklung Befugnisse und Einkünfte. Eigentümer von vereinzelten grundherrlichen bzw. leibherrlichen Rechten oder Zehnten verloren diese. Die Abschaffung der Feudalrechte im Elsaß führte zu Streitigkeiten mit deutschen Fürsten, die dort einige Hoheitsrechte hatten.
  • praktisch wirksame Einbuße von Amtsgebiet für ein paar Bischöfe in Grenzgebieten: Ein paar Bischöfe in Grenzgebieten (wie der Fürstbischof von Koblenz und der Bischof von Speyer) büßten der praktischen Wirksamkeit nach durch die Zivilverfassung des Klerus in Frankreich vom 12.07.1791 Teile ihres Amtsgebietes ein.
  • Zustrom französischer Emigranten nach Deutschland: Eine erhebliche Anzahl französischer Emigranten (vor allem Adlige, die Gegner der Revolution waren) kam nach Deutschland. 1792 befanden sich mehrere zehntausend französische Emigranten in Deutschland, besonders in Baden, der Pfalz und den Fürstbistümern Mainz und Trier mit Koblenz als einem Schwerpunkt. Deutsche Staaten hatten sich mit Versorgung und Ansprüchen der geflohenen Emigranten auseinanderzusetzen. Es gab Agitation gegen die Französische Revolution. Die Brüder des Königs Ludwig (Louis) XIV., Ludwig, Herzog der Provence (Louis Stanislas Xavier, Comte de Provence) und Karl, Graf von Artois (Charles, Comte d’Artois) versuchten zeitweilig, bei Koblenz Truppen zum Kampf gegen die Französische Revolution zu sammeln.
  • Krieg: 1792 begannen die Revolutionskriege, an denen deutsche Staaten (darunter Österreich und Preußen) als Kriegsgegner Frankreichs beteiligt waren. Der Kriegsverlauf war wechselhaft. Es gab Kämpfe und Truppendurchmärsche auf deutschen Gebieten. Französische Truppen besetzen zumindest zeitweise einige deutsche Gebiete und diese standen unter französischer Militärverwaltung, wobei unter ihrem Schutz in einigen Städten revolutionsfreundliche deutsche Regierungen entstanden, die vor allem aus Mitgliedern deutscher Jakobinerklubs bestanden.
  • kurzfristige Tochterrepubliken Frankreichs auf deutschem Gebiet: Es gab im nördlichen Teil des Fürstbistums Basel von Dezember 1792 bis März 1793 die Raurakische Republik, von November 1792 bis März 1793 die Südpfälzische Republik im (zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken gehörenden) Oberamt Bergzabern, die beide der Französischen Republik angegliedert wurden. Von März bis Juli 1793 bestand auf Gebiet des Fürstbistums Mainz mit Unterstützung französischer Besatzungstruppen die Mainzer Republik. Sie beantragte die Aufnahme in die Französische Republik, allerdings unterlag sie bald einer Belagerung durch vor allem preußische Truppen.
  • Grenzveränderungen/Gebietsverluste: Frankreich erreichte in den Revolutionskriegen Gebietsgewinne. Frankreich hat deutsche Gebiete annektiert (seinem Staat einverleibt), zuerst das linksrheinische Gebiet (Preußen hat im Frieden von Basel 1795 auf linksrheinische Gebiete verzichtet, Österreich im Frieden von Campo Formio 1797; 1801 wurde die Annexion im Frieden von Lunéville völkerrechtlich anerkannt). In den annektierten Gebieten galt die französische Verfassung. Recht und Verwaltung wurden nach französischem Muster organisiert.
  • Vorantreiben eines deutschen Nationalgefühls: In Deutschland gab es einen gewissen Patriotismus und es hatte sich ein Stück weit ein Nationalgefühl in Bezug auf Deutschland als Kulturnation entwickelt. Dieser in Gang befindliche Selbstfindungsprozeß wurde durch den Nationalstaat Frankreich, wie er sich in der Französischen Revolution formte und mit deutschen Staaten in Auseinandersetzungen trat, in seiner Entwicklung vorangetrieben. Ein politisches Nationalgefühl hat sich in Deutschland vor allem in Reaktion auf die Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons entwickelt.

