Was hat die Menschen zur damaligen Zeit so sehr an „Die Leiden des jungen Werthers?“ fasziniert?

4 Antworten

Hier ist eine sehr gute Analyse:

[...]
Werther ist also im Geist des Sturm und Drang eine Kritik an der Aufklärung, in der ein Mensch die Gesellschaft als Einengung empfindet, sich in ihr nicht zu Recht finden kann und an ihr zu Grunde geht. Hier wird die Innerlichkeit eines Menschen beschrieben, die eben nicht von der Vernunft gelenkt wird und weil er ein Individuum ist, es ihm als solchen manchmal einfach nicht möglich ist rational zu sein. Werther ist letztlich gerade deshalb nicht vernünftig, weil er ein Mensch ist und es ihm als solchen unmöglich ist seine Gefühle zu ignorieren und sich rein vom Verstand leiten zu lassen, auch wenn es in diesem Fall in einen Selbstmord mündet. Es ist letztlich diese Menschlichkeit und diese Emotionalität und Tragik, die  Die Leiden des jungen Werther so erfolgreich gemacht hat.

https://www.grin.com/document/537421

Die Gefühlswelt eines einfachen Mitbürgers wird zum ersten Mal beschrieben im Gegensatz zu der bis dahin geltenden kirchlichen und feudalistischen Literatur.

Die Briefform war damals beliebt, Gefühlsausdruck auch, Naturschwärmerei und natürlich die Selbstmordfrage.

Selbstmord war damals Todsünde.

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@UbuRoi

Das weiss ich ja - deshalb hat das die Leute auch "fasziniert". Was zur (kirchlichen) Norm gehört, fasziniert eben nicht. Das ist doch ganz im Sinne deiner eigenen Antwort?

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@achwiegutdass

Bin ich mir nicht sicher, ob die Leute überhaupt schon gelernt haben, freie Gedanken zu haben. Die Aufklärung war zu Goethes Zeiten noch Sache einer kleinen Bildungselite.

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@UbuRoi

Es ist in der Frage (und in meiner Antwort bzw. meinem Kommentar) nicht die Rede von Aufklärung, sondern von Faszination. Das hat mit "freien Gedanken" nichts zu tun.

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