Was finden die Türken in Deutschland so schön, das Sie ihr eigenes Land verlassen und nach Deutschland kommen?

20 Antworten

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Daß türkische Bürger im großen Stil in die Bundesrepublik eingewandert sind, ist schon eine ganze Weile her. Sie kommen ja nicht erst, sie sind schon lange da.

Ursache war damals: Nachdem unter Atatürk (1871-1938) nicht nur der Staat massiv umgeformt sondern auch das Gesundheitswesen modernisiert wurde und die Kindersterblichkeit deutlich sank, bekam die Türkei ein erhebliches Überbevölkerungsproblem. Mit der folgenden Landflucht einher ging eine massive Arbeitslosigkeit und Verelendung. Die Türkei stand in den 1950ern vor dem Staatsbankrott.

Zu dieser Zeit suchte und fand die USA in der Türkei einen militärisch starken Partner an der Südflanke der Sowjetunion (1952 Nato-Beitritt). Man stationierte dort atomare Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter. (Als Reaktion darauf brachten die Sowjets Atomraketen nach Kuba, was 1961 die Kubakrise zur Folge hatte.)

Die Türkei forderte in ihrer präkeren Lage eine Gegenleistung für ihre militärischen Dienste: Teilhabe am deutschen Wirtschaftsboom. So übten USA und Türkei Druck auf die bundesdeutsche Politik aus und forderten, daß auch mit der Türkei ein Anwerbeabkommen unterzeichnet wird, so wie es 1955 bis 1960 bereits mit Italien, Spanien und Griechenland geschehen war.

Teile der bundesdeutschen Politik hatten zwar erhebliche Bedenken, Gastarbeiter nun aus einem völlig anderen Kulturkreis nach Deutschland kommen zu lassen und sahen die kommenden Probleme voraus. Man hätte durchaus auch weitere Gastarbeiter aus dem europäisch-christlichen Kulturkreis in die Bundesrepublik holen können. Deren Integrierung funktionierte durchaus. Man beugte sich aber dem Druck von USA und Türkei. Das Anwerbeabkommen kam 1961 zustande.

Die deutsche Seite hatte gehofft daß die Zuwanderung wenigstens aus der höher entwickelten Westtürkei erfolgen würde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Ein Großteil der Zuwanderer waren Analphabeten aus Anatolien.

1961 war die Bundesrepublik schon lange wieder aufgebaut. Das deutsche Wirtschaftswunder hatte seinen Zenith überschritten. Die türkischen Gastarbeiter halfen ihren daheimgebliebenen Familien, indem sie regelmäßig harte D-Mark nach Hause schickten.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/gastarbeiter-die-kunst-des-missverstehens-11502703.html

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Einer von unzähligen Gegenbeweisen:

http://www.abendblatt.de/archiv/1961/article200564423/Frauenarbeit-als-Reserve.html

Sowas ist leicht zu googlen: "arbeitsmarkt 1961" ergibt eine Fülle von Ergebnissen, wie händeringend in Deutschland 1961 Arbeitskräfte gesucht wurden. Es gibt auch einen raschen Überblick über Produktionsausfälle durch Arbeitskräftemangel und viele weitere Zusammenhänge zum Arbeitskräfte-Import.

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@Verflixtomat

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Daß es auch einen Bedarf an Arbeitskräften gegeben hat, bestreitet niemand. Das ist aber kein "Gegenbeweis".

Diese Arbeitskräfte hätte man weiterhin viel einfacher aus Europa holen können, anstatt aus Asien und damit aus Ländern völlig anderer kultureller Prägung.

Zitat:

"Außenpolitisch bedeutsam war die Rolle der Türkei als NATO-Mitglied an der Südostflanke zur damaligen Sowjetunion und als wichtiger Handelspartner Deutschlands. Insbesondere erhoffte sich die Türkei einen Rückgang der hohen türkischen Arbeitslosenzahlen, die durch ein dauerhaft über dem Wirtschaftswachstum liegendes Bevölkerungswachstum verursacht waren: „Die Türkei hatte ein erhebliches Interesse daran, einen Teil der rasch anwachsenden Bevölkerung befristet als Gastarbeiter ins Ausland zu schicken“. Durch die Geldüberweisungen der Gastarbeiter in die Türkei sollte das Handelsbilanzdefizit der Türkei im Handel mit Deutschland durch Überschüsse in der Übertragungsbilanz kompensiert werden, um die türkische Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland gegenüber auszugleichen. Im Interesse Deutschlands und der NATO lagen aber ebenso die wirtschaftliche und politische Stabilität der Türkei.
[...]
Zunächst reagierte die Bundesregierung jedoch zurückhaltend auf das Angebot. Arbeitsminister Theodor Blank lehnte ein Abkommen ab, da er aufgrund der religiös-kulturellen Distanz zwischen türkischen Gastarbeiten und Einheimischen Konflikte befürchtete. Anton Sabel, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung, erklärte im September 1960 gegenüber dem Arbeitsministerium, arbeitsmarktpolitisch sei momentan keine Vereinbarung mit der Türkei notwendig. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade erst die Abkommen mit Spanien und Griechenland abgeschlossen worden (März 1960). Im August 1961 unterbrach schließlich der Mauerbau den bis dahin noch anhaltenden Zustrom von Arbeitskräften aus dem Osten. Zwei Monate später gab die Bundesregierung dem Drängen der türkischen Regierung nach, da diese eine Absage ansonsten „als eine Diskriminierung betrachten müsse“. In den ersten Jahren nach dem Abkommen spielten die türkischen Gastarbeiter in der Gesamtzuwanderung eine eher marginale Rolle."

"https://de.wikipedia.org/wiki/Anwerbeabkommen_zwischen_der_Bundesrepublik_Deutschland_und_der_T%C3%BCrkei

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Ich denke mal die vielen Möglichkeiten hier. Vor allem das Schulsystem und die beruflichen Aspekte. Also jetzt allgemein auf alle Einwanderer bezogen. :-/

War selbst leider noch nicht in der Türkei, kann also zum Land an sich nichts sagen.

Also die Einwanderung aus der Türkei hält sich in Grenzen. Die letzte große Einwanderungswelle war in den 60/70ern des letzten Jahrhunderts als Deutschland auf Gastarbeiter angewiesen war. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Deutschland hatte schon immer(traditionell) gute partnerschaftliche Verhältnisse zu dem osmanischen Reich(heutige Türkei) und so sind es vor allem dann Türken gewesen die einwanderten.Teils leben sie somit in der dritten Generation in Deutschland.

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Um genau zu sein,bekommen Türken schon lange keine Visa mehr. Die Zuwanderung aus der Türkei liegt nahe bei Null.

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