was haben die kinder und jugendlichen in der NS zeit in ihrer freizeit gemacht?

8 Antworten

Die Jugend der damaligen Zeit hatte oft ja fast gar keine Freizeit, da sie so gut wie möglich dauerhaft und ohne Unterlass zur NS-Ideologie hin erzogen wurden. Oft durch irgendwelche Ausflüge mit den Jugendorganisation wie HJ und BdM.

Mein Vater hat als Kind viel dummes Zeug gemacht und war überwiegend draußen mit Freunden unterwegs. Mal hat er in das Fahrrad seines Vaters eine 8 gefahren und ein anderes Mal hatte er mit seinem Cousin den Kamin eines Nachbarn abgedeckt. Als es drinnen qualmte, haben er und sein Cousin Hilfe angeboten und den Kamin wieder frei gemacht. Dafür gab es ein Taschengeld und davon kauften die beiden sich lose Zigaretten. Da es bei uns viele Zechen gab, gab es auch einen regen Güterzugverkehr mit Kohlewaggons. Mein Vater hat praktisch den gesamten Heizvorrat für den Winter von der Strecke aufgesammelt, so wie seine Freunde und Cousins auch. Es war verboten aber das machte die ganze Sache nur spannender.

Mit 11 fuhr er schon Brot aus weil er Interesse an Technik und Fahren hatte. Mit 16 war er schon im Krieg, danach in Gefangenschaft und als er nach Hause kam, war er sehr verändert. Er ist praktisch im Krieg zwangsläufig erwachsen geworden.

Meine Mutter hat den größten Teil ihrer Kindheit in ländlicher Umgebung verbracht. Sie und ihre Schwestern haben sich nützlich machen müssen in Haus und Garten aber sie hatten auch jede Menge Zeit zu spielen, zum BDM hatte meine Großmutter alle drei nie gelassen, es gab regelmäßig eine Ansage vom Lehrer aber meine Oma war in der Sache unbeirrbar. Auf dem Land ist sie damit durchgekommen. Alle drei Schwestern mussten ihr Pflichtjahr bei Bauern verbringen. Wer sich gut mit den Bauern verstand, brachte auch mal landwirtschaftliche Erzeugnisse mit nach Hause. Etwas organisieren zu können, stand meist ganz oben an.

Ich weiß nur, dass meine Eltern und auch Onkel und Tanten nach Kriegsende nicht mit dem zurecht kamen, was wirklich in Deutschland passiert war. Meine Großväter waren beide nicht im Krieg, der eine war Bäcker und musste für Nahrung sorgen, der andere war Kruppianer und musste in der 'Waffenschmiede' arbeiten.

Über ihre Kindheit konnte sich eigentlich keiner beklagen. Die Gehirnwäsche in Schule und Hitlerjugend wurde auch nicht immer als solche wahrgenommen, Kinder können meist nicht beurteilen, was richtig und falsch ist. Manches wurde als lästig wahrgenommen aber beide Elternteile von mir wussten, dass sie nicht alles laut aussprechen durften.

Immofachwirt hat's auf den Punkt gebracht. Sie waren Kinder wie andere auch. Der Dienst, den sie in der HJ und beim BdM kloppen mussten, ging den Meisten tierisch auf den Sender. Loest sagte mal: Es gibt kein Glück in der Zweiten Reihe!

Und mir als Historiker liegen Briefe von HJlern an ihre Eltern vor, die glücklich waren, das erste Mal in ihrem Leben der Tristesse einer Hallenser Arbeitersiedlung in Richtung Ostseestrand entfliehen zu können. HJ-Ferienlager. Erholung, Sonne, Strand, Baden gehen? Pustekuchen. Essig war's: Felddienst in den Dünen bis zum Abkotzen. Die haben geflucht. Im Propagandamaterial des nationalsozialistischen Lehrerbunds liest sich das natürlich ganz anders. Aber dafür war es eben Propagandamaterial.

Das einige die "tollen Geländespiele" gut fanden, will ich nicht in Abrede stellen. Aber die Meisten waren von den Heimatabenden und dem Dienst nicht begeistert. Jedenfalls lesen sich die Quellen in diesem Sinne.

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