Was haben alle gegen die USA?

9 Antworten

Denn ich persönlich sehe jetzt keinen soo Riesen Unterschied zwischen Army und Bundeswehr....

Die Unterschiede sind aber gewaltig. Versuche mal forumsgemäß nur einige Stichpunkte kurz anzureißen.

Geschichte:
Bis zum 2. WK waren alle Armeen der Welt mehr oder weniger gleich strukturiert. Nach dem 2. WK haben die Siegermächte, speziell auch die Army, keinen Grund gesehen, etwas an der Struktur zu ändern. Daher kann man die Army eher mit der alten Wehrmacht als mit der BW vergleichen.
Als die BW gegründet wurde, wurde ein komplett neues Konzept für die Führung einer Armee entwickelt, das alle Fehler, die man in der Wehrmacht gefunden hatte, vermeiden sollte. Dadurch ist die Führung innerhalb der BW immer die modernste aller Armeen gewesen und die hat sich so gut bewährt, dass auch die freie Wirtschaft sehr viel von diesem Konzept übernommen hat.

Staatsbürger in Uniform:
Der BW-Soldat soll sich als Staatsbürger in Uniform verstehen. Teilnahme am politischen Geschehen, z.B. als Gemeinderat o.ä., ist ausdrücklich erwünscht.
Die Army will keine mitdenkenden Staatsbürger, sie will funktionierende Killermaschinen, die ihre Motivation aus dem Patriotismus beziehen.

Bild in den Medien:
Sämtliche Dokumentationen und Spielfilme, die über die US-Streitkräfte gehen, werden vom US-Verteidigungsministerium gesponsert, indem die ganzen Waffen und Statisten, ohne die ein Kriegsfilm nun mal nicht funktioniert, kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dafür nimmt sich die Army aber das Recht heraus, den Inhalt zu zensieren und durchzusetzen, dass die Army nur im besten Licht dargestellt wird. Was man im Fernsehen/Kino so sieht, ist reine Propaganda, um Soldaten anzuwerben. Das hat mit der Realität nichts zu tun.
International haben US-Soldaten keinen besonders guten Ruf als Kämpfer. Das einzige, was sie haben, ist modernste Waffentechnik und jede Menge Logistik, hinter der sich die Soldaten verstecken können.

Völkerrecht:
Bei der Offiziersausbildung in der BW spielen Gesetze sowie das internationale Völkerrecht eine große Rolle, in der Army nicht. Ein BW-Offizier muss mit einem Gerichtsverfahren rechnen, wenn er gegen das Gesetz verstößt. Ein Army-Offizier muss damit nicht rechnen. Innerhalb der Army werden Kriegsverbrechen nur dann verfolgt, wenn es öffentlichen Druck gibt und die US-Regierung verweigert die Zuständigkeit internationaler Gerichte für US-Soldaten.
Kleine Anekdote dazu: in Afghanistan saßen ein deutscher und ein US-Soldat in einem getarnten Erdloch, um Feindbewegungen zu beobachten. Plötzlich näherte sich ein Bauer bei der Besichtigung seines Ackers diesem Versteck. Der US-Soldat wollte den Zivilisten sofort erschießen, um nicht entdeckt zu werden, der BW-Soldat verweigerte dies als Mord. Bis das ausdiskutiert war, war der Bauer aber wohl schon wieder verschwunden.

Führungsphilosophie:
Bei der BW wird mit positiver Motivation gearbeitet. "Zusammenscheißen", erniedrigen und ähnliche Erziehungsmethoden sind in der Army gang und gäbe, in der BW schwer verpönt. Hier wird ein kooperativer Führungsstil gepflegt, der sich jederzeit an der Menschenwürde der Soldaten orientieren muss.

Auftragstaktik/Befehlstaktik:
In der Wehrmacht und Army werden Operationen in einem Stab geplant. Dann werden sehr detaillierte Pläne ausgearbeitet und entsprechend der Pläne an die einzelnen Einheiten konkrete und detaillierte Befehle erteilt, die dann genau so ausgeführt werden müssen. Das Problem liegt meistens darin, dass sich die konkrete Lage vor Ort nur selten plangemäß entwickelt.
In der Bundeswehr gilt die Auftragstaktik. Die Führer der Einheiten bekommen keine konkreten Befehle sondern nur Aufgaben zugewiesen. Wie sie diese Aufgaben am besten erfüllen, müssen sie selber vor Ort entscheiden. Das erfordert natürlich eine gründlichere Ausbildung, ermöglicht aber ein sehr flexibles und schnelles Reagieren auf neue Situationen, Nur nebenbei: in der Wehrmacht gab es eine Teilstreitkraft, die Uboote, die von Dönitz auch schon mit der Auftragstaktik geführt wurden. Ubootkommandanten, die sich strikt an die Befehle hielten und nicht selbständig sich bietende Chancen nutzten, wurden von Dönitz abgelöst.

Einfache Soldaten:
In der BW wird ein "mitdenkender" Soldat erwartet, was sich aus der Auftragstaktik ergibt. Dementsprechend wird beim Einstellungstest auf ein Mindestniveau an Intelligenz und Bildung geachtet.
In der US-Army ist mitdenken eher unerwünscht. Daher werden da auch gerne völlig ungebildete Hohlpratzen eingestellt.
Aus Untersuchungen weiß man, dass etwa 1/3 aller "normalen" Soldaten wegen einer ausgeprägten Tötungshemmung absichtlich vorbei schießen. Daher geht die Richtung der Ausbildung innerhalb der US-Army dahin, diese Tötungshemmung zu überwinden und die Army-Soldaten zu "hirnlosen Killern" zu erziehen, womit die Effizienz ohne zusätzliches Personal deutlich gesteigert werden kann. Das ist das Gegenteil der BW, wo jeder Soldat verpflichtet ist, sich an die Gesetze zu halten und hirnlose Killer ausgesprochen unerwünscht sind.

