Was hat der Mond mit meinem Schlaf zu tun?

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6 Antworten

Hallo klv96,

hast Du schon mal mit Freunden Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt? Vermutlich ja... und dann kennst Du ganz bestimmt auch die Situation, dass einer der Mitspieler das Glück gepachtet zu haben scheint. Der würfelt immer genau das, was er braucht, während die anderen mehrere Runden auf die erste Sechs warten müssen...

Ist deswegen der Würfel gezinkt? Oder schief?

Nein! Wir gehen nur davon aus, dass zufällige Ereignisse immer "zufällig" aussehen. Echte zufällige Zahlenreihen enthalten aber immer Häufungen - scheinbare Muster. Bei einem echten Zufallswürfel kann man sehr wohl 3 Sechser hintereinander würfeln - und dann wieder 20 Würfe keinen einzigen.
Das widerspricht unserer Vorstellung vom Zufall. Wir sind evolutionär darauf getrimmt, in Häufungen auch Zusammenhänge zu vermuten.

Mit "Einbildung" - das möchte ich betonen - hat das NICHTS zu tun. Es sind tiefenpsychologische Mechanismen am Werk, die Psychologen unter "Mustererkennung" einstufen. Es ist eher wie bei optischen Täuschungen: Durch geschickte Anordnung von Linien sehen wir automatisch Dinge, die nicht da sind. Wir bilden uns auch nicht ein, etwas zu sehen - wir sehen ist intuitiv, automatisch, egal ob wir mit Vorwissen oder unvoreingenommen auf die Bilder sehen.

Ich habe das hier in meiner Antwort auf eine ganz ähnliche Frage erklärt und drei gute uns ausführliche Links zum Thema mitangegeben:

https://www.gutefrage.net/frage/wirkt-sich-die-mondphase-auf-den-schlaf-aus?foundIn=list-answers-by-user#answer-224977046

Der Mond ist gänzlich unschuldig. Er ist leider nur ein auffälliger Sündenbock, wenn er voll am Himmel steht, während wir nicht schlafen können. Den Schlaf stört er eigentlich nur, wenn er voll ins Fenster scheint und es ungewöhnlich hell ist im Zimmer. Die Mythen um die Schlaflosigkeit beim Vollmond gehen hier aber weiter und postulieren Einflüsse auch bei Dunkelheit.

Die letzten paar Vollmonde sind kein großer Datensatz. Die letzten beiden Male - das sollte man bei solcher "Auswertung" bedenken, fiel der Vollmond auf das Wochenende (FReitag und diesmal Sonntag). Am Wochenende sind wir anders aktiv als unter der Arbeitswoche. Wir gehen zu anderen Zeiten ins Bett und haben bis kurz davor andere Dinge gemacht. Das kann zu einem anderen Schlafverhalten am Wochenende führen.

Im Übrigen täuschenuns nachweislich hier auch unsere Erinnerungen, wie die Studie von  McFarlane und Williams belegt: Sie ließen 1994 mehrere Frauen über einen längeren Zeitraum hinweg über ihre täglichen Stimmungsschwankungen Tagebuch führen. In anschließenden Interviews gaben 1/3 der Teilnehmerinnen auf Nachfragen an, ihre schlechten Stimmungen seien mit dem Vollmond korreliert gewesen. Diese so erinnerten Stimmungsverschlechterungen zu Vollmond fanden sich in den Tagebuchaufzeichnungen jedoch überhaupt nicht.

Verstärkt wird diese Verfälschung der Erinnerung noch durch selbstverstärkende Effekte: Wenn Bestätigung einer These gegeben wird, ohne sie zu überprüfen. "Ich habe schlecht geschlafen"... Antwort: "Ich auch. War bestimmt wieder Vollmond."... "Ja, bestimmt. Da schlafe ich immer schlecht". Meine Freundin sagt zum Beispiel immer "Ich habe schlechte Laune heute, muss wieder Vollmond sein." - Ich habe bei solchen Aussagen immer konsequent im Kalender nachgesehen... und siehe da. Die Äußerung fiel zu allen Mondphasen. Wenn Du sauber über Monate Hinweg Schlaftagebuch führst, wirst Du dasselbe feststellen, denn:

Große Studien - in denen erheblich mehr Ereignisse ausgewertet wurden, zeigen keinen Einfluss des Vollmondes auf unseren Schlaf.

https://www.mpg.de/8271794/schlaf_vollmond

Ein solcher ist zudem physikalisch nicht plausibel erklärbar. Wir haben
weder eine Theorie noch ein gemessenes Phänomen - also ein stimmiges
Gesamtbild. Umstritten ist das Ganze nur, weil rund jeder Dritte vermeint, bei Vollmond schlecht zu schlafen - und diese "gefühlten persönlichen Eindrücke" oft als aussagekräftiger eingeschätzt werden, als Studien, an denen man nicht teilgenommen hat. Wir hören einfach nicht gerne, dass wir uns irren... auch so eine psychologische Sache...

