Was genau sind OTC-Geschäfte und Eigenhandel und wieso stehen diese in Verruf?

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2 Antworten

Normalerweise werden Finanzgeschäfte über eine Börse abgewickelt. Das ist zu vergleichen wie wenn du Kekse in einem Supermarkt kaufst. Dort findest du viele Produkte, über deren Beschaffenheit du aber nicht verhandeln kannst. Ebenso siehst du meistens nicht den ursprünglichen Produzenten.

Ein OTC-Geschäft wäre analog dazu, wenn direkt zu einem Keksproduzenten gehst und dort direkt die Kekse produzieren lässt, die du willst. Also hier werden Finanzgeschäfte zwischen Vertragsparteien direkt ausgehandelt.

Vorteil ist die Flexibilität in der Produktgestaltung, Nachteil ist, dass OTC-Geschäfte intransparent sind, weil praktisch "jeder mit jedem" das machen kann, was er will und alle Teilnehmer wissen nicht, wer mit wem vielleicht welche riskanten Geschäfte gemacht hat.

Generell kann jeder OTC-Geschäfte machen, wenn er einen Vertragspartner findet. Aufgrund der hohen Kosten (wegen der Komplexität) und Risiken werden diese Geschäfte aber fast immer nur mit Banken und großen Unternehmen gemacht.

Normalerweise gehen Banken nicht alle Risiken blind ein. Kaufst du von der Bank ein Produkt (was auch für die Bank sehr hohe Verluste bedeuten kann), sichert sich die Bank oft gegen viele/alle Risiken aus dem Produkt ab.

Beim Eigenhandel geht die Bank bewusst Risiken (z.B. durch Aktienkauf oder komplexere Finanzprodukte) ein, mit dem Ziel Geld zu verdienen. Im Eigenhandel wurden früher oft sehr hohe, kaum kontrollierte Risiken eingegangen. Deshalb wird der Eigenhandel ugs. oft als "Zockerei" bezeichnet, was streng genommen nicht korrekt ist.

Ich hoffe, das hat es recht einfach erklärt ;)

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Kommentar von Mueller345
25.08.2016, 21:14

Vielen Dank für die Antwort. Weil Sie ja von "normalerweise" sprechen: Das heißt "normalerweise" geschehen diese Art Geschäfte zwischen Unternehmen und Banken. Kann dann in Ausnahmefällen auch ein Privatmann diese Geschäfte machen? (Hab kein Interesse an solch intransparenten Geschäften, keine Sorge =) ). Und was mir noch einfällt zu fragen: Von welchen Arten von Geschäften wird hier gesprochen? Also Aktien kann man ja über einen Broker kaufen, Anleihen etc ebenso. Könnten Sie mir da vielleicht ein Beispiel nennen, in welchen Fällen Unternehmen diese Geschäfte machen? Und vor allem, wenn diese Geschäfte Mitverursacher für die Finanzkrise war, müssen diese Geschäfte ja in Milliarden Höhe geschehen sein. Warum wurde das dann nicht vom Staat viel früher reguliert? Kann doch nicht sein, dass solch gefährlichen Geschäfte in dieser Größenordnung einfach unbeaufsichtigt gelassen werden, oder lieg ich falsch. Bitte hier um eine Aufklärung! Vielen Dank

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OTC heißt Over the Counter. Das sind nicht standardisierte Derivate, die die Kontrahenten individuell aushandelt. Das sind absolute Profigeschäfte, wenn man mit den "normalen" Optionen und Futures nicht weiterkommt.

Eigenhandel bedeutet eigentlich nur, dass eine Bank mit eigenen Mitteln Anlagegeschäfte betreibt.

Beide Geschäftsarten stehen weder im Verruf, noch sind sie anrüchig. Zumal Privatanleger von beidem ausgeschlossen sind.

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Kommentar von Mueller345
25.08.2016, 20:53

Also, ich beschäftige mich gerade etwas mit der Finanzkrise von 08. Andauernd wird der OTC- und Eigenhandel negativ besprochen. Also muss es ja etwas anrüchiges haben, wenn selbst ein Wirtschaftsfachmann wie Hans Werner Sinn das sagt. Aber ich habe das irgendwie nicht ganz begriffen, darum wollt ich mal nett fragen, ob mir das jemand plastisch und anschauelich kurz erklären kann, wofür diese Geschäfte überhaupt dienen und warum sie so in Verruf stehen.

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