Starke Auswirkungen hatte nach der Französischen Revolution die Herrschaft Napoleons. Die politische Landkarte veränderte sich. Betroffene weltliche Fürsten wurden zum Ausgleich mit anderen Gebieten entschädigt (Reichsdeputationshauptschluß = Hauptschluß der außerordentlichen Reichsdeputation von 1803), durch Säkularisation (fast alle geistlichen Fürstentümer und Herrschaften in Deutschland wurden beseitigt und Territorialstaaten deutscher Landesherren) und Mediatisierung (Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit von Reichsständen, darunter viele Reichsstädte; ihr Gebiet kam zum Gebiet von Fürsten). Eine Reihe von Staaten vergrößerten ihr Gebiet (z. B. Bayern). Napoleon hat eine Neuordnung Deutschlands durchgeführt und viele Kleinstaaten aufgelöst. 1806 betrieb er die Gründung des Rheinbundes, der mit Frankreich verbündet war. Das Heilige Römische Reich, dem durch das Verlassen der Rheinbundstaaten endgültig die Grundlage entzogen war, endete, indem der letzte Kaiser (Franz II.) die Krone niederlegte. Neben dem Rheinbund gab es in Deutschland noch Preußen und Österreich, die beide von Frankreich besiegt wurden.

Napoleon Bonaparte hat am 21. November 1806 in Berlin eine Wirtschaftsblockade gegen Großbritannien (Kontinentalsperre) verfügt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren nach Region und Wirtschaftsbranche unterschiedlich. An vielen Orten brachte die Kontinentalsperre überwiegend Nachteile (britische Waren waren nicht mehr oder schwieriger und teurer erhältlich, Handelsausfuhren in den Absatzmarkt Großbritannien verhindert oder erschwert).

Vor allem in den Rheinbundstaaten gab es in der langfristigen Entwicklung Anregungen für das Wirtschaftsleben durch eine Modernisierung mit Zentralisierung und Vereinheitlichung (größere einheitliche Wirtschaftsräume mit wirksamer Verwaltung, einheitlichen Münzen, Maßen und Gewichten, teilweise Wegfall von Binennzöllen), Verfassungen und neuen Rechtsordnungen (in den Rheinbundstaten Einführung des Code Civil [Zivilrecht] - auch Code Napoleon genannt - oder daran orientiertes Recht). Zum Teil wurde in Deutschland eine Bauernbefreiung durchgeführt, das Zunftwesen abgeschafft und Gewerbefreiheit eingeführt. Die Niederlage Preußens gegen Frankreich war Anstoß für Reformen in Preußen (preußische Reformen oder Stein-Hardenbergsche Reformen genannt), die manche Ähnlichkeiten damit hatten.

Am Rußlandfeldzug 1812 mußten sich deutsche Staaten mit Truppen für die die Grande Armée beteiligen. Nach dem Scheitern kam es zu den „Befreiungskriegen“ 1813 – 1815.

zu Auswirkungen der Französischen Revolution auf Deutschland:

Walter Demel, Frühe Neuzeit bis zum Ende des alten Reiches (1495 - 1806). Reich, Reformen und sozialer Wandel : 1763 – 1806 (Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte. 10., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 12). Stuttgart : Klett-Cotta, 2005. ISBN 3-608-60012-4 (vor allem S. 295 – 321)

Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 6. Auflage. Stuttgart : Reclam, 2013 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18912 : Reclam-Sachbuch). ISBN 978-3-15-018912-2 (vor allem S. 190 - 198 und S. 216 – 224)

Susanne Lachenicht, Die Französische Revolution. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2012 (Geschichte kompakt : 19./20. Jahrhundert. WBG - Wissen verbindet). ISBN 978-3-534-15162-2 (vor allem S. 97 – 100)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Revolutionäre Gedanken wurden weitergetragen. Sichtbar wurden diese aber erst 1848. Man kann sagen, dass die Kriege und Napoleon großen Einfluss auf Deutschland hatten. Besonders weil das Heilige römische Reich Deutscher Nation zerbrochen ist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?