Was genau heißt das?

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1 Antwort

Das Lesen eines Buches oder einer ausführlichen Internetseite über die Revolution 1848/9 kann weiterhelfen.

In der Revolution 1848/9 war ein Problem der Nationalversammlung, die in der Frankfurter Paulskirche tagte, einen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Es ging neben der Frage der Staatsform um das Staatsgebiet. Die größten Einzelstaaten Österreich und Preußen hatten auch eine erhebliche nichtdeutsche Bevölkerung. In Preußen war dies allerdings insgesamt nur eine Minderheit und bei dem damaligen Nationalgefühl konnten auch aus historischen Gründen Gebiete, die zum Deutschen Reich gehört hatten oder zum Deutschen Bund gehörten, als deutsch empfunden werden. Das Kaisertum Österreich jedoch war ein Vielvölkerstaat und nur ein Teil seines Gebietes gehörte zum Deutschen Bund.

Für die deutsche Frage gab es drei Möglichkeiten:

1) Einbeziehung des gesamten Gebietes des Kaisertums Österreich

2) Großdeutsche Lösung: deutscher Nationalstaat, der alle deutschen Gebiete (vor allem entsprechend der Bevölkerung, aber teilweise auch stärker historisch ausgerichtet) einschließlich der im Kaisertum Österreich liegenden umfassen sollte

3) Kleindeutsche Lösung: deutscher Nationalstaat ohne Gebiete des Kaisertums Österreich (was eine Vorherrschaft Preußens bedeutete)

Möglichkeit 1) widersprach dem Prinzip eines angestrebten Nationalstaats, weil dann viele Gebiete mit eindeutig nichtdeutscher Bevölkerung dabei gewesen wären. Die Möglichkeiten 2) und 3) waren auch mit einer Machtfrage zwischen Österreich und Preußen verbunden.

Die Nationalversammlung beschloss am 27. Oktober 1848 eine großdeutsche Lösung. Im Oktober und November setzten sich aber in Österreich eher konservative, für den Erhalt der Monarchie mit einem Kaiser aus der Familie Habsburg eintretende Regierungskräfte gegen die Revolutionäre mit militärischer Gewalt durch. Der neue österreichische Ministerpräsident Felix Fürst zu Schwarzenberg lehnte die großdeutsche Lösung, die eine Teilung des Kaisertums Österreich bedeutete, ab und erklärte am 27. November 1848, an der Einheit des Staates festzuhalten.

Auch Kompromissen (Heinrich von Gagern, Präsident der Nationalversammlung, entwickelte einen Plan ein kleindeutsches Reich als engeren Bund zu gestalten und dieses dann durch einen Vertrag mit Österreich-Ungarn in einem weiteren Bund zu verknüpfen; 18. Dezember 1848) verweigerte Schwarzenberg seine Zustimmung. Österreich wäre dadurch aus seinen deutschen Bindungen herausgerissen worden und Preußen hätte eine vorherrschende Stellung innerhalb des eigentlichen Staates, des engeren Bundes, bekommen.

Am 4. März 1849 wurde eine Verfassung für das Kaisertum Österreich erlassen (Kaiser Franz Joseph I.), in dem die staatsrechtliche Einheit der Gesamtmonarchie festgeschrieben wurde (Unteilbarkeit). Am 9. März 1849 forderte Schwarzenberg eine Aufnahme ganz Österreichs, was aber dem Nationalstaatsgedanken widersprach und auch aus außenpolitischen Gründen kein realistischer Weg war. Am 28. März 1849 wurde in der Nationalversammlung eine Verfassung mit dem preußischen König als Erbkaiser beschlossen (kleindeutsche Lösung). Die knappe Mehrheit wurde durch Zugeständnisse an die Demokraten in anderen Fragen gesichert. Die österreichischen Abgeordneten waren schon vorher zurückgerufen worden.

Eine kurze Zusammenfassung könnte sein:

Kaiser und Regierung in Österreich hielten an der Einheit des Gesamtstaates fest und schrieben den Grundsatz der Unteilbarkeit aller Länder und Nationalitäten in die Verfassung. Damit war deutlich erkennbar eine großdeutsche Lösung nicht zu verwirklichen. In dieser Lage konnten sich in der Nationalversammlung die Befürworter einer kleindeutschen Lösung durchsetzen.

erweh 19.05.2009, 11:31

Das nenne ich mal eine ausführliche Antwort. DH

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