Was geht in einem Künstlerhirn vor sich, welche Denkprozesse und Emotionen prägen ihn?

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9 Antworten

Kunst ist ein gesellschaftliches Phänomen, kein isoliert individuelles. Da in der Regel Künstler individuelle Sensoren mit Gestaltungs- und Kommunikationsdrang sind, mehr als "normale" Menschen, gibt es für "normale" Menschen eher verallgemeinerungsfähige Aussagen als für Künstler. Welche Künstler wir mit ihren Werken überhaupt zu Gesicht bekommen ist wieder ein gesellschaftlicher Selektionsprozess, der umgekehrt auch wieder die Künstler steuert, je nachdem wie sehr sie sich am Trend des Kunstmarktes ausrichten, denn letztlich müssen auch sie Geld verdienen, um zu leben.

Zwischen dem "normalen" Kunstkonsumenten und dem Künstler steht in der Regel die professionelle Kunstverwerterclique, die Galeristen und Museumsprofis, die bereits eine Vorauswahl und Vor-Wertung treffen. Diese liefern mit teils sehr geschwollenen Interpretationen die Rechtfertigung ihrer Wahl und ein begünstigter Künstler, der in dieser Seilschaft bleiben will, ist gut beraten, mit seinen Äußerungen das geschwollene Zeugs zu bestätigen. Ich persönlich ziehe es vor, erst mal ganz persönlich zu entscheiden, was für mich ein ansprechender künstlerischer Ausdruck ist und was nicht. Was sich der Künstler angeblich gedacht hat, ist mir erst mal schnurzegal. Kunst ist Kommunikation und soll für mich etwas zum Ausdruck bringen.

Was ein Kunstwerk für andere zum Ausdruck bringt, kann eine interessante, hilfreiche Information sein, aber wenn es bei mir so nicht ankommt, ist es halt nicht mein Ding, erst recht, wenn man feststellt, dass die Kunstgemeinde vorgegebene geschwollene Interpretationen nachplappert. Kunst ist im umfassendsten Sinn eine Weltinterpretation mit anderen Mitteln als Wissenschaft und Politik oder Journalismus. Wenn man ein eigenes Weltbild - zumindest im groben - hat, hat man auch das Recht mit anderen Interpretationen kritisch umzugehen. Was mir immer hilfreich erscheint, ist die Information zu den historischen Lebenssituationen und Umfeldbedingungen  vergangener Künstler, die besser verstehen lassen, in welchem kommunikativen Umfeld der Künstler sein Werk gestaltet hat. Doch auch da gibt es Trends und falsche Glorifizierung. Das eigene Urteil bleibt einem letztlich nicht erspart.

Das Puzzelstück ist wohl dass Künstler viel weniger denken als sie zugeben wollen. In meiner Kunst versuche ich lediglich Menschen dazu zu bringen Geschichten zu spinnen, daher baue ich meine Kunstwerke dementsprechend auf.

Viele Künstler machen einfach und denken sich gar nichts dabei. Bei einem Bildhauer der "in Dialog" tritt, geht es, denke ich, viel eher darum dass er das Gefühl für die Vorlage entwickeln will. Er will Versailles spüren und diese Gefühle möglichst in seiner Skultpur wiedergeben.

Die Denkprozesse eines Künstlers lassen sich "entschlüsseln".

Voraussetzung ist, dass der Betrachter die bildnerische "Sprache" versteht. Damit meine ich Merkmale in der Gestaltung eines Objekts, die in der Fachsprache für Architektur, Bildhauerei, Malerei und Grafik vorliegen. Die Kenntnis dieser Merkmale und Fachbegriffe erhöht die Sensibilität für das Geschaffene und Ausgedrückte und ermöglicht einen vertieften Zugang, der über den Ersten Eindruck und das alltägliche Allgemeinwissen hinaus geht.

Man unterscheidet - grob gesagt - zwei Ebenen:

a) sachliche Formanalyse und

b) subjektiv-emotionale Deutung und Interpretation.

Wenn in deinem Zitat der Künstler "in einen Dialog tritt", betrachtet er den gebauten Raum (Architektur, Gartenbau) und den Freiraum (Abstände, Blickfelder, Begrenzungen). Er nimmt Proportionen, Kontraste, Richtungen, Senkrechte, Waagerechte, Schrägen, Lichtführung, Farben, Nuancen, Konturen und Linienführung, Materialien und Oberflächentexturen bewusst wahr (= Formanalyse - bei Profis intuitiv! ), um sie für seine neuen Ideen teilweise zu benutzen und anzureichern. Der "Dialog" wäre also eine Wechselwirkung zwischen bewusstem Wahrnehmen und kreativer Ideenbildung und künstlerischem Produzieren.

