Was genau bringt eine nationalistisch/patriotisch geprägte Denkweise?

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11 Antworten

Es ist - wie die Teilnahme an einer Religion - Identitätsstiftend. Es macht ein wir-gefühl. Wir sind Deutsch, wir sind Papst, wir sind Weltmeister. Der Mensch hat die meiste Zeit seiner Entwicklung in Kleingruppen gelebt und scheint wohl immer noch solche Abgrenzungsmerkmale für ein "wir gegen die" haben zu wollen. Das hilft allen Mitgliedern der Gruppe und schadet allen außerhalb.

Spätestens seit wir Waffen haben die den gesamten Globus erreichen und ganze Städte mit einem Schlag zerstören können wird es aber zeit drüber hinweg zu kommen. Sei doch froh, das dein Gehirn das Problem offensichtlich nicht (so stark) hat?

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Ich persönlich bin für mich der Mittelpunkt meiner Existenz. Für mich
zählt, wer ich bin und für mich zählt am Ende des Tages nur mein
individuelles Dasein.

Dann kannst du schonmal kein "Patriot" sein, denn Patrioten denken nicht nur an sich selbst und verfolgen aus persönlicher Gier nur ihre eigenen Interessen, sondern empfinden bei ihrem Tun und Handeln auch Verantwortung der Gemeinschaft gegenüber - der Gemeinschaft des deutschen Volkes, der europäischen Völker, der Gemeinschaft der Völker der Welt. Für sie hat das deutsche Verfassungsrecht ebenso hohe Bedeutung wie das Völkerrecht und die Menschenrechte. Sie wollen, dass Deutschland ein sozial gerechter Staat ist, die Freiheiten seiner Bürger schützt und sich außenpolitisch für Frieden, Recht und Freiheit in der Welt einsetzt.

Nun gibt es Menschen, die eine stark patriotische und auch nationalistische Denkweise verfolgen.

Patrioten sind keine Nationalisten, und Nationalisten können keine Patrioten sein!

Im Gegensatz zu Patrioten, die ich oben schon kurz beschrieben habe, stellen Nationalisten ausschließlich ihr eigenes Volk in den Mittelpunkt ihres Denkens, das sie für besser und wertvoller halten als andere Völker, auf die sie herabsehen. Ihr politisches Handeln verfolgt rücksichtslos die Interessen des eigenen Volkes. Ihnen fehlt der Respekt vor anderen Völkern und ihren Leistungen, das Völkerrecht und die allgemeinen Menschenrechte halten sie für nachrangig.

Warum genau sind diese Menschen so sehr darauf fixiert, was bringt es ihnen?

Nationalisten gehören meist zu den Schichten des deutschen Volkes, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ihr nationalistisches Gehabe und ihre "kameradschaftlichen" Zusammenschlüsse sind eine Art Ersatzbefriedigung für fehlende Anerkennung in der deutschen Gesellschaft.

Ich bin in einem inneren Konflikt, denn einerseits mag ich meine Mitmenschen und identifiziere mit Landsleuten natürlich einen gewissen gemeinsamen Punkt (wahrscheinlich eine rein evolutionstechnische Schwäche), aber andererseits denke ich, dass die Identifikation mit einer nationalen Gesamtheit mich als Individuum schwächt ... Und wie bekomme ich die Antwort, was nun richtiger ist?

Wenn du dich zu einem patriotischen statt nationalistischen Fühlen und Denken durchringen könntest, würden sich die von dir geschilderten Widersprüche in Wohlgefallen auflösen! Damit wäre auch deine Frage beantwortet!   :-)

MfG

Arnold

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In der Regel wird der Nationalismus in der Moderne als Fortführung und Übersteigerung von evolutionär erworbenen Instinkten zur Gruppenbildung verstanden. Die Bildung von Nationalstaaten dieses Ausmaßes wird aber erst durch Erfindungen der Neuzeit ermöglicht, z.B. Kommunikationstechnologie.

Dem Nationalismus liegen zahlreiche unterbewusste Vorgänge zugrunde. So sind Menschen zum Beispiel wildfremden Personen gegenüber im Allgemeinen wesentlich hilfsbereiter, wenn sie mit ihnen noch so kleine Gemeinsamkeiten haben, wie die politische Überzeugung, die Kleidung oder das Geburtsdatum. Diese Verhaltensweise konnte sich in der Natur etablieren, weil dadurch die Unterstützung von Familienangehörigen und Gruppenmitgliedern garantiert wurde. Nationalismus kann auch eine Reaktion auf eine Bedrohung von außen oder ein Bewältigungsmechanismus (z.B. durch positive Identifikation oder Verschiebung) darstellen.

