Was hat es mit als typisch jüdisch geltenden Nachnamen auf sich?

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8 Antworten

Es gibt sehr viele Namen, die mit Pflanzen zu tun haben. z. B. Blum, Rosenbaum usw. Ich habe das irgend wann einmal in der schule gelernt,aber das ist schon sehr lange her (Ich bin 62 Jahre) Damals wurde es uns erklärt, dass jüdische Menschen solche Namen annehmen mussten. Aber ich weiß nicht mehr, warum. Leider

das hängt mit der fürchterliche Judenverfolgung während der Nazizeit zusammen. Es mußte schon am Namen erkennbar sein, ob ein Mensch in den Augen der Machthaber Jude war. Falls der Name deutsch (oder gr arisch!) war, wurde eine Verfolgung wohl schwieriger. Außerdem waren zu der Zeit alle Juden gezwungen, ihrem Vornamen (im Pass) ein Sarah oder Isaak (o.ä.) hinzuzufügen. Aus dem gleichen Grund. Gut, daß Du das vergessen hast - schlimm, daß es so war.

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Hi,

das hängt mit den 12 Stämmen Israels, die in der jüdischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießen zusammen (Benjamin, Juda, Levi, Ruben, Simeon). Denen wurden in 1. Mose 49,3–27 Symbole zugewiesen, die oft in den Nachnamen verwendet werden (Benjamin --> Wolf, Juda --> Löwe, Leon, Loeb, Koseformen: Leibel, Leibl, Dan --> Drache, Trachmann, Naftali --> Hirsch - eigentlich Gazelle - Hirschmann, Hirschfeld, Hirschl, Hirschberg, Issachar --> Bär).

Dann werden noch irgendwo im 2. Buch Mose die Edelsteine auf den Priestergewändern erwähnt (Ruben --> Roth, Rossi, Joseph bzw. Benjamin --> Schwarz, Simeon --> Grün, Zebulon --> Weiß, Issachar bzw. Juda / Jehuda --> Blau, Dan --> Gelb, Naftali --> Rosa).

Manchmal wird das Ganze durch Grünspan, Bleiweiß, Schwarzmann, Rosenblatt, Rosenzweig oder Rosenthal erweitert. Dann gibt es noch Namen, die mit Gold oder Silber zusammenhängen (werden mit den Erzengeln Michael und Gabriel in Verbindung gebracht), weil Gabriel der Überlieferung nach das Gold auf die Erde gebracht hat (Silbermann, Goldmann, Goldberg, Goldschmied).

Außerdem erinnern manche Namen an Früchte aus dem Heiligen Land, wie zum Beispiel Teitelbaum (Dattelbaum), Weizmann (Weizen), Feigenbaum, Weinreb bzw. Weinstock, Honigmann).

Mit den Tierkreiszeichen wurden auch Namen gebildet, z. B. Wassermann.

Haus- bzw. Wohnstättennamen wurden auch gerne bei der Namensbildung verwendet, wie z. B. bei Rothschild (aus dem Haus mit dem roten Schild), Einhorn, Elephant, Adler (aus dem Haus zum Schwarzen Adler), Sichel, Strauss, Stern, Pflug, Storch...) + Kombinationen.

Das ganze wurde teilweise eingedeutscht. (Z. B. Karmi --> Baumgarten, Baumgart, Baumgartel, Baumgartner).

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen, LG

Die unter Juden so beliebten Tiernamen wurden nicht nur aus reiner Liebe zur Natur vergeben, sondern haben oft einen Glaubensbezug. Erzvater Jakob verglich, als er im Sterben lag, seine Söhne Juda, Naftali und Benjamin mit einem Hirsch, einem Wolf und einem Löwen. Letzterer wurde abgekürzt zu Löw. Natürlich konnten wiederum auch andere Dt. so heißen; nur hat Löwe dann oft einen anderen Sinn - meist handelt es sich um Hausnamen, die auf die Bewohner übertragen wurden. So wie der jüd. Name Mann die Kurzform von Immanuel ist (für "mit uns ist Gott"), wohingegen der christl. Nachname eher vom mittelniederdt. man im Sinne von "tüchtiger Mann", "tapferer Kriegsmann", kommt.

