Was gehört zur privaten Nutzung eines Firmenwagens?

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5 Antworten

Bei der Ermittlung des Anteils betrieblicher Fahrten ( mehr oder weniger 50 % ) gehören die Fahrten Wohnung - Arbeitsstätte zu dem betrieblichen Anteil.

Was die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit betrifft, so kann man grundsätzlich sagen, daß die Besteuerung nach 1%-Regel für Arbeitnehmer ohne eigenes Privatfahrzeug immer die günstigste Variante ist.

Der Mehrbetrag an Steuern, der dadurch fällig wird, reicht nicht aus, um die private Anschaffung und Unterhaltung eines entsprechenden Fahrzeug tatsächlich zu finanzieren.

Bsp. Rechnung:

12.000km "private" Fahrleistung entspricht bei 8l Durchschnittsverbrauch rund 1.300€ bei ca. 1,30€/l

plus anteilig 60€ TÜV und ASU pro Jahr.

plus pauschal 300€ pro Jahr für Scheibenwaschwasser, Frostschutzmittel, neue Scheibenwischblätter, Fußmatten, Lackpflege, Politur, Innenraumpflegemittel, usw. usf.

60€ / Jahr 2x Radwechsel und einlagern

Durchsicht und Ölwechsel - je nach Werkstatt und Wagen 150 bis 300 Euro

Alle 3 Jahre neue Reifen (Sommer UND Winter). Macht je nach Fahrzeug und Reifenwahl ca. 120 bis 350 € pro Jahr

Gleiches gilt für Bremsen ca. 100 € /Jahr pauschal.

Dazu die Abschreibung - bei einer privaten Nutzungsdauer von 8 Jahren. Macht bei durchschnittlich 40T€ Kaufpreis bis zu 5000 Eus pro Jahr.

dazu Reparaturen, Versicherung, Steuern: pauschal 1.100€

macht bereits jetzt eine finanzielle Belastung von ca. 8 - 9.000 € im Jahr!

Wenn man einen fiktiven Lohnsteuersatz von 30% zu Grunde legt, ergibt sich eine Bemessungsgrundlage von rund 28.500€ - nach Berücksichtigung der ansatzfähigen Kilometerpauschale für den Arbeitsweg. (pauschal 25 km x 200 Tage x 0,30€ = 1.500€)

--> 30T€/Jahr entsprechen also 12 Monate mal 1% BLP zzgl. 0,03% Arbeitswegvorteil. Mit anderen Worten: rund 12,5% bzw. 240T€ (fiktiver) Bruttolistenpreis.

Mit anderen Worten: Die tatsächlichen realen Kosten eines privat gehaltenen Fahrzeugs - wenn man annimmt, daß die steuerliche Belastung genauso hoch wären - setzen eine entsprechend hohe Bemessungsgrundlage für die LSt-liche Belastung voraus und - rein rechnerisch - könnte jeder Arbeitnehmer mit nem Lambo oder Ferrari als Dienstwagen unterwegs sein

Vielen Dank. Deine Beispielrechnung habe ich gleich gebookmarked. Aber meine grundlegende Frage wurde nicht beantwortet. Mir geht es nicht um die Wirtschaftlichkeit eines bestimmten Verfahrens, sondern nur darum, ob die fahrt zur Arbeit als private Nutzung zählt oder nicht^^

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@Knuspa

Der Arbeitsweg ist Privatnutzung insofern, als daß er - beim Arbeitnehmer! - nicht als betrieblicher Nutzungsanteil eines Firmenwagens angesehen wird und damit nicht dazu beträgt, die betriebliche Nutzung auf mind. 50% zu bringen, um die 1%-Regel anwenden zu könne.

Im Unterschied zum Unternehmer. Bei diesem gilt der Arbeitsweg als betrieblich veranlaßt und erhöht damit den betrieblichen Nutzungsanteil.