In der heutigen Gesellschaft ist Nationalismus m.M.n. vor allem ein überflüssiges Hindernis für die Verständigung und die gemeinsame Lösung von Problemen auf globaler Ebene.

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Warum genau sind diese Menschen so sehr darauf fixiert, was bringt es ihnen?

Es bringt ihnen "gesellschaftliche Bedeutung und Anerkennung". Jeder Mensch ist auf gesellschaftliche Anerkennung konditioniert. Und deshalb versucht auch jeder Mensch, sich diese Anerkennung zu verschaffen. 

Manche tun das, indem sie Herausragendes leisten und dafür gelobt werden wollen. Andere tun das, indem sie in dem, was die Gesellschaft gerade gut findet, gut sein wollen: Geld raffen, viele Frauen haben, dicke Autos fahren, whatever...

"Patrioten und Nationalisten" haben und können in aller Regel nichts. Sie sehen keine andere Option, als über den "Nationalstolz" - also den Stolz auf etwas, zu dem sie nichts oder nur sehr wenig beigetragen haben - an der gesellschaftlichen Anerkennung zu partizipieren.

Sie holen sich quasi also, was sie nicht selbst leisten und was die Gesellschaft ihnen - ihrer Meinung nach - zu Unrecht verwehrt.

Als Beispiel nehme man den Varoufakis-Fall, bei dem man irrtümlich glaubte, Varoufakis habe den Deutschen den Mittelfinger gezeigt.

Das ist ein schlechtes Beispiel, weil hier AUSSCHLIESSLICH PROPAGANDA am Werk war. Die Journaille hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Varoufakis selbst nicht zuzuhören, weil dieser eine, bleiben wir zurückhaltend und wohlwollend, Antwort hatte, die sich schlecht verkaufen ließ.

Also schuf man (verlogene) reißerische Titel und Behauptungen, die dann zu Selbstläufern wurden, weil der "Griechen-Hass" gerade seinem Höhepunkt entgegenrollte...

Ist es nicht viel anstrengender solch eine Denkweise zu verfolgen und das Gefühl zu haben, man müsse sich vor jeglichen Anfeindungen verteidigen, obwohl sie nicht einmal gegen einen selbst, sondern gegen ein Kollektiv gerichtet sind?

Nein. Patrioten und Nationalisten holen sich ihre Satisfaktion aus eben dieser "Verteidigung". Müssten sie "ihre Nation" nicht mehr verteidigen, wären sie stante pedes arbeitslos und um die erhoffte gesellschaftliche Anerkennung als eben dieser Patriot/Nationalist gebracht.

Die Verteidigungshaltung ist also zentrale Aufgabe des Patrioten/Nationalisten und damit DAS ZENTRALE IDENTIFIKATIONSMITTEL der Patrioten und Nationalisten. 

Ich bin in einem inneren Konflikt, denn einerseits mag ich meine Mitmenschen und identifiziere mit Landsleuten natürlich einen gewissen gemeinsamen Punkt (wahrscheinlich eine rein evolutionstechnische Schwäche), ...

Es ist unnatürlich, sich "mit einem ganzen Volk/Landsleuten" zu identifizieren. Natürlicher ist es hingegen, sich mit überschaubaren Größenordnungen zu identifizieren: Familie, Verein, etc. 

"Völker" sind hingegen zu vielschichtig und vielgestaltig, um sich mit ihnen identifizieren zu können. 

Beispiel: Abgesehen von der deutschen Sprache habe ich mit Bayern nicht mehr oder weniger gemeinsam, als mit Österreichern, Tschechen, Schweizern oder Franzosen. Alles andere "Gleichmachende" (etwa Regierung, Steuern, Grenzen, etc.) wird mir von Dritten aufgezwungen; ob ich will oder nicht. 

... aber andererseits denke ich, dass die Identifikation mit einer nationalen Gesamtheit mich als Individuum schwächt.

Richtig. Staatsgrenzen sind willkürlich von Mächtigen (meist: Reichen) gezogene Linien. Und sie werden ebenso willkürlich von Mächtigen (meist: Reichen) verändert.

Dabei geht es AUSSCHLIESSLICH um "Divide et impera! - Teile und herrsche!"; denn diese Grenzen kennzeichnen die Herrschaftsgebiete der Mächtigen. 

