Was haltet ihr von dem Spruch (in der Beschreibung) eure Meinung?

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

"Wenn man zu oft verzeiht, gewöhnt sich der Mensch daran, dich zu verletzen".

Dieser Satz, sinngemäß ins Passiv gesetzt, (''Wird einem zu oft verziehen, sündigt es sich immer unbeschwerter') lässt mich an die katholische Beichte mit 'Instant-SündenVergebung' und die Konsequenzen aus dem Win-Win des Ablasshandels denken; gut ins Bild passt hier der schwer im Kommende eKlingelbeutel mit integriertem NFC-Kartenzahlungsmodul.

Ich habe immer schon gedacht: der pädagogisch nachhaltigere Weg wäre es ja doch, die alten Sünder doch erstmal zappeln zu lassen. Ob es wirksam ist, sich durch einfaches Eingestehen dessen, was man sich als Schuld zurechnet, zusammen mit Runterbeten von ein paar Rosenkränzen und schnödem Mammon sich von mal zu mal so einfach vom moralischen Druck zu befreien, sei mal dahingestellt.

'Wenn einem zu oft verziehen wird, sündigt es sich immer unbeschwerter.'

Für die protestantische Vorstellung, bei der die Vergebung aller Sünden nicht als Deal konzipiert ist, sondern auf eigene Bitte im Gebet und erst am Lebensende durch göttliche Gnade geschehen kann, bleibt der moralische Druck auf das Gewissen pädagogisch wirksam: jeder hat sein negatives Sündenkapital im Interesse des eigenen Seelenfrieden bis dahin so zu managen, dass es auch zu Lebzeiten erträglich bleibt. Durch den Verzicht auf vorschnelle Vergebung kann man sein Leben gleich schon 'sündenarm' ausrichten.

(Am Rande: wer weiß: vielleicht resultieren aus diesem moralischen Leistungsdruck ja auch Kirchenaustritte...!?)

Spannend wäre mal herauszufinden, inwieweit sich dieser Satz in der Konsequenz samt pädagogischen Auswirkungen auf das Gesamtbild der Missbrauchsfälle nach Konfession ausgewirkt hat.

Im Grunde muss jeder die Folgen seines Handelns selber tragen. Derjenige, der viel vergibt hat zur Folge ein gutes Gefühl und ist stark. Der, dem vergeben wird, fühlt sich schwach und und trägt die Folgen seiner Handlung selber.

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@Modilein

Interessant!

Das hieße ja, dass man jemanden durch Vergebung regelrecht schwächen kann. Uns dass man vor lauter gutem Gefühl nach vollendeter Vergebung Hassgefühle wirkungsvoll ausbremsen könnte. Das könnte man dann sogar strategisch einsetzen!

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Das in einer dieser Sprüche, die nicht richtig definiert werden können. Das Verhalten der Menschen, ist individuell. Bedeutet: Jeder benimmt sich eben anders.

Ich persönlich, würde einen Menschen der oft verzeiht, nie verletzen. Weil ich eben weiß, dass dieser Mensch herzensgut ist.

Aber dann gibt es die Sorte Mensch, die diesen herzensguten Menschen ausnutzt, weil er eben weiß, dass ihm ja doch wieder verziehen wird.

Der Spruch ist also halbwahr. Je nach dem, mit welcher Art Mensch man es zu tun hat. Aber klar, es ist "gefährlich" schnell und oft zu verzeihen. Positive Auswirkungen hat das nur selten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Verzeihen ist eine gute Sache - per se mal. Weil man sich mit nicht-verzeihen nur selbst schadet. Man sollte nur wissen wann Schluss ist und eine derartige Verbindung einfach lösen. Beim verzeihen ist es wie beim Verschenken - erwarte keine Gegenleistung. Mach es gern oder gar nicht.

Ich halte diesen Spruch also für selbstinduzierten Blödsinn der sich vielleicht gut anhört, in der Praxis aber nur dafür sorgt dass man sich entweder selbst schadet indem man verzeihen verlernt oder versucht jemanden zu verändern. Beides unsinnig.

Ist was Wahres daran, denn wenn du zu allen Dingen nur JA sagst, dann wird man dich zu guter Letzt ganz einfach nicht mehr fragen

Es ist klar, Meinungen gibt es viele.

In einem "bekannten Buch" steht ein anderer Spruch:

Du sollst nicht sieben Mal verzeihen, nicht 70 mal, sondern 7 mal 70 mal ...

(oder so ähnlich)

Ich bin überzeugt, dass die Antwort auf Deine Frage nicht eindeutig zu beantworten ist, da es eindeutig vom "Gegenüber" oder dessen Charakter abhängt.

Der Satz beschreibt meiner Ansicht nach Menschen, die oberflächlich sind oder einen unreifen, weniger wertvollen Charakter haben. ---

Ich zum Beispiel wäre sicherlich meistens dankbar für ein Verzeihen oder auch mehrere Male, was wahrscheinlich selten vorkäme. Ich würde vermutlich darüber nachdenken, was zwischen uns "gelaufen" wäre und würde mich bemühen, es besser zu machen ...

Ich liege näher am Standpunkt, öfter (meistens) zu verzeihen, weil ich dem anderen eine Chance gebe und weil niemand perfekt ist. Wir sind doch alle gezeichnet von unserem Alltag, oder ?

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