Was für Sofort-Maßnahmen gibt es bei einer Erschöpfungsdepression/Burnout?

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7 Antworten

Depressionen sind nicht dasselbe wie "Burnout".

Burnout ist keine Krankheit, sondern genau genommen ein Syndrom. Ein "Nicht-Klarkommen" mit dem Stress, Leistungsdruck, den Anforderungen, welche Dir das Leben stellt.

So gesehen ist das Erscheinungsbild der Symptome im fortgeschrittenden Stadium (Erschöpfung, Verzweifelung, Mut- und Teilnahmelosigkeit usw) die Antwort Deines Körpers / Deiner Seele auf Überforderung, Überbelastung, Stress usw.

Klingt jetzt gemein, ist aber Tatsache:
Deine Einstellung zu Deinen Problemen / Belastungen spielt hierbei eine große Rolle ( merke: wir sprechen hier NICHT von Depressionen! ).

Die heutige Zeit verlangt den Menschen viel ab. Alles geht schneller, bisherige Werte rutschen in den Hintergrund, Zeit ist kostbar, vieles scheint unpersönlich und oberflächlich, auch der Arzt muss effizienter und schneller seine Patienten bedienen, man erhält den Eindruck einer Abfertigung statt des mal dagewesenen Interesses am Wohlbefinden.

Alles nicht schön, aber leider Fakt.
Was DU ändern kannst, ist oftmals nicht die Anzahl der Aufgaben oder die terminliche Vorgabe usw, wohl aber Deine Einstellung zu all dem.

LEAVE IT  -  LOVE IT  -  CHANGE IT
Was heißt das?

"love it" - ist ganz einfach, wenn Du Spaß + Freude an etwas hast, super. Diese Dinge so lassen wie sie sind, auskosten, genießen. Passt so.
"love it" ist gut für Dich, es bringt Dich weiter und ist gerne gesehen im Alltag, leider nicht sehr oft. Finde heraus, was Du wirklich gerne tust. Schaffe Dir Raum für diese wichtigen Dinge, die Du liebst. Sind es Dinge, die der Alltag Dir beschert - umso besser, erfreue Dich daran, "love it".

"change it" - Dinge, die Du nicht magst, nicht akzeptierst, nicht so hinnehmen kannst und willst, die Dich "kaputt" machen, zermürben und aufreiben ABER in irgendeiner Form geändert werden können, fallen unter "change it".
Weil diese Begriffe absolut individuell auf den jeweiligen Menschen zutreffen, gibt es hier kein konkretes Beispiel dazu. Es können Termin sein, die man verschiebt, eine Gewohnheit, die man ablegt, ein NEIN, das man jemandem gibt, eine geänderte zeitliche Abfolge von Aufgaben, der Tritt in den Hintern von Leuten, die man nicht länger um sich haben möchte, eine Fortbildung, Diät, neue Tapeten - alles, was einer Änderung bedarf, die letztendlich auch durchführbar ist: change it!

"leave it" - der schwierigste Part, denn das muss man lernen. "leave it" heißt soviel wie hinnehmen, akzeptieren, aha sagen, zu Dingen die einfach so sind, wie sie sind. Nicht schön, aber nicht zu ändern.
"leave it" heißt nicht in Gleichgültigkeit abzudriften und alle möglichen Dinge, die an Dich herangetragen werden, mit einem Schulterzucken abprallen zu lassen. Es geht nur um die Akzeptanz einiger unbequemer, lästiger Dinge im Leben, die einfach da sind und bewältigt werden müssen. Ohne Murren, ohne Gequengel, einfach sagen, ja das ist echt blöd, aber es hilft nichts. Sollten natürlich nicht zu viele Dinge sein. Einige gehören sicherlich in die Kategorie "change it" und können nach einer "Behandlung" das Feld "leave it" räumen.

Also: versuche mal alle so täglich auf Dich einprasselnden Dinge und Situationen in diese 3 Kategorien einzuordnen.
Koch Dir einen Becher Tee / Kaffee und überlege Dir, welche Dinge Du gerne von wo nach wo verschieben würdest, und wie sich das bewerkstelligen lässt.

