Was genau ist an der "CDU" christlich?

7 Antworten

Außer dem "C" vermutlich gar nichts! - Könnte man daher auch ersatzlos streichen - macht man aber nicht, weil man dem Wähler damit imponieren kann!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Nachdem vor dem Nazireich konservative Parteien unter Christ*innen häufig konfessionell geprägt waren (z.B. die katholisch geprägte Zentrumspartei), entstand 1945 mit der CDU eine Partei, in der sich alle christlichen Konservativen zu Hause fühlen sollten. Das war eine große Errungenschaft in Zeiten, in denen sich Evangelische nicht nur mit Katholiken meist nicht grün waren, sondern sich zum Teil auch Lutheraner und Reformierte kräftig beharkten.

Ich muss zugeben, dass ich diese Frage nach dem C bei der CDU in jungen Jahren auch mit polemischem Unterton gestellt habe. Manche Fragen von damals habe ich noch heute: Wie hält die CDU es mit wirklich effizienten Maßnahmen zur Schließung der sozialen Schere (Spitzensteuersätze, Erbschaftssteuer) Wie mir der Notwendigkeit der massenweise Schaffung von bezahlbarem Wohnraum? Wie hält sie es mit nationaler Armutsbekämpfung besonders bei prekär Beschäftigten? Wie mit der monetär spürbaren Aufwertung von Leistungsträger*innen im Gesundheitsdienst- und Pflegewesen? Tut sie genug für die Bewahrung der Schöpfung, oder lässt sie sich beim Klimawandel nicht noch immer viel zu sehr von Industrielobbyisten um den Finger wickeln?

Ein ziemlich weit links von der CDU stehender bekennender Christ war ich damals und bin es noch immer. Aber ich habe heute einen anderen Blick darauf. Ich habe nie ein Kreuz bei der CDU gemacht, dennoch ist die christliche Tugend der Demut mir heute so wichtig, dass ich mir nicht mehr anmaße, das Urteil der Nichtchristlichkeit über die CDU zu sprechen. Politik ist ein mühsames Geschäft und es lässt sich nicht hinwegdiskutieren, das auch CDU-Politiker*innen immer wieder aktiv christliche Werte in die Politik eingebracht haben: Sei es Norbert Blüm für Gerechtigkeit im Gesundheitswesen oder Klaus Töpfer für den Umweltschutz oder Horst Köhler für einen würdigenderen und weniger kolonialen Blick auf den afrikanischen Kontinent oder Norbert Lammert, der durch seinen unermüdlichen Einsatz für fairen Streit das Parlament sehr aufgewertet hat und viel zu friedlichem Streit beigetragen hat - und eben Angela Merkel, indem sie 2015 zumindest symbolisch sehr viel für die Sichtbarmachung und Aufwertung von Menschen auf der Flucht beigetragen hat.

Und wenn man mal nicht auf die Ebene der Spitzenpolitik geht: Mit Walter Lübcke hatte die CDU einen Mann, der das Gebot Jesu, Fremde aufzunehmen, ernst nahm und danach lebte. Er musste dafür den Märtyrertod sterben. Möge er in Gottes Frieden ruhen.

Den Parteigründern waren wohl die sogenannten christlichen Wertvorstellungen eine wichtige Rahmenbedingung für das Parteiprogramm und für die Satzung der Partei.

Das heute Verhalten der Partei hat sicherlich in großen Teilen nichts mehr mit diesen ursprünglichen Zielsetzungen gemein, aber das gilt für die SPD (das "S" steht für "Sozial" mindestens genauso.

Und ich glaube, daß diese beiden Parteien deshalb schon seit Jahren Probleme bei der Akzeptanz ihrer Politik haben, weil (wie sagt man so schön in der Fachsprache der Marketingleute) schon längst zwischen dem Markenkern und dem tatsächlichem sowie gefühlten Verhalten eine riesige Diskrepanz klafft.

Das "C" im Namen.

Alles andere, was Bezug zum Christentum hat, ist schon lsange aus dieser Partei geflohen.

Eigentlich eher anderes rum, Geflohen ist aus der Partei doch nur der Teil der gerne was von Werten schwafelt, bei der Anwendung dieser Werte aber sich dann aber gerne umentscheidet wenn es gerade nicht so gut in den Kram passt.

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@LtLTSmash

Egal wie rum, christlich ist die CDU, bzw. ihr Verhalten, jedenfalls nicht.

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@BurkeUndCo

Na ja, im Vergleich zur Ära Kohl sicher christlicher, obwohl ich auch nicht glaube das die Motivation wirklich im Glauben liegt.

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@LtLTSmash

Wo wurde die CDU in den letzten 30 Jahren christlicher?

Dass die Parteispenden jetzt nicht ganz so offen fließen, das hat mit echtem Christentum doch recht wenig zu tun - oder?

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@BurkeUndCo

Na zum Beispiel beim Thema Nächstenliebe. Statt wie bis in die 90er hinein dem Rechtspopulismus zu fröhnen hat sich die DCU dahingehen verändert Menschen auf der Flucht zu helfen.

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@LtLTSmash

Auf der Flucht wohin?

Nach einer kurzen Aussage "Wir schaffen das" - was nicht groß beabsichtigt, sondern dem aktuellen Notfall entsprach, tat sich die CDU eher groß damit Flüchtlinge abzuwehren oder auszuweisen.
Seehofer ist zwar bei der CSU (aber auch eine Partei mit C) und war stolz darauf, dass an seinem Geburtstag Flüchtlinge ausgewiesen wurden.

Christliche Nächstenliebe sieht für mich anders aus.

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@BurkeUndCo

Ja, die CSU ist da sicher nochmal ein Sonderfall, die haben länger gebraucht um sich vom Rechtspopulismus zu verabschieden. Ich bin kein CDU Wähler, aber ich muss trotzdem sagen das die Merkel CDU sicher noch die Christlichste Version der CDU ist.

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@LtLTSmash

Dieser Aussage kann ich zustimmen.

Auch wenn das stark an den Grundsatz erinnert: Ist zwar schlimm, aber es ginge ja noch schlimmer; also seid froh.

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Das ist sie schon lange nicht mehr.

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