Was haltet ihr vom Ordoliberalismus?

3 Antworten

Im Kern schlägt der Ordoliberalismus eine Technik (kein Heilsplan!) vor, wie Widersprüche innerhalb einer Gesellschaft für die Gesellschaft als Ganzes vorteilhaft (ich mag das überzogene Wort "optimal" nicht) gelöst werden können. Einerseits sollen mündige Bürger die Freiheit haben, über ihre Lebensversorgung in freien Austausch zu treten, geleitet von ihren Individualinteressen und andererseits sollen sie zu allen gemeinsamen Problemem auf demokratischem Weg zu Abstimmungen und Festlegungen finden, die sich mit ihrer individuellen Freiheit grundsätzlich vertragen. Dabei versucht der Ordoliberalismus die einzelnen Problemfelder zu beschreiben und Lösungswege vorzuschlagen.

Die Wirksamkeit des Ordoliberalismus steht und fällt mit der Potenz mündiger Bürger. Wenn Bürger sich angstgetrieben selbst in Ketten der Knechtschaft einer Partei und ihrer Volkstribunen legen wollen, kann und wird der Ordoliberalismus zwar Tränen vergießen, kann es aber nicht verhindern. Einige seiner Instrumente sind durchaus auch für Parteifunktionäre missbrauchbar (siehe China). Der Ordoliberalismus kann auch keine Wirkung entfalten, wenn große Teile der Bürger freiwillig (aus Bequemlichkeit, aus Unwissen) ihre Mündigkeit gegen bequeme Sofakissen austauschen und lieber Sport und Krimis schauen oder Mode und Kosmetik. Wenn Bürger, wie Kant bereits in seiner Schrift über die Aufklärung sagt, lieber anderen das Ruder überlassen als sich selbst der Mühe des Nachdenkens und Entscheidens zu unterziehen, findet der Ordoliberalismus keine Ansprechpartner.

Auf gut deutsch: Der Ordoliberalismus als ein gesellschaftlich-ökonomisches Denkmodell kann aus sich heraus gar nichts, wenn sich die Menschen seinen Anforderungen verweigern. Der Ordoliberalismus "kämpft" auch nicht mit dem Sozialismus und der Kapitalismus ist auch kein mittelalterlich agierender Teufel gegen die Welt des Heils. Es sind Modelle, der Kapitalismus sogar eine unumgehbare Realität, die auch der Sozialismus nicht abschaffen kann, auch wenn dessen Propheten diese Teufelsaustreibung lauthals versprechen, die für sich genommen nicht handeln: Die Menschen handeln und gehen um. Wie Menschen mit Geld umgehen ist Entscheidung der Menschen, was sie tun und was sie zulassen, und Geldscheine weden vom Wind durch die Gegend geblasen, bis sie ein Mensch aufhebt und dafür z.B. Brötchen kauft oder eine Handgranate. Das entscheidet der Mensch, nicht der aufgelesene Geldschein.


Ich denke, dass der Ordoliberalismus eine ökologische und soziale Marktwirschaft nicht sicher stellen kann. Dafür ist auch Prozesspolitik nötig.

Genau davon lebt der Neoliberalismus, von genau dieser Denkweise, die du hast.

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Und wo ist jetzt die Umfrage?

Dafür musst du Antwortmöglichkeiten vorschlagen. Eine Antwortmöglichkeit: Er wird aus Unkenntnis verteufelt. Dafür hätte ich gestimmt.

Das ist die "Umfrage", wollte einfach nur wissen, was die Leute davon halten.

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Er wird aus Unkenntnis verteufelt.

Was der Bauer nicht kennt, das friszt er nicht. 

Im Ansatz und von der Idee her, soll ja gerade der Rahmen von Grundfesten (oder wie auch immer man das bezeichnen will) wirtschaftliche Anarchie verhindern und für Stabilität sorgen. Ob es denn auch in der Praxis alles gleich so optimal funktionieren würde steht auf einem anderen Blatt Papier. Es wäre aber durchaus lohnenswert, es irgendwo mal zu testen. Also dort, wo ohnehin schon alles vom Staatlichen bis zur Wirtschaft im Eimer ist und es eh nicht schlimmer werden könnte. 

Griechenland?

Ordolieberalismus funktioniert aber auch nicht ohne echte Finanzbehörden.  (Siehe Schiene oder Strasze)

In Bezug auf Deutschland würden sich aber die Energiekonzerne wundern, wer hier für die Altlasten und Endlagerung aufkommen müszte. Atomstrom wäre vermutlich der Teuerste überhaupt. 

Grusz Abahatchi

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