Was hatte die Elite "Justiz" in der Weimarer Republik für eine Bedeutung für deren Entwicklug?

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Die Eliten (als Funktionseliten verstanden, also die Menschen in Spitzenstellungen der Gesellschaft) haben zu einem großen Teil zum Untergang der Weimarer Republik beigetragen, der sie überwiegend mit Vorbehalten bis hin zu Ablehnung und Feindseligkeit gegenüberstanden.

Die Justiz war dabei beteiligt. Sehr viele hatte eine konservativ-autoritäte und/oder stark nationalistische Einstellung.

Die zeigte sich vor allem in der Behandlung von Fällen mit politischen Zusammenhängen. Öffentliche Beleidigungen und aufhetzenden Äußerungen von Vertretern der politischen Rechten gegen demokratische Politiker wie Matthias Erzberger (Zentrumspartei) und Friedrich Ebert (SPD) wurde in Prozessen (1920 bzw. 1924) sehr milde beurteilt und die Angriffe in den Urteilsbegündungen in einem erheblichen Ausmaß als berechtigt hingestellt. Beim Kapp-Lütwitz-Putsch 1921 und beim Hitler-Putsch 1923 wurden in anschließenden Prozessen die Beteiligten mit ziemlich viel wohlwollenden Verständnis behandelt.

Bei politisch motivierten Straftaten (einschließlich Tötung) trat eine sehr deutliche Abweichung im Umgang mit Links- und - Rechtsextremisten auf (Eifer, Untersuchungen durchzuführen; Häufigkeit der Anklageerhebung; Schärfe des Urteils; tatsächliches Ausmaß der Strafe, zum Beispiel Haftdauer).

Bücher zur Geschichte der Weimarer Republik in Bibliotheken enhalten Aussagen zum Thema, zum Teil auch weiterführende Literaturhinweise, z. B.:

Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik. 7., durchgesehene und erweiterte Auflage. Oldenbourg : München, 2009 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte ; Band 16)

S. 39/40: „Das Urteil im Erzberger-Prozeß war nicht der erste, aber ein besonders aufsehenerregender Fall in jener langen Reihe von Gerichtsurteilen, die der „politischen Justiz“ der Weimarer Republik zu trauriger Berühmtheit verholfen haben. Viele Richter, in ihrer politischen und sozialen Mentalität geprägt durch die Wertvorstellungen und konservativen Ideologien der wilhelminischen Zeit, bezweifelten die Legitimität der neuen Ordnung. Geschützt durch das von der Revolutionsregierung nicht angetastete und dann in der Verfassung festgeschriebene Privileg der Unabsetzbarkeit brachten sie ihrer Abneigung gegen die Republik und ihre engagierten Träger in zahlreichen Urteilen offen zum Ausdruck. Insofern trägt die Justiz ein gut Teil der Verantwortung für das Scheitern der Republik.“

S. 50 (zum am 18.07.1922 verabschiedeten Republikschutzgesetz): „Wenn das Republikschutzgesetz – entgegen den Hoffnungen und Erwartungen republikanischer Kreise – nicht zu einer wirksame Waffe im Kampf gegen die Feinde dse demokratischen Staates wurde, dann lag dies vor allem daran, daß die Anwendung des Gesetzes jener Justiz anvertraut war, die aus ihrer Abneigung gegen die Demokratie und ihren Sympathien für die politische Rechte kein Hehl machte […].“

Habe ich diese Karikatur vom Simplicissimus aus der Weimarer Republik richtig erklärt?

Hallo liebe Community,

s. nachfolgendes Bild. Ich hätte es so erklärt. Was meint ihr? Passt etwas nicht oder würdet ihr etwas anderes schreiben?

Vielen Dank für viele Antworten :-)

"Alle abgebildeten Menschen sind charakteristisch unterschiedlich gekleidet. Sie stehen für die verschiedenen Gruppen der Gesellschaft, also Adelige, Bürger, Soldaten, Arbeiter, usw. Sie tragen das Wort Republik. Diese haben natürlich verschiedene Parteien gewählt (z. B. Adelige eher monarchistische Parteien wie DNVP, Arbeiter eher SPD). Die Weimarer Republik war geprägt von Klassenkämpfen, da jede Klasse ihre eigenen Ziele durchsetzen wollte. Dennoch „stützen“ alle Bürger die Republik, was in der Karikatur verdeutlich wird. Der zweite Teilsatz jedoch ist folgermaßen zu verstehen: Die ganzen unterschiedlichen Menschen leben zwar in dieser Republik, aber viele sind damit nicht zufrieden. Deshalb sagt man auch oft Republik ohne Republikaner bzw. Demokratie ohne Demokraten – somit gab es keinen demokratischen Geist. Dazu gibt es verschiedene Anlässe; z. B. war die Justiz „auf dem rechten Auge blind“, da sie hauptsächlich Verbrechen der Linksradikalen verurteilen und die Rechtsradikalen eher verschonte. Dass die meisten Bürger mit der Weimarer Republik unzufrieden waren und nicht dahinterstanden, merket man, als zum Schluss bei den Wahlen die „extremen“ Parteien immer mehr Zuwachs bekamen, die Republik letzten Endes in die Zange genommen wird und sich die Nazis gegenüber den Kommunisten durchsetzte."

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