Ich dachte in meinem Leben schon oft, dass ich nun endlich verstand, was Kunst ist, und was gute Kunst ausmacht, nur um dann kurze Zeit später radikal umgestimmt zu werden. Nun stehe ich da und kann mir nicht einmal im Ansatz erklären, was Kunst eigentlich ist.

kunst ist die darstellung von irdischem im göttlichen gewand

Viel geschwollenes Zeug, auch viel Unsinn haben meine vorherigen Analysten von sich gegeben. Ich lebte mein Leben lang von meiner Malerei

und kann nur sagen, wie es mir und vielen meiner Kollegen geht: Umwelt beobachten, Irgendwann formt sich ein Bild im Kopf. Nächster Schritt, in welcher Technik ich das Bild am besten male,in welchen Stufen ich die einzelnen Arbeitsschritte ausführen muß. Ist theoretisch alles geklärt, arbeiten, bis das Bild meiner Vorstellung entspricht. Rechtzeitig aufhören! Dann sollte ein Bild fertig sein, dass dem Betrachter einen neuen Blick auf eine Sache vermittelt, das transparenter macht, vertieft. Dann, welchen Preis du nehmen sollst. So oder ähnlich läuft das eigentlich bei fast allen ab.

Deine Frage spricht mir aus der Seele. Ich habe mich darum entschlossen, nicht mehr auf die "Erklärungen der Kunstwerke" zu hören, sondern erst einmal meine eigenen Empfindungen zu betrachten. Wenn ich dann feststelle; ich verstehe nichts - dann greife ich auf die Erklärungen zurück. Ob allerdings der Künstler in jedem Fall verstanden hätte, was man später ihm unterstellt, möchte ich dahingestellt sein lassen. Es werden oft Schubladen geöffnet, die mit einem Schild versehen sind,- Impressionisten, Expressionisten etc. Also Bezeichnungen , die meistens sehr viel später entstanden sind. Und durchaus nicht immer positiv waren (die Fauvisten,- waren die in ihren eigenen Augen auch Wilde??). Wenn aber ein lebender Künstler eine "Erklärung" zu seinem Werk abgibt,- kann man versuchen, ihm und seinen Erklärungen zu folgen. Das spricht aber nicht immer auch für das Werk- das einer solchen Erklärung bedarf. Hilft aber manchmal - aber die Frage; was ist Kunst,- beantwortet nichts davon. Die Frage ist wohl auch kaum objektiv zu beantworten.

Wenn ich meine Gedichte schreibe erkenne ich auch solche Eingebungen. Es ist vielleicht nicht Methodisch, wofür ein Plan voraus gehen muss. Man versetzt sich eher in eine Gedankenwelt ohne Sprache und öffnet so sein Unterbewusstsein. Das führt dann zu einem Werk, was genau das Wiederspiegelt, was das Unterbewusstsein verarbeitet. Die Erschaffung ist geprägt von einem Dialog zwischen Bewußtsein und Unbewussten und entwickelt so oftmals geniale Werke, die der Künstler schon einordnen kann, doch manchmal auch durch die Ansichten die Kritiker Farbe bekommt, so daß der Künstler selbst die Botschaft seines Unterbewusstseins besser erkennt. In dieser Verblüffung ist dann auch die Identifikation des Künstlers zum Kunstwerke zu finden.

Gefühl, mein lieber, das verbindende Element sind die Gefühle. Aber wenn du dir solche Fragen stellst, bist weit weg davon.

Der /die / das Künstler lebt nicht aus  dem "Hirn", sondern zuerst aus anderen Sphären, also dem "Bauch", etc.

Kunst ist nicht das was  "der Markt" und die Geld-HERRschaft vorgibt / zu sein hat, sondern ist  kreativ urspüngliche,  gestalterische Tätigkeit auf jeder Ebene,...!

Leider ist diese (westliche) Gesellschaft in der wir leben, zu stark von Markt und vorrangiger "Wirtshaft-" und deren Interessen durchdrungen, so das künstlerisch (auch spirituelle) Ziele völlig übersehen werden, ..!

Wer meint, darin (in der Kunst) eine weitere Geschäftsidee zu sehen / zu suchen, und das Gestalten nur so auffasst , kann dabei (aber  beschwerlich) äusserlich "erfolgreich" sein, verfehlt aber ebenso oft das eigentliche "Lebensziel" darin, das anzustreben wäre, ..!?

Wenn der von dir benannte Bildhauer  in "einen Dialog" mit dem "Ort" treten will, dann ist das nicht "kryptisch", sondern er versucht sich mit "allen" den ihm zur Verfügung stehenden "Sinnen"  darauf einzulassen, zu spüren, um was es in dieser Umgebung gehen könnte, ..
wenn du das nicht verstehst, dann soiltest/ mögest du an entsprechender Wahrnehmung und Achtsamkeit "arbeiten", (also still sitzen unf nachspüren, etwa, auch Meditatoon,.)  was dich das besser spüren lässt, ..

das ist ein langwieriger (lebenslanger) Prozess, der dich aber auf deinem Weg als "Mensch" deutlich weiterbringen kann und dich weg führt, vom allseits vorherbestimmten, entfremdeten "Automatendasein", der vielen anderen, ..etc

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