Was hingegen passiert, wenn die Beherrschten diese Grenzen nicht mehr als ultimativ beschränkend wahrnehmen müssen, kannst du am Schengen-Raum schon ansatzweise beobachten: Heutige Kinder fragen, was eine Grenzkontrolle ist. Und heutige Reisende können nur noch erahnen, wo einst ein "Zollhaus" stand und dass man folglich nun in ein fremdes Herrschaftsgebiet einfährt.

Insofern zeigt Schengen damit - zumindest teilweise - schon heute, wie die Zukunft der Menschen aussieht: Nicht "getrennt durch Grenzen", sondern nur noch "getrennt durch gesellschaftliche Schichten" wird der Mensch leben. Die Einen oben (und in Monte Carlo); die Anderen unten und in den Slums und Armenvierteln; bestenfalls aber im Reihenhäuschen, dessen Finanzierung immer schwieriger wird. Und dabei ist es egal, ob es Österreicher, Tschechen, Schweizer, Franzosen ... oder eben Deutsche sind.

Folglich: Ja, dieser Teil deiner Analyse trifft zu. Du wirst - als Individuum - geschwächt, wenn du - als Gruppe - geteilt wirst. Denn du machst dich damit leichter beherrschbar.

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Kommentar von atzef
21.10.2016, 16:43

Es ist unnatürlich, sich "mit einem ganzen Volk/Landsleuten" zu identifizieren

So isses. Nationalismus ist ein Produkt der Moderne und war zu zeiten, in denen sich Kölner und Düsseldorfer motiviert die Schädel eingeschlagen haben, noch gänzlich unbekannt. :-)

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Patriotismus, bzw. seine Grundform ist tief in der menschlichen DNA verankert.

Der Grund dafür liegt auf der Hand:
Wenn Menschen in Massen zusammenleben haben sie eine größere Überlebenschance. Aber um das Zusammenleben in Gruppen zu gewährleisten, musste der Mensch natürlich in der Lage sein ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.
Und das war damals der Fall, ist der Fall und wird die nächsten zehn Millionen Jahre auch noch so bleiben.
Man muss, um dieses Argument nachzuvollziehen daran denken, dass man auch auf seine Stadt, seine Familie, seinen Vater etc. stolz sein kann.

Und dieses nervige Klischee, dass hier auch schon erwähnt wurde, dass Patrioten dumm sind gilt es nur zu widerlegen!!
Meine Eltern sind beide Akademiker, haben drei Kinder (,die alle im Leben erfolgreich sind), ein schönes Haus in einer teuren Gegend, glückliche Ehen und sind beide Patrioten.
Dabei kann man mir weder jemand erzählen, dass sie dumm sind, noch, dass sie auf nichts stolz sein können und trotzdem weht bei uns hin und wieder die Flagge im Garten.

Trotzdem muss natürlich jeder für sich entscheiden, was er will und woran er glaubt.
Nur die angebliche moralische Überlegenheit, die von einigen an den Tag gelegt wird ist mehr als ärgerlich.

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte.

LG,
Nina.

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Bei diesem Thema gibt es meiner Meinung nach kein "Richtig" oder "Falsch".

Der Mensch, egal wie selbstbewusst, (geistig)stark oder stolz ist, sucht immer eine Gemeinsamkeit, egal ob mit einer einzelnen Person, Gruppe oder Nation. Zu etwas dazu zu gehören, schwächt nicht das einzelne Individuum, du bist ja schließlich nicht schwächer, nur weil du zB an einen bestimmten Fußballverein oder eine Religion glaubst. 

Manche Menschen kommen sehr gut damit klar, und sind auch sehr stolz darauf (mich eingeschlossen) ein eigenes Individuum zu sein, welches sich von jedem anderem unterscheidet. Manchmal jedoch, macht es das einzelne Individuum sogar stärker, wenn es zu einer bestimmten Gruppe gehört.

Ich hoffe, ich konnte dir meinen Standpunkt so gut wie möglich darstellen.

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Um nicht zu weit auszuholen und ein - m.M.n. - starkes Gegenargument zu bringen: Wenn du dich nicht/kaum mit deiner Nationalität identifizierst, wird das Auswirkungen darauf haben, wie du zu Menschen dieser Gruppe Anschluß findest und zwar im negativen Sinne.

Wer nun etwas Gemeinsames teilt, ist auch eher geneigt, sich beizustehen, sich gegenseitig zu unterstützen usw.

