Was haltet ihr von einer Schwarz-Gelben Koalition?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Persönlich finde ich das von dir geschriebene eine gute Vorstellung,persönlich glaube ich aber bei einer Schwarz-Gelben regierung wird einfach weiter so rumgemerkelt wie die letzten Jahre.

Gerade Cannabis legalisierung wird die CDU/CSU niemals mittragen und der FDP wird das Thema nicht wichtig genug sein,um deshalb die Koalition in gefahr zu bringen.

Ja ok so herum stimmt das auch 😄

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Was haltet ihr von einer Schwarz-Gelben Koalition?

Gar nichts. Was dabei herauskommen würde, wäre noch mehr Neoliberalismus als wir ohnehin schon haben. Wozu soll das gut sein? Wenn es noch mehr Deregulierungen in der Wirtschaft gibt, dann hat die Politik bald gar keine Kontrolle mehr über die Machenschaften der großen Konzerne. Menschenrechte und Umweltstandarts müssen sich dann noch stärker der Gewinnmaximierung unterordnen. Die Ausbeutung der Entwicklungsländer zugunsten unseres Wirtschaftswachstums wird ausgebaut. Das ist nicht nur aus ethischer Sicht zutiefst verwerflich, sondern begünstigt auch noch Fluchtursachen, worunter Deutschland letztendlich selbst leidet.

Schon heute verpasst die BRD ihre Klimaziele deutlich; ganz zu schweigen davon, dass CO2-Werte nur ein kleines Teilgebiet der Ökologie sind. Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchten wir 3,5 Planeten! So maßlos leben wir mit unserem Konsum- und Wegwerfverhalten über unsere Verhältnisse hinaus. Wenn wir jetzt noch eine durchweg wirtschaftsliberale Regierung haben (bei der FDP hat Umweltschutz ja ohnehin eine sehr niedrige Gewichtung), werden sich diese Umstände noch steigern. Denn der Neoliberalismus basiert nun mal auf permanenter Produktionssteigerung (= erhöhter Ressourcenverbrauch) und der damit verbundenen Konsummaximierung.

Lobbyisten kriegen noch mehr Einfluss bei politischen Entscheidungen. (Dann haben wir Kartellbildungen bald nicht mehr nur in der Autoindustrie. Und noch mehr Marionetten wie Dobrindt, die den Lobbyisten nach dem Mund reden.) Große Unternehmen fusionieren zu Monopolen und bestimmen den Markt, worunter der Wettbewerb leidet. Die Kommerzialisierung diverser Gesellschaftsbereiche schreitet voran; also alles wird zur Ware, überall wird versucht, Geld zu machen und überall herrscht die Logik des Marktes, des Konkurrenzkampfes. Die Reichen werden noch reicher und die Armen werden noch ärmer (schon heute ist das Vermögen auf der Welt sowie das Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt). Zu guter Letzt steigt das Risiko für den nächsten Börsencrash, denn je mehr Narrenfreiheit die Wirtschaft bekommt, umso utopischer werden die Spekulationen. Ist das eine Welt, in der Du Leben möchtest?! Ich nicht. Und deswegen werde ich ganz bestimmt nicht die VWL-ideologisch benebelten Wirtschaftsliberalen wählen, deren begrenzte Denkweise nur ein Dogma kennt: "Der freie Markt ist eine Allzweckwaffe und heilt alle Wunden"... Mal ganz abgesehen davon, dass ich kaum Sympathie für Politiker dieser Parteien finden kann. Weder für die charismalosen Debatten-Aussitzer Merkel und De Mazière, noch für den arroganten Tauber und auch nicht für den narzisstischen Sunnyboy Lindner.

Gute Argumentation - was würdest du den vorschlagen? Also welche Koalition oder gar eine einzelne Partei? Ich persönlich bin ja für das amerikanische Wahlsystem

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@bigphil12345

Danke!

