Was geschieht ohne natürlichen Feind? Studien?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
  1. Jede Menge Material im Web... Ursprünglicher Artikel im Journal of Wildlife 1968: http://www.jstor.org/discover/10.2307/3798981?uid=3737864&uid=2&uid=4&sid=2110245820854 Nett zusammengefasst im Alsaka Dispatch vom 16. Januar 2010 basierend auf eine Artikel des Geophysical Institute, University of Alaska Fairbanks (einfach mal unter: "What wiped out St. Matthew Island's reindeer?" googeln. Man kann auch unter "Rentiere von St. Matthews" googeln, bekommt dann aber meist irgendwelche grün angehauchte Heulsusenstories mit moralinsaurem Unterton....

  2. sysI3n hat das gut dargestellt. Ein einfacher selektionswirksamer Rückkopplungsmechanismus. Auf Dauer stellen sich immer (dynamische) Gleichgewichte in ökologischen Systemen ein. Wenn sich die Systemparameter ändern (Klima, Geologie, Katastrophen, Mutationen, Krankheiten....) wird das Gleichgewicht gestört und es dauert einige Zeit bis sich ein neues eingestellt hat. Je nach Komplexität des System und der Anzahl der ineinander-greifenden Regelkreise und Rückkopplungsmechanismen kann es auch zu einem kompletten Absturz kommen und es kann länger dauern bis sich ein (vermutlich gänzlich anderes) stabiles System ausbildet.

  3. Das kann bei jeder Art und jedem Ökosystem passieren und nur ein kleiner Teil der möglichen Auslösefaktoren sind anthropogener Natur. Allerdings haben wir im Unterschied zu den anderen Viechern die Möglichkeit aus den bestehenden System auszubrechen, Regelkreise zu manipulieren und uns an (neue) die Umwelt anzupassen und/oder die Umwelt unsere Bedürfnisse entsprechend zu formen. Das ist natürlich immer mit gestörten Gleichgewichten und Turbulenzen verbunden. Das wird von vielen Menschen (vor allem aus den satten und sicheren Bevölkerungsteilen) als problematisch oder als Zeichen für den nahenden Untergang gesehen; obwohl bis jetzt das Gesamtergebnis durchaus respektabel ist (Möglichkeiten, Lebensstandard....)

Jedenfalls ist der Mensch bis jetzt die einziehe Art, die es geschafft hat die Umwelt bewußt zu manipulieren, zu verstehen und auf einer höheren Ebene zu Aller Gewinn zu steuern (die Milliarden Menschen in Entwicklungsländern sehen das vermutlich anders, aber auch die sind Nettoprofiteure im Bezug auf die Ausgangssituation). Damit, insbesondere seit der Aufklärung und der Entwicklung des naturwissenschaftlichen Welterklärungsmodells, haben wir auch die Möglichkeit uns von den natürlichen Regelsystem und Gegebenheiten mit all den inhärenten Gefahren für unsere Existenz und unsere Art zu lösen und uns weiter zu entwickeln.

Das ist natürlich mit Risiken verbunden; Änderungen erzeugen Turbulenzen und die sind oft chaotischer Natur schwer beherrschbar. Allerdings sind mir alle Risiken lieber als in einer stabilen, statischen Umwelt stupide auf den "natürlichen" Grund unserer Auslöschung zu warten.

Auf Wikipedia heißt es dazu lapidar:

Eine in den 1940er Jahren ausgesetzte Rentier-Population ist zwischenzeitlich wieder eingegangen.

http://de.wikipedia.org/wiki/St.-Matthew-Insel

Also wenn man die Rentiere dort erst in den 1940er Jahren künstlich ausgesetzt hat, dann lag das Austerben garantiert nicht am Fehlen natürlicher Feinde (die gemäß Wikipedia durchaus vorhanden sind).

1
@Ursulala

Der ursprügliche Artikel hat den Hintergrund (explosives Wachstum- kompletter Niedergang) und auch den vermutlichen Grund für das komplette Aussterben ganz gut erklärt. Es stimmt schon das ein Nahrungsmangel alleine nur zu einem Regulativ der Populationsgröße auf ein unteres Niveau führt. Wobei es dann wichtig wird wie nachhaltig /widerstandsfähig die Nahrungsquelle ist. Auf der Insel kam dann wohl noch ein harter Winter dazu, der einer ohnehin geschwächten Population vollends den Garaus machte. In manchen Gegenden in Südeuropa oder Nordafrika haben sich ja auch die Ziegen aus dem Ökosystem geknabbert und irreversible Erosionsschäden mit dem Komplettverlust ihrer Nahrungsquellen verursacht.

0

Lichens had been completely eliminated as a significant component of the winter diet.

Lichens = Flechten

Aha: die Viecher haben also ihre bevorzugte Winternahrung vernichtet, bevor sie dann, schon geschwächt und gut abgespeckt, von einem besonders harten Winter dahin gerafft wurden.

0

ich kenne die Studie nicht. Als Biologe mutmaße ich, das Nahrungsangebot begrenzt die Population; damit habe ich einen dauerhaft kleinen Genpool. das kann irgendwann zu Inzuchtproblemen und zum Aussterben führen.

So-so, ohne Feinde soll es also nicht gehen, so wünschen sich das wohl die reaktionärsten bürgerlichen Kreise! Ich empfehle ganz einfach mal den praktischen Menschenverstand einzusetzen und schon wird klar, welch ein Unsinn diese Studie ist. Beispiel: Wildschwein, Fuchs, Waschbär, Ochsenfrosch etc. haben in Mitteleuropa keine Feinde. (die Alpen lassen wir mal Außen vor) Was passiert? Nun, diese Populationen vermehren sich recht prächtig. Menschen kommen ohne Feinde auch recht prächtig zurecht, das hat sich u.a. in der einstigen Südsee ganz gut gezeigt. Diese und andere Beispiele zeigen, dass es für die Arten eher günstig ist, wenn denn keine Feinde vorhanden sind, als wenn sie denn präsent sind. All dies bedeutet natürlich nicht, dass es innerhalb der einzelnen Arten zu Feindseligkeiten kommt - that`s life!

Was möchtest Du wissen?