Was grenzt im Deutschen das Perfekt vom Präteritum ab, wie bemerkt man Relevanz für die Gegenwart?

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4 Antworten

Wie man schon an den Namen erkennen kann, kennt das heutige Deutsche keinen real gegebenen Bedeutungsunterschied zwischen Perfekt und Präteritum. Deshalb heißt es auch Präteritum und es wäre falsch, es Imperfekt zu nennen.

In den romanischen Sprachen ist das hingegen noch gut erhalten geblieben. Perfektive Handlungen sind abgeschlossen, imperfektive dagegen unabgeschlossene, länger andauernde Handlungen, die beide eine eigene Zeitform haben. Das erkennt man ganz gut, wenn man Latein oder Französisch in der Schule hat.

Im Deutschen gibt es so einen Unterschied nicht. Das Perfekt hat (im oberdeutschen Sprachraum vollständig bis auf sein und einige Modalverben) das Präteritum in der Alltagssprache verdrängt, das Präteritum wird (zusammen mit dem Plusquamperfekt) zum Texteschreiben verwendet. 

Das Perfekt soll in der Schriftsprache dafür gut sein, Relevanz für die Gegenwart auszudrücken, wie du schon sagst. Ich bin da ein bisschen skeptisch und weiß nicht genau, ob es sich dabei um eine Übernahme aus dem Englischen handelt. Es wird aber immer gerne das Beispiel mit der Bewerbung gebracht:

Ich habe auf der Universität Wien ... studiert. Das ist ja in gewisser Weise relevant für die gegenwärtige Situation einer Bewerbung. 

Im Grunde ist das im Deutschen mit den Tempora aber irrsinnig leicht; das ist der Ausgleich für den Genuswahnsinn, die chaotischen Pluralformen und die Beugung der Artikel und Adjektive. Man kommt in der Alltagssprache mit dem Präsens, dem Perfekt und teilweise dem Futur aus. Vergangenheit deckt das Perfekt ab, Allgemeingültiges (Vergangenes, Zukünftiges, Gegenwärtiges zusammen) kann das Präsens ausdrücken, explizit Zukünftiges das Futur. Präteritum und Plusquamperfekt sind Schriftsprache und Futur II ist tot. 

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Kommentar von Bswss
28.04.2016, 21:27

DH,, Du hast aber vergessen, dass das Präteritum bei einigen Verben NICHT nur in der Schriftsprache verwendet wird, sondern auch in ganz normaler neutraler und Umgangssprache:

hatte, war/ waren, ging, nahm, kam,  zog, hing, wurde, wollte... ....

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Was grenzt im Deutschen das Perfekt vom Präteritum ab? das ist die Weißwurst-Linie:-) Hast Du schon "Kleiner Mann – was nun?" gelesen?

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Gerade in der gesprochenen Sprache grenzt sich das Präteritum so gut wie gar nicht vom Perfekt ab. Das Perfekt wird einfach statt des Präteritums verwendet.

Es hält sich noch am ehesten bei Verben wie "sein, haben, wollen, können, dürfen. (Ich war 8 hatte / wollte / konnte / durfte, ...)

Den deutlichen Gegenwartsbezug wie im englischen "Present Perfect" haben wir im Deutschen meines Erachtens nicht.

Ich bin gestern nach München gefahren. = Ich fuhr gestern nach München.

In der gesprochenen Sprache würde ich persönlich den zweiten Satz nie verwenden.

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