Was hat die britsiche Kolonialmacht mit dem Nahost-Konflikt zu tun?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Am 2. November 1917 bestätigte der britische Außenminister Arthur James Earl of Balfour (1848-1930) in einem Brief an Lord Rothschild, was das Foreign Office in fast zweijährigen Verhandlungen mit Abgesandten der Zionistischen Weltorganisation ausgemacht hatte: "Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Schaffung einer nationalen Heimstätte ..." (siehe Zitat bei Osmond)

Bereits zwanzig Jahre rang die zionistische Bewegung, die sich die Lösung der "Judenfrage" auf die Fahne geschrieben hatte, weitgehend erfolglos um Unterstützung durch die Großmächte. So schrieb Chaim Weizmann, einer der führenden Köpfe der zionistischen Bewegung und später der erste Präsident Israels, an seinen Freund C. P. Scott, dem Herausgeber des „The Manchester Guardian“, im März 1915:

“Wenn Großbritannien verhindern will, dass Palästina einer anderen Macht zufällt, so muss es auf der Hut sein und jedem Eindringen anderer Mächte einen Riegel vorschieben. [ … ] Ein starker jüdischer Staat in der ägyptischen Flanke ist ein wirksamer Schutz gegen jede etwaige Gefahr von Norden. England hätte in den Juden die geeignetsten Vermittler, die besten Dolmetscher ihrer Ideen in den östlichen Ländern, sie wären eine Brücke zwischen zwei Zivilisationen.“ Zwar sei letzteres nicht unbedingt ein praktisches Argument, gab Weizmann in diesem Brief zu, doch dürfte es “sicher bei einigen Politikern, die gern fünfzig Jahre voraussahen, schwer ins Gewicht fallen.

Es fiel ins Gewicht, zumal nach dem Sykes – Picot - Geheimabkommen vom Mai 1916 über die Aufteilung der arabischen Welt in Einflusszonen, sich die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Nahen Osten noch weiter zuspitzten. Hinzu kam das Unabhängigkeitsbestreben arabisch nationaler Kräfte, die die Einlösung des Versprechens, unabhängige arabische Staaten zuzulassen, von Frankreich und Großbritannien einforderten. Dafür hatten sie schließlich auf Seiten der Entente gegen die Türken gekämpft. Dass dieses Versprechen aber nie ernst gemeint war, mussten die Araber schnell erkennen.

Der britischen Regierung war in dieser Situation daran gelegen, Argumente für die Errichtung ihres Mandats über das Zentrum der arabischen Welt, Palästina, zu bekommen. Sich für die Errichtung einer jüdischen Heimstatt einsetzen zu wollen, erschien den englischen Politikern als eine international wirksame Begründung. Also verband man in der britischen Re-gierung die zionistische Idee von der Gründung des Judenstaates mit dem eigenen Bestreben nach dem Mandat über Palästina.

Im Sommer 1916 nahmen Vertreter der zionistischen Bewegung und Mark Sykes, stellvertretender britischer Verteidigungsminister, Verhandlungen auf. Nahezu ein halbes Jahrhundert sollte vergehen, ehe die Welt erfahren durfte, was damals ausgehandelt wurde. Zwei Journalisten der »Sunday Times« veröffentlichten 1969 in ihrem Buch »Die geheimen Leben des Lawrence von Arabien« Top-secret-Archivpapiere des britischen Außenministeriums: Die Vertreter der zionistischen Bewegung verpflichteten sich, England bei der Herbeiführung und Errichtung des britischen Mandats in Palästina zu unterstützen, wenn die Krone als Gegenleistung eine jüdische Heimstatt förderte. Das Foreign Office formulierte das britische Einverständnis über den Brief Balfours an Rothschild. Bereits einige Tage zuvor, am 11. Oktober 1917, waren britische Truppen unter General Allenby in Jerusalem einmarschiert.

Im Februar 1919 unterbreiteten Delegierte der zionistischen Bewegung auf der Pariser Friedenskonferenz eine Karte vom zukünftigen jüdischen Staat. Zu diesem sollten gehören: im Norden ein bedeutender Teil des heutigen Libanons mit den Häfen Tyr und Saida, der größte Teil Syriens, die Golanhöhen, die Städte Banias und Kuneitra, im Osten das gesamte Westufer des Jordans, im Süden der Hafen Akaba, das Gebiet von Gaza und ein bedeutender Teil der Sinaihalbinsel.