Betriebsklima:
In der BW ist das Betriebsklima durch die Begriffe Kameradschaft und positive Menschenführung geprägt. Offiziere und Mannschaften haben zwar unterschiedliche Aufgaben, aber keine unterschiedlichen Rechte. So gibt es z.B. für Offiziere und Mannschaften auch immer das selbe Essen.
In der Army gibt es einen starken Standesdünkel zwischen Offizieren und Mannschaften. Die haben auch unterschiedlich gute Küchen. Ein kumpelhaftes Verhältnis oder gar gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit sind in der Army undenkbar, in der BW durchaus normal.
Habe mehrmals im Rahmen internationaler Manöver einen Soldatenaustausch mitgekriegt. Dabei fuhren einige meiner Soldaten bei der Navy mit, im Gegenzug bekam ich Navy-Soldaten an Bord. Beide, sowohl die eigenen als auch die US-Soldaten erzählten mir, dass das Betriebsklima völlig unterschiedlich sei. So eine lockere Atmosphäre und Umgang Vorgesetzte-Untergebene wie bei uns, gäbe es in der Navy nicht, sagten die Amis. Meine Soldaten kamen ganz erschüttert zurück und meinte, in der Navy würden sie niemals dienen wollen, da sei die deutsche Marine ja direkt das Paradies. Selbst unter den Mannschaften würde kein gutes Verhältnis herrschen.

Das waren jetzt nur einige Punkte, könnte da noch seitenlang drüber schreiben.

Es haben nicht alle etwas gegen die USA, schon gar nicht die jungen Krieger hier bei GF, deren Wange noch feucht vom Mutterkuss ist. Sie glorifizieren doch die US Army ohne jegliches Insiderwissen. 

Das kann ja jeder machen, wie er will, aber diese patriotische Gehabe der Amis ist halt nicht auszuhalten. Und US-Filme sind nun einmal so, dass die Staaten immer die Guten sind und, wenn schon nicht die Welt, dann die USA retten. 

Oder schau Dir Berichte an, in denen immer von irgendwelchen Spezialeinheiten die Rede ist. Nur wirklich gebacken bekommen sie nichts. Gibt es eigentlich auch noch "normale" Soldaten? 

Und natürlich gibt es einen Riesenunterschied zwischen Bw und US Forces. Bei der Bundeswehr gibt es die Auftragstaktik. Hier ist der militärische Führer vor Ort gefragt, a) eine Lösung für ein Problem zu finden und b) dies auch in schnell wechselnden Situationen zu tun, um den Auftrag zu erfüllen. 

Die US Army hat aber noch die Befehlstaktik im Gepäck - wie die Wehrmacht früher auch. Soldaten bekommen einen Auftrag und den sollen/müssen sie wortgetreu umsetzen. Klappt das nicht, wird um Hilfe gerufen. 

Und bisher haben sich die USA ja noch mit keinem ebenbürtigen Gegner messen müssen. Jedenfalls haben die Soldaten keine Freunde in der NATO. Man respektiert sich im täglichen Umgang, aber selbst Kanadier und Engländer (die für mich am professionellsten agierende Truppe wegen ihres Verständnisses vom Berufssoldatentum) verachten die Amis und machen sich über sie lustig; vom Rest der NATO-Kameraden ganz zu schweigen. 

Als Vorbild taugen die US Forces nur für die Kiddies, die zu viele Kriegsfilme schauen oder Ego-Shooter spielen. Ein Blick in die GF-Datenbank zu militärischen Themen belegt das - immer sind die USA Spitzenreiter bei Frage und Antworten, gerade zu Sondereinheiten, die aber hier niemand wirklich kennt. Da kommen die Antworten aus Landserheftchen oder solchen Zeitschriften wie "Gung Ho" oder "Soldier of Fortune". 

Ich habe als Zeitsoldat und als ziviler NATO-Angestellter ein paar Jahre mit den Jungs von der USAF und der US Army zusammengearbeitet und glaube, ich kann mir ein Bild machen. Mit einigen war ich sogar gut befreundet, aber das waren eben die gebildeten Leute, die auch ein Interesse an Europa, an Deutschland, an der Kultur hatten. 

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Vielen Dank für die Antwort 👍

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achso ja kann man mut dir auch wo anders schreiben? Kennst duch scheinbar ziemlich gut damit aus und da ich eh zum Bund will...

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also nur weil du hier bei GF (das eh weitestgehend anonym ist) ein paar Leute was sagen, denkst du, daß ALLE so denken?

In den USA sind die US Soldaten ganz anders angesehen als in Deutschland die Bundeswehr.

Ich hab mal in den USA ein NASCAR Rennen besucht, da haben sie vor dem Rennen die Soldaten geehrt. Da darf dann mal ein Mitglied der Streitkräfte die Nationalhymne singen (oder mit einem Instrument spielen) und auch das Startkommando geben. Und oft hört man auch, daß die Leute froh und dankbar sind, über die Arbeit der US-Soldaten.

In Deutschland werden die Soldaten meistens ignoriert, habe ich das Gefühl. Zumindest war es so, als ich dabei war.

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Patriotismus wird in den USA aber auch bis zum Erbrechen zelebriert. Damit wächst man praktisch auf und nur die Wenigsten hinterfragen es. Das sagt aber noch lange nichts über die Qualität der Armee sondern überdeckt einige Mängel.

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