Grüße

Hallo! Perfekte Antwort von uteausmuenchen. Einen wirklichen Nachweis dass sich der Mond mehr als durch seine Helligkeit auf den Körper auswirkt gibt es nicht. 

Der Mond ist für den Schlaf ebenso wichtig - oder unwichtig - wie eine Glühbirne an Deiner Decke und die muss man auch ausschaalten.

Ich wünsche Dir alles Gute.

Hsbe ich auch: bei Vollmond kann ich schlecht einschlafen und komme morgens auch schlecht aus dem Bett. Auch ich achte nicht wirklich darauf, wann Vollmond ist. Das Phänomen hat ev damit zu tun,  dass der Mond ja auch Auswirkungen auf Ebbe und Flut hat und der Mensch zu 80% aus Wasser besteht. LG 

Kommentar von klv96
16.10.2016, 10:12

Ja das kann sein. finde das trotzdem und unnormal komisch

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Kommentar von Australialiker
16.10.2016, 10:39

Es ist wissenschaftlich bewiesen das der Mond kein Einfluss auf den Mensch hat.

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Kommentar von uteausmuenchen
16.10.2016, 13:53

Hallo Elfi96,

Das Phänomen hat ev damit zu tun,  dass der Mond ja auch Auswirkungen auf Ebbe und Flut hat und der Mensch zu 80% aus Wasser besteht.

Nein, das wird gerne von Astrologen so verbreitet, das ist aber falsch, wie Du Dir leicht überlegen kannst:

1) Dein Körper besteht nicht zu 80% aus Wasser. Es sei denn, Du bist eine Gurke - was ich bezweifeln würde. ;-)

2) Die Aussage beruht auf der falschen Annahme, dass die Gezeitenkraft nur auf Wasser wirken würde. Tatsächlich wirkt die Gezeitenkraft - wie die Schwerkraft ja auch - auf alle Massen. Das Wasser in den Ozeanen kann ihr nur leichter folgen als die unbeweglicheren Landmassen.

3) Die Gezeitenkraft des Mondes schwankt nicht mit der Mondphase. Der Mond hat immer dieselbe Masse, egal, ob voll oder "neu". Sein Abstand schwankt mit einer anderen Periode als den Mondphasen.

4) Gezeitenkraft ist der Unterschied der Schwerkraft zu beiden Seiten eines Körpers. Bei der Erde ist die mondzugewandte Seite 12 000 km näher am Mond als die mondabgewandte. Über diese Distanz ändert sich sein Schwerkrafteinfluss natürlich merklich. Bereits in Seen sieht man aber keine Gezeiten mehr. In der Badewanne - vergleichbargroß wie wir selbst - auch nicht. Das Wasser in den Körperzellen hat wenige Mikrometer Platz. Das sind 12 Größenordnungen weniger als das Wasser in den Ozeanen: Nein, in Deinen Körperzellen hast Du definitiv keine Gezeiten... denn:

4) Gezeitenkraft übt zudem nicht nur der Mond, sondern jede Masse in unserer Umgebung auf uns aus. Selbst wenn diese erheblich keiner sind als der Mond, so sind sie doch sehr viel näher da. Die Gezeitenkraft sinkt aber mit der dritten Potenz des Abstandes. Eine Mutter, die ihr Kind auf dem Arm trägt, übt eine zigtausendfach höhere Gezeitenkraft auf es aus als der Mond. Nach dieser Logik solltest Du auch schlecht schlafen, wenn draußen auf der Straße ein Auto mehr parkt als sonst. 

5) Dass es viele Dinge gibt, die man nicht verstanden hat, ist richtig. Andernfalls bräuchte man ja gar keine Natur-wissen-schaft mehr. Das heißt aber nicht, dass man durch simples Nachzählen und ein wenig Statistik nicht gut zeigen könnte, dass es die im Volksmund postulierten Einflusse des Mondes einfach nicht gibt.

Grüße

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Es gibt das Phänomen, das manche Leute bei Vollmond schlechter schlafen, nur erklären kann das niemand wirklich.

Kommentar von uteausmuenchen
16.10.2016, 14:40

Das ist die Studie von Christian Cajochen aus dem Jahr 2013.

Sie ist sehr klein und damit anfällig für statistische Fehler. Und genau ein solcher ist in der Datenbasis der Studie drin: In der Vollmondgruppe sind die Teilnehmer etwas (nicht signifikant, aber etwas) älter als in den anderen Gruppen. Im Alter hat man einen anderen Melatoninspiegel - und schläft weniger. Das kann dazu beigetragen haben, dass man die minimalen Gruppenunterschieden gefunden hat. Größere, statistisch aussagekräftigere Arbeiten finden nichts.

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