Ich sehe ein großes Problem in der deutschen Politiklandschaft darin, dass sich die Parteien extrem angenähert haben. Man kann zwischen Union, SPD, Grünen und FDP nur noch marginale Unterschiede erkennen. Ob Merkel, Schulz, Özdemir, Lindner... läuft prinzipiell aufs Gleiche hinaus, beim einen halt um eine Nuance sozialer und beim anderen eine Nuance marktradikaler. Im Kern richten sie ihre Politik nach Meinungsumfragen und verfolgen von daher die gleiche sozial-liberale Ausrichtung, die derzeit nun mal dem gesellschaftlichen Mainstream entspricht. Hinzu kommt, dass politische Debatten über unbedeutende Popelsthemen geführt werden. Das schafft Orientierungslosigkeit und Politikverdrossenheit, weil die Leute sich von keiner Partei mehr wirklich vertreten fühlen und schnell die Haltung entsteht: "Die Politiker sind alle gleich verlogen." Dadurch nährt man den Boden für Parteien wie die AfD. Diese wiederum inszeniert sich laut pöbelnd als Alternative und gibt vor, Politik für den kleinen Mann zu machen, entspricht vom Wirtschaftsprogramm jedoch exakt dem neoliberalen Mainstream und bedient ansonsten eine rechtspopulistische Rhetorik, die vor 20, 30 Jahren noch CDU-typisch war. Alternativ oder zukunftsweisend ist das nicht. Herausstechen tut eigentlich nur Die Linke, als einzige Partei, die unsere Wirtschaftsordnung infrage stellt (und dabei nicht, wie häufig vorgeworfen wird, den Kommunismus einführen will) und sich nicht durch Unternehmensspenden schmieren lässt. Kein Wunder, dass die etablierten Parteien forcierten, sie durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen, also ihr ein Stigma der Illegalität aufzudrücken. Ähnlich wird ja auch gegen Organisationen wie Attac vorgegangen. Ich halte Sahra Wagenknecht für eine sehr kompetente und authentische Politikerin, sogar ihre Kritiker erkennen neidlos an, dass die Frau sehr viel Ahnung von Wirtschaftsthemen hat. Die sehr positiven Rezensionen ihrer Bücher seitens der wirtschaftsliberalen FAZ sprechen Bände. Da ich für Humanismus bin, für eine verantwortungsvolle Art zu wirtschaften, von der ALLE (alle Menschen ungeachtet Nation/gesellschaftlichen Status, sowie Tiere und Pflanzen) bestmöglich profitieren, werde ich wohl links wählen. Ebenfalls spannend finde ich Die PARTEI, meiner Meinung nach sollten Protestwähler, Unentschlossene oder eigentliche Nichtwähler denen ihre Stimme geben, weil dadurch ihre Haltung besser repräsentiert wird als durch eine rechte AfD oder das wirkungslose Nichtwählen.

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@bigphil12345

Achja, und noch was: Grundsätzlich sollte man meiner Meinung nach die Handlungsmöglichkeiten der Parteien für gesellschaftliche Veränderungen nicht überbewerten. Damit sich wirklich etwas ändert, müssen auch weite Teile der Gesellschaft und natürlich der Wirtschaft mitziehen. Zumindest aber kann eine Regierung ein Teilgebiet verändern und besser machen, nämlich eben das auf politischer Ebene, das der Rahmenbedingungen. Insofern lohnt es sich auf jeden Fall zu wählen.

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Halte ich für großen Unsinn. Zum einen, weil es am Ende einen gemeinsamen Koalitionsvertrag gibt, in dem alle Ziele, die innerhalb einer Legislaturperiode erreicht werden sollen, enthalten sind. 

Dabei geht es um Kompromisse und nicht darum, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Zum anderen haben wir gesehen, was es bedeutet, wenn CDU, CSU und FDP den politischen Alltag in Deutschland bestimmen: Bekenntnis zur Zwei-Klassen-Medizin, keine Mindestlöhne, dafür aber die Mövenpick-Steuer. So eine Koalition brauchen wir bestimmt nicht noch einmal. 

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