Auf der Konferenz von San Remo im April 1920 bekam die britische Krone das Mandat über Palästina zugesprochen, fixiert im Friedensvertrag von Sèvres am 10. August 1920. In der Präambel des Mandatsvertrages war der wichtigste Teil der »Balfour-Deklaration« verankert: In Palästina seien solche »politischen, administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen« zu schaffen, dass die Errichtung einer jüdischen Heimstätte gewährleistet würde.

Eines der übelsten kolonialen Ränkespiele der Geschichte war über die Bühne gegangen. Großbritannien hatte Palästina zeitgleich arabischen Emiren wie der zionistischen Bewegung versprochen – im Wissen darum, dass jede Seite danach trachten würde, die andere zu verdrängen. Divide et impera. Die britische Kolonialmacht hatte die Saat für Feindschaft, Hass und Gewalt gelegt, die bis heute Frieden in Nahost verhindern.

(Arne Jörgensen, Israel Intern, 1986)

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Nahost/balfour.html

Nicht ganz ohne Grund, aber auch nicht voll zutreffend, sprach man im wilhelminischen Deutschland vom "Perfiden Albion", womit man die listenreiche Diplomatie meinte, die auch krumme Wege gehen konnte, wenn es dem Wohl des Empires diente; dazu gehörten selbstverständlich auch Lügen und Leere Versprechungen, der Depp, der ihnen glaubte, war selber Schuld.

So versprach der britische Außenminister Lord Balfour den Juden eine Heimstatt in Palästina, galt es doch, für die Kriegsführung das vor allem in den USA einflussreiche und wohlhabende Weltjudentum für die Sache der Entente zu gewinnen. Dass zur gleichen Zeit Hunderdtausende jüdischer Soldaten auf Seiten der Mittelmächte mit hehrem Patriotismus für Kaiser und Reich in den Schützengräben ihr Leben ließen, sei hier ausdrücklich hervorgehoben.

Zur gleichen Zeit mobilisierte der britische Einflussagent T.E.Lawrence im Nahen Osten die Arabischen Beduinenstämme gegen die Osmanische Herrschaft und versprach ihnen -guten Glaubens, das sei zugestanden - die Unabhängigkeit in einem Panarbischen Königreich.

Diese zwei Versprechungen waren miteinander absolut inkompatibel. Als das Osmanische Reich, aus der die heutige, auf Kleinasien und einem kleinen Zipfel Europa beschränkte, moderne Türkei hervorging, den Krieg verlor, wurden dessen Besitzungen im Nahen Osten zu Mandatsgebieten des Völkerbuindes erklärt, die bis zu einer, in unbestimmter, aber nicht zu ferner Zukunft geplanten Selbständigkeit von den Mandatsmächten verwaltet werden sollten. Dabei fielen Syren und der Libanon an Frankreich, Palästina, Transjordanien und der Irak an Großbritannien. Diese heutigen Staatsgebilde wurden auch ehemals osmanischen Provinzen zusammengeklebt, wobei auch religiöse und ethnische Befindlichkeiten bewusst keine Rücksicht genommen wurde, da es bewährtes System britischer Kolonialpolitik war, im Innern den alten Potentaten ihre formelle Macht zu erhalten, um nach Außen ungestört zu regieren, wenn sich die einzelnen Ethnien und Religionsgemeinschaften durch Scharmützel gegenseituig neutralisierten.

Das fiel im Orient schon deshalb leicht, weil der Islam die Trennung von Staat und Kirche nicht nur nicht kennt, sondern auch strikt ablehnt, und auch keine religiöse Oberinstanzn wie den Papst aklzeptiert. Das Leben in der Wüste konnte nur bestanden werden, wenn man in kleinen, aber von einem Familienpatriarchen straff geführten Clans lebte. Der Einzelne war Teil einer Stammesgemeinschaft, aus der sich kein überregionales Zusammengehörigkeitsgefühl und schon lange kein Patriotismus entwickeln konnten.

Panarabische Versuche, zu Staatenunionen zu kommen, erwiesen sich stets als kurzlebig, etwa die VAR und G.A.Nasser oder die Arabische Föderation der Königshäuser Jordaniens und des Irak in den 50er Jahren. das aber war schon in der postkolonialen Periode. Englands letzter Autritt war Edens Husarenritt 1956 zur Besetzung des Suezkanals, zeitgleich flankiert von dem israelischen Durchmarsch auf dem Sinai. Er musste scheitern, weil die USA, gut beschäftigt, die UdSSR durch Zurückhaltung bei der Niederschlagung des Ungarnaufstandes im Spätherbst 1956 ruhig zun halten, nicht auch noch im Nahen Osten ein Ölfass aufmachen wollten und den Invasionstruppen Großbritanniens und Frankreichs im Weltsicherheitsrat die Unterstützung versagten.