Vereinfacht: Die Wahrscheinlichkeit, daß du "alleine" dastehst, wird größer. In Krisensituationen, welche über Krankheit, Jobverlust, Tod in der Familien usw. hinausgehen - also bspw. überregionale Wirtschaftseinbrüche, politische Systemwechsel, ethnische Konflikte, Krieg usw. - macht sich das insofern bemerkbar, als das die Gruppe, in der du Rückhalt findest, auf deinen Freundes- und Familienkreis beschränkt bleibt.

Ein Fremder, der daher garnichts, außer das Menschsein, mit dir gemein hat, wird eine gerinere Veranlassung sehen, dir zu helfen, als wenn du ein Fremder wärst, der aber seiner Nationalität wenigstens angehört.

Dazu werden mit Sicherheit viele Gegenbeispiele gebracht. Beachte einfach die Rahmenbedingungen, in denen sich dies überhaupt erstmal zeigen kann, dann aber umso wichtiger ist.

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Kommentar von matmatmat
21.10.2016, 16:24

Da ist was dran, aber ohne diese Art zu denken hätten wir auch weniger Kriege und Konflikte und weniger gut abgegrenzte Gruppen die immer wieder nen Grund finden sich zu streiten und zu bekämpfen.

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Ich bin nicht sicher, habe aber den Eindruck, dass du ein paar Dinge falsch dargestellt hast: Der Varoufakis Mittelfinger wurde tatsächlich so gezeigt, das Video wurde anschließend lediglich so geändert, dass man annehmen sollte, dass der Finger hinein-manipuliert worden wäre. Tatsächlich ist die Version mit der geschlossenen Hand die gefakte.

Das "Identifizieren mit Landsleuten" ist natürlich keine Schwäche, sondern eine Stärke, da es dafür sorgt, dass die eigenen Gene geschützt werden, da diese statistisch gesehen mit höherer Wahrscheinlichkeit auch von den Landsleuten getragen werden.

Ich persönlich bin überhaupt nicht stolz auf mein Land, sehe aber dennoch Vorteile darin, das Land zu verteidigen (allerdings nicht auf emotionale Weise). Die eigene Person, sowie Verwandte und Freunde profitieren indirekt davon, dass man sich für das eigene Land und die Gesellschaft einsetzt. Dazu gehört beispielsweise auch, dass man die Gemeinschaft vor Migranten, die das Asylrecht ausnutzen, schützen sollte.

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Wie so oft, ist es nützlich, erst einmal zu überlegen, was das denn ist, "NATIONALISMUS".

Es ist die Erkenntnis, daß die Völker als Kulturträger einen sehr hohen Stellenwert in der Wertehierarchie haben. Kultur ist schließlich der Ausdruck der Geistigkeit und diese ist die essentielle Eigenschaft des Menschen schlechthin. Nationalismus ist also der eigentliche Ausfluß des HUMANISMUS.

Diese Erkenntnis ist deshalb verpönt, weil der "GLOBALISMUS" (absolute weltweite Herrschaft der Bankenwelt über das Individuum) die Ausbeutung der Arbeitskraft der vielen Einzelnen nur dann zuwege bringt, wenn diese vereinzelt sind, also keinen Rückhalt in Volk, Familie, Religion, Kultur haben.

Gelegentlich wird absichtsvoll unterstellt, die Hochachtung vor einem jeden Volk (Nationalismus) wäre irgendwie identisch mit dessen GEGENTEIL, dem CHAUVINISMUS. Dieser ist als Auserwähltheitswahn und Weltgeltungsanspruch die absurde Idee, das eigene Volk, die eigene Gruppe sei alleine "wertvoll", die übrige Welt sei "ohne Seele", "niedrig", "dem Vieh gleich" (hebr. "goy" = "Vieh").

Sich mit dem eigenen Volk verbunden zu fühlen, ist also keine Schwäche, sondern gelebter Humanismus.

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Patriotismus versteht man nicht, den fühlt man. Ich fühle manchmal regionalen Patriotismus. Ein Rheinländer fühlt sich im Karneval besonders patriotisch. Deutsch patriotisch fühl ich mich 10 Minuten lang, nachdem die deutsche Elf den WM Titel geholt hat. Deutsch Patriotisch fühle ich mich meistens nicht, da  ich oft an diese ganzen gröhlenden, bierseligen, TV-glotzenden, dickbäuchigen, unsmarten, unmodischen, ungebildeten, geschmacklosen, unkreativen, faulen deutschen Couchpotatoes denken muss.

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Hohn und Spott, Verachtung, Lächerlichkeit, großes Leid und Unglück und am Ende eigentlich immer Kriege/Bürgerkriege und Menschenrechtsverbrechen.

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