Was genau bedeutet "Plichtteilergänzungsanspruch"?

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4 Antworten

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch greift immer dann, wenn es in den 10 Jahren vor dem Erbfall eine Schenkung gab.

Einfaches Beispiel. Jemand stirbt udn hinterläßt den 3 Kindern (einzige Erben) jedem 100.000,-.

Ein Kind hat aber vor 5 Jahren 300.000,- geschenkt bekommen. Der Anspruch auf Anrechnung verringert sich jedes Jahr um 1/10.

Alsonwerden in diesem Fall 5/50 der 300.000,- also 150.000,- angerechnet.

300.000,- ERbschaft + 150.000,- Schenkung = 450.000,-.

gesetzliches Erbe  pro Kind wäre 150.000,-. Pflichtteil 1/2. jedes Kind bekommt 100.000,-, kein Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Der gleiche Fall mit einer Schenkung von 900.000,- (könnte ja ein Haus sein).

Erbe 300.000,- + (5/10 von 900.000,-) 450.000,- = Gesamterbe 750.000,-.

gesetzliches Erbe  pro Kind 250.000,-, Pflichtteil 125.000,-. 100.000,- wurden nur vererbt. Also muss das Kind, was beschenkt wurde, den beiden anderen je 25.000,- Pflichtteilergänzung zahlen.

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Kommentar von MuttiSagt
05.08.2016, 12:49

Vielen Dank! So is es leicht zu verstehen!

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Wenn die drei Kinder alle gesetzlich erben, gibt es im Normalfall keinen Pflichtteilsergänzungsanspruch. Der wäre nur beispielsweise bei einer testamentarischen Regelung denkbar, bei der eines der Kinder weniger erbt, als der Wert des Pflichtteils (Hälfte des gesetzlichen Erbteils) ist. Oder wenn der Erblasser vor dem Erbfall die Erbschaft durch Schenkungen ausgehöhlt hätte oder die Erbschaft durch Vermächtnisse massiv belastet hat.

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch führt dazu, dass auch der durch Vermächtnisse oder Vorausverfügungen belastete Erbe zumindest den Wert des Pflichtteils erhält.

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Kommentar von MuttiSagt
05.08.2016, 12:35

Ah ok

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Der Pflichtteilsergänzungsanspruch ergibt sich aus lebzeitigen Schenkungen des Erblassers.

Zur Berechnung des Pflichtteilsergänzungsanspruchs: http://www.pflichtteilrechner.de/068_wie_wird_der_pflichtteilsergaenzungsanspruch_berechnet.html

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch besteht neben (also zusätzlich zu) dem sogenannten ordentlichen Pflichtteilsanspruch.

Genauso wie der ordentliche Pflichtteil muss auch der Pflichtteilsergänzungsanspruch von dem/den Erben bezahlt werden. Nur in Ausnahmefällen kann ersatzweise der Beschenkte in Haftung genommen werden.

Gesetzlich geregelt ist der Pflichtteilsergänzungsanspruch in § 2325 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html

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