Hast Du alles geordnet und arbeitest konsequent an den "change it" und "leave it" Dingen, so kann Dir nach einiger Zeit ein Burnout nichts mehr anhaben. Denn dann hast Du zwar noch das gleiche Leben, aber eine andere Einstellung zu vielen Dingen und weißt diese zu händeln.

Nur Mut, gib Gas, Du schaffst es.

Grüße, ------>

SquareMatrice 03.02.2016, 21:26

Die Antwort kommt zwar spät aber vielen Dank für deine Anregungen - hört sich auf jeden Fall nützlich an!

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PoisonArrow 04.02.2016, 12:21
@SquareMatrice

Hallo + danke für die Antwort sowie für die positive Bewertung!

Ich habe Dir das alles nicht deshalb geschrieben, weil ich glaube oder hoffe, dass es funktioniert, sondern weil es tatsächlich so ist.

Man schluckt viel zu viel herunter und lässt unzählige Dinge auf sich einprasseln, ohne das man sich auch nur einen Moment fragt, will ich das wirklich? ist das gut für mich? usw.

Gerne von mir zitiert:

Das Glück ist ein WIE, kein WAS,
ein Talent, kein Objekt

Hermann Hesse

Wie gesagt, wer das Talent "leave it - love it - change it" beherrscht, dem ist das Glück ein ganzes Stück näher gekommen.

Versuche es und Du wirst es nicht bereuen! Ein paar Leute werden es ganz sicher bemerken, dass Du Dich veränderst und einige werden damit zunächst schlecht klarkommen. Aber DAS sind dann genau diejenigen, die es verstanden haben, Dich auszunutzen und sich jetzt ein neues Opfer suchen müssen.

Alles Gute und viel Erfolg!

Liebe Grüße, ------>

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@ SquareMatrice

Sicher wird dieses Phänomen heute noch belächelt und heute hat es halt einen neuen Namen: Burn Out oder Ausgebrannt.

Früher sagte man Vegetative Dystonie dazu, das sich genauso auswirkt.

Das spielt aber letztendlich keine Rolle, ob viele das belächeln oder nicht. Der Patient leidet, wenn der Körper nicht mehr so funktioniert, wie er sollte und wie früher.

Stress und viele andere Dinge belasten und das jahrelang bis gar nichts mehr geht und das bedeutet aber für den Kranken auch, dass hier gar nicht SCHNELL geht.

Was ich dir empfehlen könnte, wäre eine Reha in einer Psychosomatischen Klinik. Dort sind viele Menschen denen es genauso geht und dort wirst du lernen, mit deinem Burn Out umzugehen. Stressfaktoren zu mindern und so gut als möglich zu vermeiden.

Schau dir mal viele Sportler an, die das auch hatten und heute noch haben, wie lange die gebrauht haben, um wieder auf die Beine zu kommen.

Wie viele Jahre hat es denn bei dir gedauert, bis du den Zustand heute erreicht hast? Dann wirst du leider etwas mehr Geduld mitbringen müssen und nicht gleich von deinem Körper verlange und erwwarten, dass du in drei Wochen wieder so weitermachen kannst, wie vorher.

Muss bei dir aber auch nicht so sein und du kannst jetzt schon viel selber dazu beitragen, dass es dir besser geht.

Was dir schadet, das hast du kennengelernt, dann mache das, was dir guttut und deshalb meine Empfehlung an dich: eine Reha, rede mit einem Doc darüber.

Du musst erstmal abschalten. Lernen Ruhe ohne zielgerichtete Tätigkeit zuzulassen und zu genießen!

Es MUSS gar nichts geschehen, das ist das Problem bei Burnout oder die Ursache. Es muss für den Betroffenen scheinbar immer etwas geschehen, damit dieses oder jenes passiert oder eben nicht passiert. Davon musst du los kommen.