Im Zusammenhang mit Israel-Palästina?

Nach dem 1. Weltkrieg wurde GB das Mandat für Palästina übertragen, vom Völkerbund. GB hatte sich verpflichtet, die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina zu fördern (das steht so im Mandat). 1922 wurde Jordanien geschaffen, aus dem Teil östlich des Jordans (das war im Mandat auch ein Teil von Palästina).

GB war dann zwischen verschiedenen Interessen hin- und hergerissen. Der Mufti von Jerusalem und andere arabische Gruppen wollten auf keinen Fall, dass ein jüdischer Staat entsteht.

Entgegen den Verpflichtungen aus dem Mandat beschränkten die Briten die jüdische Einwanderung nach Palästina im 2. Weltkrieg (als Juden vor den Nazis flohen) durch Kontigente.

Diese Politik wurde auch nach dem 2. Weltkrieg noch aufrechterhalten: mehrere Schiffe mit Überlebenden des holocausts wurden vor der Israelischen Küste abgefangen und nach Zypern geschickt. Dort gab es ein Internierungslager für jüdische Flüchtlinge.

Bei der UNO-Abstimmung von November 1947 über die Schaffung eines jüdischen Staates hat GB sich enthalten. Da eine 2/3-Mehrheit von allen Mitgliedern notwendig war, entsprach eine Enthaltung einer Nein-Stimme.

d.h GB hat versucht, es allen recht zu machen und damit den Konflikt ziemlich angeheizt. GB war von den arabischen Ländern sehr beeinflusst und wollte sich mit ihnen nicht schlecht stellen.

Die Briten haben bei der Übergabe bzw. Aufgabe des Palästina mandates nicht die Balfour Deklaration umgesetzt,. Ob ides auf alle Briten, die in Palästina Machtbefugnis in welcher Position auch immer hatten,, zutrifft, ist zu bezweifeln. Doch die Stimmung war insgesamt Antijüdisch und so haben die Briten den Juden schonbei der Staatsgründung solche gewaltigen Steine in den Weg gelegt, die heute noch den Weg zum Frieden und einer gesicherten Nation Israel nachhaltig stören und behindern. Insgesamt kann die britische Politik als wankelmütig bezeichnet werden.. bei der Abstimmung auf der I Unovollversammlung 1947 bezüglich der Gründung eines Staates Palästina enthielten sie sich, in meinen Augen ein weiteres Beispiel ihrer Unaufrichtigkeit, der Stimme.

Auszug aus http://www.aufenthaltstitel.de/stichwort/palaestina.html

..Das britische Mandat

Mit Hilfe der Araber besetzten die Briten im Kampf gegen das Osmanische Reich 1917 bis 1918 Palästina. Bereits 1915 hatte die britische Regierung den Arabern die Herrschaft über Palästina für die Zeit nach dem 1. Weltkrieg in Aussicht gestellt. England hatte jedoch auch andere konfliktträchtige Zusagen gegeben. So hatte es in dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen mit Frankreich und Russland (1916) vereinbart, die Region nach dem Krieg mit seinen Verbündeten zu teilen und gemeinsam zu regieren. In einer dritten Vereinbarung, der Balfour-Deklaration von 1917, versprach England den Juden, deren Hilfe es im Krieg benötigte, eine jüdische "nationale Heimstatt" in Palästina. Dieses Versprechen wurde nachfolgend in das Mandat für Palästina eingearbeitet, das der Völkerbund im Jahre 1922 an Großbritannien übertrug.

Während der Mandatszeit (1922-1948) fiel es den Briten schwer, ihre widersprüchlichen Zusagen gegenüber Juden und Palästinensern miteinander zu vereinbaren. Die Zionisten stellten sich eine jüdische Einwanderung im großen Umfang vor, einige sprachen sogar von der Gründung eines jüdischen Staats, der ganz Palästina umfassen sollte. Die arabischen Palästinenser dagegen fürchteten eine Verdrängung durch die Zionisten; antizionistische Angriffe ereigneten sich in Jerusalem (1920) und Jaffa (1921).