Lohnsteuerlich relevant ist - laut BFH-Rechtsprechung und BMF-Schreiben - der Arbeitsweg dann, wenn er tatsächlich mit dem Dienstwagen zurückgelegt wurde. Entgegen dem Wortlaut des Gesetzes ist der Fahrtweg zwar mit 0,03% des Bruttolistenpreises zzgl. zu der 1%-Regel zu besteuern, aber eben nicht zwangsläufig. Laut Einkommensteuergesetz ist die reine Möglichkeit der Nutzung zu besteuern, nicht deren tatsächlicher Umfang. Der BFH und das BundesMinisterium der Finanzen geben hier der Finanzverwaltung die Linie vor.

Weißt man nach, daß man den Dienstwagen tatsächlich zeitlich oder streckenmäßig nur eingeschränkt nutzt, vermindert sich somit die BMG für den Fahrweg auf die tatsächliche Nutzung.

Das findest du unter den geposteten Links zu "smarsteuer" ausführlich erläutert.

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Für Fahrten, die Du als Werbungskosten absetzen kannst (vgl. § 8 Abs. 2 EStG), also als Arbeitnehmer mit einem Dienstwagen ausschließlich von der Wohnung zum Arbeitsplatz fährst, brauchst Du keine Steuern auf eine private Nutzung des Autos zu zahlen. Denn die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind nicht der Privat-, sondern der Erwerbsphäre zuzuordnen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH). Begründung: Die Fahrt zur Arbeit per Geschäftswagen ist kein Privatvergnügen.

https://www.smartsteuer.de/portal/tipp/firmenwagen-und-tatsaechliche-nutzung/257.html

Für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte müssen Sie nur dann

einen geldwerten Vorteil (0,03%-Regelung) versteuern, wenn Sie Sie
tatsächlich auf den Wagen zurückgegriffen haben.

Der
Bundesfinanzhof hatte in den letzten Jahren mehrmals entschieden, dass
ein geldwerter Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
(0,03%-Regelung) nur anzusetzen ist, wenn der Firmenwagen auch tatsächlich für solche Fahrten genutzt wird.

--> grundsätzlich ist der Arbeitsweg wie gehabt als Nutzungsvorteil für den Arbeitnehmer zu versteuer. Die Ausnahme vom Grundsatz ist durch Nachweis zu begründen.

Unabhängig davon wird gegen die "0,03%-Arbeitswegvorteil" die "Kilometerpauschale aufgerechnet.

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@Infomercial

Hmmm, dass die die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als geldwerter Vorteil anzusehen ist und entsprechend versteuert werden muss, ist mir klar.

Aber die Versteuerung ist nochmals eine andere Baustelle. Mir geht es grundsätzlich um die Kategorisierung dieser Pendlerfahrt.

Wenn man folgende Beispielrechnung durchgeht:
Fahrt pro Monat: 2000km. Davon 800km Fahrt zur täglichen Arbeit, 800km Fahrt zum Kunden und 400 km private Nutzung. Nutze ich jetzt wirklich den Firmenwagen zu 20% (400km) privat oder eigentlich zu 60% privat (1200km)? Bei zweiterem wäre die 1% - Regelung gar nicht bei mir anwendbar :)

Hoffe mein Anliegen wird verstanden. Vielleicht habe ich auch einen grundlegenden Denkfehler?

Vielen Dank

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@Knuspa

Siehe meinen anderen Post weiter unten.

Bei der Beurteilung des betrieblichen Nutzungsumfangs zählt der Arbeitnehmer-Arbeitsweg nicht als private Nutzung.

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Als Arbeitnehmer nicht. Für den Unternehmer selbst wird der Arbeitsweg als betrieblich veranlaßt eingestuft, um ihn dahingehend mit der "Kilometerpauschale" für abhängig Beschäftigte gleichzustellen.

Gesetzestext muß ich gucken. Wir nachgereicht.

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