Geh spazieren oder fahre Fahrrad, aber nicht um etwas zu erledigen (Post, Einkaufen, Besuch, etc) sondern einfach so und irgendwann kommst du zurück. Mehr ist nicht passiert und das ist gut so.

Bei uns hatten mehrere Kollegen Bornout und keiner hat es in weniger als einem Jahr geschafft, wieder in den Job zu kommen ohne sofort wieder "am Rad zu drehen". Einer meinte es nach sechs Monaten erledigt zu haben und kam wieder. Nur für kurze Zeit und dann hat es richtig lange gedauert.

Hat dein Therapeut nicht mit dir darüber (siehe oben) gesprochen, oder kannst du es nicht glauben?

SquareMatrice 03.02.2016, 21:30

Hallo, ich musste erstmal eine Weile darüber nachdenken. So ganz sicher ist die Diagnose eh nicht, da noch viele andere Symptome in der Vergangenheit aufgetreten sind. Jedenfalls werden mir nun etwas ältere Medikamente verordnet, mal sehen was dabei heraus kommt.

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Ich habe leider keine Antwort für dich, sondern schreibe, weil es mich einfach interessiert. 

Wenn du Burnout diagnostiziert bekommen hast, ist das nicht auch mit einer Therapie verbunden? Wäre jetzt für mich mal die logische Schlussfolgerung, da Burnout ja schon eine Krankheit ist, die man behandeln muss, auch wenn das medikamentös kaum möglich ist.

Ich glaube, am wichtigsten ist es wohl, sich erst mal selber den Druck rauszunehmen und wie das am besten funktioniert, weiß wohl nur ein Therapeut. 

SquareMatrice 03.02.2016, 21:31

Hi, ja da hast du Recht. Ich habe nächste Woche einen Termin in einer BurnOut-Praxis :) Und danke!

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du schreibst von einer Erschöpfungsdepression u. dann sollen Psychopharmaka nichts bringen?

Antidepressiva sind für mich Psychopharmaka, oder liege ich da so falsch?

Im Zusammenhang mit Burnout wußte ich bis jetzt nur, daß auch damit behandelt wurde?

Wer hat die Diagnose gestellt?

Der muß auch wissen, wie du behandelt wirst!

SquareMatrice 27.01.2016, 10:03

Dee Hausarzt hat das festgestellt aber einen Psychiater habe ich auch. Habe schon viele Antidepressiva ausprobiert, auch über mehrere Monate- leider waren sie wirkungslos.

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Wonnepoppen 27.01.2016, 10:05
@SquareMatrice

Ok!

Die Tabletten hat dir der Psychiater verschrieben?

Wie behandelt er dich sonst noch?

Bringt das auch nichts?

Ich belächle übrigens die Krankheit keinesfalls!

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Wonnepoppen 27.01.2016, 10:10
@Wonnepoppen

Sah gerade hier im Internet, daß es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt!

allerdings war keine dabei, die schnell geht u. das kann ich mir auch nicht vorstellen, das braucht seine Zeit!

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SquareMatrice 03.02.2016, 21:34
@Wonnepoppen

Sorry, ich musste eine Weile Abstand von dem Thema nehmen.
Naja, ich musste leider 300km fahren (zu meinem ehemaligen Arzt), da nur er weiter wusste. Ja, er hat sämtliche AD's verschrieben. Nun probieren wir es mit MAO-Hemmern.

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Zu dem Thema kannst Du auch mal hier in meine Antwort schauen.

https://www.gutefrage.net/frage/habe-ich-ein-bourn-out?foundIn=list-answers-by-user#answer-190082110

Ausserdem findest Du im Kommentar 50 Tipps zum Entspannen - darunter Sofortmaßnahmen sowie Entspannungsübungen und Entspannungstechniken.

Du hast eine Diagnose. Hat dein behandelnder Arzt keine Therapie empfohlen? Nur er kann dir helfen, nicht aber Laien im Internet. Warum besprichst du die Therapie nicht mit dem Arzt? Gute Besserung.

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