Was gibt es für Arten von buddhistischenMeditation?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf ab.

Der Buddhismus besteht aus verschiedenen Traditionen, die unterschiedliche Herangehensweise an die Erfahrung der Meditation ermöglichen.

Vipassana

Die bekannteste Form dürfte die Achtsamkeitsmeditation (Vipassana) sein. Sie findet sich bereits in der ältesten heute noch geübten Form des Buddhismus, dem Theravada.

Beim Vipassana geht es allgemein gesagt um die Beobachtung der Atmung. Man richtet seine Aufmerksamkeit auf die Ein- und Ausatmung, ohne diese irgendwie künstlich zu verändern.

Vipassana ist sehr anpassungsfähig, denn die Methode der Achtsamkeit lässt sich auch auf Tätigkeiten wie das bewusste Essen einer Speise anwenden.

Metta Meditation

Diese auch als "Meditation des liebenden Mitgefühls" genannte Meditation dient dazu, eine freundliche Haltung gegenüber allen Wesen einzunehmen.

Dazu schenkt man zunächst sich selbst, dann einem guten Freund, einer neutralen Person, schließlich einer Person, mit der man einen Konflikt hat, allen diesen Menschen und schrittweise schließlich dem ganzen Universum sein Mitgefühl.

Metta Meditation wird oft als "geführte Meditation" angeboten, bei der eine Person dazu anleitet, auf welchen Aspekt sich der Meditierende konzentrieren soll.

Nembutsu/Nianfo

Mit dem japanischen Begriff Nembutsu (chinesisch "Nianfo") wird die Verehrung des Buddhas des Mitgefühls (Amitabha/Amida) durch die Wiederholung der Formel "Verehrung dem Buddha des Mitgefühls" geübt.

Dieses meditative Praxis findet sich in den Traditionen des Reinen-Land-Buddhismus, einer Form des Mahayana.

Die Anhänger dieser Tradition glauben, dass die Befreiung vom leidvollen Daseinskreislauf nicht nur aus eigener Kraft, sondern durch die Gnade des Buddha Amida erreicht werden kann.

Die japanische Formel lautet "Namu Amida Butsu", es gibt diese Verehrungsformel aber auch in anderen asiatischen Sprachen, wie Koreanisch, Chinesisch oder Vietnamesisch.

Es ist selten, das jemand, der kein Buddhist ist, diese Form der Meditation wählt, da sie mit einem bestimmten Weltbild verbunden ist, ähnlich wie ein christliches Gebet zu Jesus einem Andersgläubigen seltsam vorkommen mag.

Vajrayana-Buddhismus

Gerade im Vajrayana-Buddhismus gibt es sehr viele verschiedene Meditationsformen. Dabei geht es unter anderem um die Wiederholung eines Mantras, die Visualisierung (bildliche Vorstellung) von bestimmten Wesen, und ähnliches.

Oft wird für das Vajrayana ("Diamantfahrzeug") auch der irreführende Oberbegriff "tibetischer Buddhismus" benutzt. Das ist in sofern ungenau, da es auch in anderen asiatischen Ländern Formen des Vajrayana gibt - etwa Shingon und Tendai in Japan.

Zazen

Die Übung des Zazen umfasst das Sitzen in einer korrekten Haltung. Mehr eigentlich nicht. Innerhalb der Zen-Traditionen wird gelehrt, dies sei die Meditationsform, mit der Buddha der Befreiung erlangt habe.

Zazen hat kein "Meditationsobjekt" - die Aufmerksamkeit gilt keinem bestimmten Aspekt wie dem Atem, oder dem Mitgefühl, sondern es geht um das reine Sitzen, in voller Achtsamkeit.

Zazen sollte von einem Lehrer erlernt werden und es ist sinnvoll, zumindest eine Zeit lang zu regelmäßigen Zazen-Treffen einer Gruppe zu gehen.

Dort kann der Lehrer während des Sitzens die Haltung korrigieren und Hinweise geben, falls man Fragen hat.

Andernfalls kann es sein, dass man sich eine Fehlhaltung antrainiert. Wenn man die Zazen-Haltung verinnerlicht hat, kann man auch alleine üben.

Einige Formen buddhistischer Meditation, wie Vipassana und Zazen, werden auch überkonfessionell gelehrt, da sie nicht die Verehrung irgendwelcher buddhistischer elemente beinhalten, sondern "religionsneutral" sind.

Ich selbst habe Zazen schon mit Christen, Juden, Muslimen, Hindus, Neo-Paganisten und New Age Jüngern geübt, ohne dass es deswegen ideologische Probleme gab.

Das ist nur ein sehr grober Abriss und erfasst längst nicht alle Formen buddhistischer Meditation.

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Es gibt ganz viele verschiedenen buddhistische Schulen, die machen alle was eigenes. Die einen meditieren so, die anderen so. Alleine kann man das nicht lernen. Deswegen gibt es ja Gruppen. Christentum wäre einfacher.

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Für Dich ist sicher die Achtsamkeits-Methode nach Kabat-Zinn die beste Einstiegsmöglichkeit. Hier geht es in erster Linie um bewusstes ("achtsames") Wahrnehmen dessen, was ist. Das hört sich nicht sehr spektakulär an, tatsächlich ist darin aber alles enthalten, was Du wissen musst, um erfolgreich zu meditieren.

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Kommentar von schlonko
22.11.2015, 23:52

Respekt an Enzylexicon für diesen Überblick! Darin kann man die Komplexität der buddhistischen Welt schon anklingen hören. Ich möchte hier keinem "Fahrzeug" den Vorrang geben, alle sind auf ihre Art geeignet, das gesetzte Ziel zu erreichen. Dabei ist das Ziel schon essentiell für Deine Suche. Es ist einfach, sich in den Bilderwelten und Ritualen zu verrennen. Einfachheit ist hier immer ein guter Ratgeber. Schließlich wollen wir nicht durch den intensiven Wunsch "ich möchte Befreiung" dieses "ich" noch nähren, nicht wahr? Holzauge, sei wachsam!

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Kommentar von schlonko
23.11.2015, 00:03

Übrigens, zu Deiner CD: wenn darin so konkrete Anweisungen bzgl. leidende Wesen etc. vorkommen, soll durch diese CD sicher kein Entspannungszustand erreicht werden. Es geht hier um tiefes Verständnis für das Rad der Zeit, das Leid erzeugt. Aus dem Mitgefühl soll dann der Wunsch nach Befreiung für alle Wesen erwachsen können. Das ist alles andere als entspannend, es kann einen sogar tierisch aufregen und sauer werden lassen. Das sind Gefühle, die bei der Meditation auftreten können. Das heißt nicht, die Meditation war erfolglos, weil man ja nicht entspannt geworden ist. Es heißt, das die Meditation in diesem Beispiel zum Verständnis (jenseits von Worten) geführt hat, das die Welt in einer dramatischen Situation ist. Das Mitgefühl bereitet uns Schmerzen, macht uns wütend auf die Verursacher des Leids. Bis wir so weit sind, auch mit diesen Mitgefühl zu erlangen. Weil es keine Trennung gibt und alles eins ist.

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