Das gilt auch für den 5 häufigsten dt. Namen Meyer. In christl. Namen steckt das lateinische maior, "der Größere, der Angesehenere", später oft im Sinn von "Verwalter", in jüd. Namen das hebr. Adjektiv mejr, "glänzend, erleuchtet". Also gleicher Name, nicht gleich gleiche Bedeutung.

Man merkt: "typisch jüd." beruht oft auf Vorurteil. Gerade Orts- und Herkunftsnamen waren nicht auf eine bestimmte Glaubensrichtung abonniert. Selbst der Chefideologe der NSDAP trug den jüd."klingenden" Namen Rosenberg. Was ihn nicht davon abhielt, in Aufsätzen zu behaupten, es gebe klar erkennbare äußerliche Merkmale, an denen man die "Rassenseele" des Juden und die "Personifikation des Teufels" erkennen könne.

Lit: J.Udolph & S. Fitzek- Prof. Udolphs Buch der Namen Kap. 10

Als sich im 15. Jahrhundert Nachnamen einbürgerten, haben viel ihren Beruf als Nachnamen genommen! "Bauer, Schmied, Müller etc."! Juden durften keine "ehrlichen" Berufe ausüben! Deshalb waren sie oft "Kaufmann, Silbermann, Goldmann" etc.! Manche bekamen on den Behörden ihre Herkunft als Nachnamen zugeteilt: "Reutlinger, Metzinger, Trierweiler" etc.! Manche nahmen sich hebräische Namen oder die Namen ihrer christlichen "Schutzherrn"!

Zum einen war es den Judenvorgeschrieben, bestimmte Namen als "Erkenung" zu tragen. Dazu sind hier schon entsprechende Antworten gegeben.

Zum Anderen lebten die Familien in einem sehr starken gemeindlcihen Verbund, auch in der Diaspora, und die alten Namen hielten sich.

der Wiki link ist doch recht Aussagekräftig, denn die Unterkapitel bearbeiten di verschiedensten Aspekte

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Familienname

Jüdische Nachnahmen sind genau so vielfälltig und beziehen sich genauso auf verschiedene Dinge (Flurbezeichnungen, Berufsbezeichnungen usw.) wie alle anderen Nachnahmen

Antwort nach Wikipedia (Jüdische_Nachnamen):

In den absolutistisch regierten Staaten Mittel- und Nordeuropas wurde Ende des 18. Jahrhunderts damit begonnen, jüdische Bewohner als Bedingung für erweiterte Bürgerrechte zur Annahme eines unveränderbaren Familiennamens zu zwingen. Zuerst geschah dies 1787 im Erzherzogtum Österreich, es folgten die anderen deutschen Staaten und Städte. In Preußen: 1790 Breslau, 1791 Regierungsbezirk Breslau, 1794 Regierungsbezirk Liegnitz bzw. Glogau, 1812 (als Teil der Emanzipation) Altmark, Neumark, Pommern, Westpreußen, Ostpreußen; 1833 Posen; 1845 Kulmerland; 1846-1848 restliche Provinzen.

Im restlichen Deutschland: 1813 Bayern, 1828 Württemberg, 1834 Sachsen.

Nach einem Erlass vom 20. Juli 1808 von Napoleon, dem sog. décret infâme (L'Univers Israélite, lvii. 472) mussten alle Juden im französischen Reich einen festen Nachnamen tragen, nach und nach führten alle Herrschaftsgebiete Europas ähnliche Regelungen ein.

Die Juden konnten ihre neuen Namen nicht immer frei wählen; so kam es in vereinzelten Fällen zu erniedrigenden oder beleidigenden Nachnamen (Trinker, Bettelarm, Maulwurf), die allerdings später meist wieder geändert werden durften. Aber die österreichischen und französischen Gesetze ließen keine neuen Namen zu, die den jüdischen Hintergrund des Trägers deutlich herausstellten .........................................................................................................................................................................................

Mein Zusatz: wenn Juden selbst kein passender Name bei der zwangsweisen Namensänderung einfiel, konnte es schon passieren, dass die Beamten Fantasienamen festsetzten, z.B. Regenbogen, oder sie äußerliche Körpermerkmale des Antragstellers als Namen eintrugen, z.B. Kussmaul oder Achselschweiss.

Kujapper

Ist der Arzt Kussmaul, dem wir die "Kussmaul"-Atmung zu verdanken haben, Jude gewesen und so an seinen Namen gekommen?

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