Nach 1928, als die jüdische Einwanderung zunahm, kam die britische Haltung zur palästinensischen Frage ins Wanken. Nach der 1933 erfolgten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland stieg die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina noch einmal stark an, und allein im Jahr 1935 kamen fast 62 000 Juden in das Gebiet. Die Furcht vor der Dominanz der Juden war die Hauptursache für die arabische Revolte, die 1936 ausbrach und bis 1939 andauerte. Danach schränkten die Briten erneut jüdische Einwanderung und Landkäufe ein..........

Merzherian 19.03.2012, 12:06

Ein LINK der Bundszentrale für politische Bildung. Das Gremium steht ja nicht im Verdacht, unrecherchierte Informationen zu verteilen. Ein guter Abriß bis 2008 in dem auch auf die verschiedenen Problematiken in der Region eingegangen wird.

http://www.bpb.de/themen/U1VFVM,0,0,Die_Gr%FCndung_des_Staates_Israel.html

0

Wie so oft ist die öffentliche Version, um es diplomatisch zu formulieren, nicht ganz vollständig. - Frage Dich mal, wer in den letzten Jahren wirtschaftlich gesehen Kriegsgewinner gewesen ist und welche Verbindung diese Länder zueinander haben.

PatrickLassan 19.03.2012, 12:36

Wie wär's mit einer vernünftigen Antwort anstelle von ominösen Andeutungen?

0
samsom 19.03.2012, 13:23
@PatrickLassan

Daran ist nichts ominös. Es erfordert nur etwas eigenständige Recherche, welche Länder international Wirtschaftsabkommen bzw. Verträge zur Kooperation miteinander haben und wer wem, wann Waffen liefert und in der Vergangenheit geliefert hat, sowie welche Konzerne daran beteiligt sind. Aber was erwarte ich von jemandem, der nichts kann als anderer Leute Beiträge mit geistvollen Kommentaren zu versehen, statt einen eigenen Beitrag zu schreiben. Und wer profiterit davon, wenn der Ölpreis fällt, wenn auf den Straßen im Nahen Osten Blut fließt?

0

Hi, Du meinst sicher die Balfour Deklaration während des 1. Wk? England brauchte das Geld der jüdischen Plutokraten, gab dafür die Erklärung ab, daß Palestina jüdische Heimstätte werden würde. Gleichzeitig warben sie bei den Arabern um Unterstützung für ihren Krieg, versprachen denen auch Palestina. Siehe Link. Gruß Osmond http://jafi.jewish-life.de/zionismus/act/23zion.html Zitat: 2. November 1917

Lieber Lord Rothschild! Ich habe die Freude, Ihnen im Namen der Regierung seiner Majestaet, die folgende, dem Kabinett eingereichte und von ihm gebilligte, Deklaration zu uebermitteln, die die Sympathie fuer die juedischen zionistischen Bestrebungen ausdrueckt. "Die Regierung seiner Majestaet betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstaette fuer das juedische Volk in Palaestina. Sie wird das Erreichen dieses Zieles mit besten Kraeften unterstuetzen und erleichtern. Es moege klar verstanden werden, dass nichts unternommen werden soll, das die buergerlichen und religioesen Rechte der nichtjuedischen Gemeinden in Palaestina beeintraechtigt, oder die Rechte und den politischen Status, den die Juden in irgendeinem anderen Land geniessen. Ich waere Ihnen dankbar, wenn sie diese Erklaerung der Zionistischen Foederation zur Kenntnis bringen. Ihr ergebener Arthur James Balfour

die briten haben als einstige kolonialmacht nicht für einen politischen ausgleich gesorgt und nachweislich die araber betrogen und die juden in palästina politisch bevorzugt -- die ursachen reichen in den ersten weltkrieg zurück in dem die arabischen aufständigen die türkischen kolonialmächte aus dieser region verdrängten und die ihnen zugesagte unabhängigkeit von den briten nicht erhielten

helmutgerke 19.03.2012, 10:02

nachweislich die araber betrogen und die juden in palästina politisch bevorzugt

das ist deine persönliche Version und keinesfalls zutreffend

0
PatrickLassan 19.03.2012, 12:37

die türkischen kolonialmächte

Mehr als eine türkische Kolonialmacht gab es nicht, nämlich das osmanische Reich.

0
Merzherian 19.03.2012, 12:44
@PatrickLassan

Ich glaube, bei der Antwort steht die persönliche Meinung ohne fundierte, sachliche Hintergründe im Vordergrund. Mit den Tatsachen, die in unzähligen offiziellen Schriftstücken dokumentiert sind, hat sie überhaupt nichts zu tun

0

Was möchtest Du wissen?