Was hat das 'Vorspiel' mit dem eigentlichen Stück im Kaukasischen Kreidekreis zu tun?

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1 Antwort

Weil mich das Thema selbst auch interessiert, hab ich im Internet bisschen rumgesucht. Da steht ja alles mögliche. Einleuchtend fand ich folgende Argumentation: Der widersprüchliche Adzak ist juristisch gesehen ein schlechter Richter, der sich jedoch durch Menschlichkeit gegenüber dem einfachen Volk auszeichnet. Das institutionelle Recht dagegen entbehrt im Stück jeder Gerechtigkeit, dient lediglich den Herrschenden und der Durchsetzung ihrer Interessen. Diese herrschende Klasse (etwa Fürst Kazbeki, sein Neffe, die Großbauern, die adligen Damen, die Gouverneurin) ist als dünkelhaft, unproduktiv und ausbeuterisch charakterisiert. Unter solchen negativen Verhältnissen kann Gerechtigkeit nur dadurch entstehen, indem das Recht konsequent gebrochen wird.

Konträr dazu entwirft der Sozialist Brecht das Bild einer neuen Gesellschaft, repräsentiert durch die beiden Kolchosen. In dieser Gesellschaft ist das Recht in die Köpfe der Menschen eingegangen. Rechtsprechung erfolgt harmonisch im gegenseitigen Dialog – basierend auf Vernunft und Gerechtigkeit. Ausschlaggebendes Kriterium für die Entscheidung um das Tal ist dessen optimale Nutzung, die dem Wohl aller dient. Dieses Wohl wird über die traditionellen Vorstellungen von Besitz gestellt. Die Sage aus den alten Zeiten ist somit mahnendes und lehrendes Exempel zugleich: Derselben Logik wie die Kolchosbauern folgend urteilt Adzak im Kreidekreis-Urteil danach, was das Beste für das Kind ist. Die biologischen Besitzansprüche der leiblichen Mutter treten dahinter zurück. Grusche, die sich im Verlauf des Spiels von einem einfältigen Werkzeug zu einem eigenständigen und kritischen Menschen entwickelt, ist die bessere Mutter, womit ihr das Kind zusteht.// Der link dazu lautet: http://suite101.de/article/bertolt-brecht-der-kaukasische-kreidekreis-a52743

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