Was denkt ihr/ Wie schlimm?

10 Antworten

Hallo Alexmay,

Ich nehme mal an ihr seid beide Teenager? In diesem Alter ist es jedem unangenehm zu viel väterliche Nähe zu haben, da man sich seiner Sexualität bewusst wird. Eine Grenze wird dabei genau dann überschritten, wenn es sich für die Person so anfühlt. Wo diese Grenze liegt kann individuell verschieden sein und hängt oft davon ab wie offen im Kindesalter mit Körper und Nacktheit umgegangen wurde. An diese neuen grenzen müssen sich jedoch auch Väter gewöhnen und manchmal ist es schwer für sie diese zu erkennen. Darauf sollte deine Freundin ihn z.B. mal hinweisen. Vielleicht ist es ihm garnicht bewusst wie sehr es sie stört. Mein Vater fühlte sich z.B. sehr vor den Kopf gestoßen als ich ihn das erste mal beim Umziehn aus dem Zimmer geworfen hab und für die Forderung von Schlüsseln in den Badezimmern hab ich erstmal Spott geernet. Das fand ich natürlich garnicht lustig. Heute kann ich wieder drüber lachen.

Als Kind mit Papa zu baden ist solange das Kind sich nicht unwohl fühlt völlig in Ordnung. Sobald man es nicht mehr will sollte es aber auch aufhören. Eine Altersgrenze ab der soetwas "unnormal" wird gibt es aber nicht.

Nachfolgend ein Ausschnitt aus dem Atikel "Gesellschaft in den Leib geschrieben - Körper und Sexualität in der Adoleszenz junger Frauen". Er hilft euch vielleicht einzuschätzen was "normal" ist. Denn dass es zu Problemen und Unsicherheiten von Vater und Tochter in diesem Alter kommt ist normal. Wenn man etwas nicht will muss man dies sagen. Das gilt für den Umgang mit Vätern genauso wie für potentielle Freunde.


(...) Die Familie, die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und Vater - oder Stiefvater - und Tochter, ist eines der zentralen Felder adoleszenter Auseinandersetzungen. Die adoleszenten Wandlungsprozesse lösen nicht nur bei den jungen Frauen Verunsicherungen und Erschütterungen bisheriger psychischer Balancen aus, sie sind ebenso für Erwachsene mit Irritationen, Verwirrungen und Konflikten verbunden, die ihr Verhalten auch jenseits bewusster Vorstellungen und Intentionen prägen.

Von Müttern und von Vätern werden jeweils unterschiedliche durch die Adoleszenz der Tochter aktualisierte Problembereiche als besonders verwirrend und bedrohlich erlebt. Für Väter steht mit der Adoleszenz der Tochter eine Verunsicherung durch auf die Tochter bezogene sexuelle Wünsche, Fantasien und Erregungen im Vordergrund. Ein für Mütter besonders verunsichernder Problembereich bezieht sich auf die mit der Adoleszenz der Tochter besonders deutlich werdende Generationendifferenz.

In allen Interviews mit Vätern wird deutlich, dass die mit der Pubertät verbundenen körperlichen Veränderungen der Tochter für sie mit starker Verwirrung und Verunsicherung verbunden sind. Die in der Kindheit der Tochter als Ausdruck wechselseitiger Zärtlichkeit erlebten körperlichen Kontakte, zum Beispiel Umarmungen, erhalten eine neue Qualität. Der weibliche Körper der Tochter wird spürbar, Veränderungen werden sichtbar und können mit als bedrohlich erlebten erotischen Wünschen und Fantasien verbunden sein. In die Nähe zur Tochter kommt eine sexuelle Dimension, die - da genitale Kontakte auf einer Erwachsenenebene real möglich werden - zugleich erregender und bedrohlicher ist als in früheren Phasen der Vater-Tochter-Beziehung. Auch von Seiten der jungen Frauen kommen sexuelle Wünsche und Fantasien auf eine neue Weise in die Beziehung zum Vater.

Die konkreten Beziehungsgestaltungen zwischen Vätern und ihren adoleszenten Töchtern hängen in starkem Maße davon ab, inwieweit Väter sich ihre gesellschaftlich stark tabuisierten Gefühle gegenüber der Tochter zugestehen und sie innerpsychisch in deutlicher Abgrenzung von der Tochter bearbeiten können, insbesondere durch eine erneute Etablierung der Generationengrenzen zur Tochter und die Orientierung auf die Beziehung zu einer erwachsenen Partnerin, in der auch das Begehren Raum hat. Da auch die Beziehungen unter den Erwachsenen mit der Adoleszenz der Tochter oft in eine Phase der Turbulenz geraten, ist eine Stabilisierung durch eine befriedigende Paarbeziehung für viele nicht leicht. Gelingt es Vätern, der Tochter zu signalisieren, dass der Ort für Sexualität die Paarbeziehung der Erwachsenen ist, zur Tochter aber eine liebevoll vertraute Beziehung auf der Basis einer prinzipiellen Abgegrenztheit bestehen bleibt, so sind auch für die jungen Frauen Impulse gegeben für eine Lösung ihres Begehrens aus der Beziehung zum Vater und den Bezug auf außerfamiliale Liebesbeziehungen.

Wenn die bei Vätern durch die zur Frau werdende Tochter ausgelösten Gefühle nicht in entlastenden Erwachsenenbeziehungen aufgefangen werden können, kann es dazu führen, die eigenen als bedrohlich erlebten Fantasien in Person der Tochter zu bekämpfen und abzuwehren.

... Eine in den Interviews mit Vätern nicht seltene Form des Umgehens mit den zugleich als verführerisch und bedrohlich erlebten körperlichen Veränderungen der Tochter besteht darin, sie ironisch zu kommentieren - eine Haltung, die als „lustiger", „spaßiger" Umgang mit der Pubertät der Tochter beschrieben und als Bestandteil einer „lockeren" Familienkommunikation gesehen wird. Die von Vätern selbst geschilderten Kommentierungen beziehen sich dabei direkt auf den Körper der Tochter und häufig auf die Brüste.

In der Beziehung zur Tochter werden damit die Beschämung, die Unsicherheit und Hilflosigkeit, die Väter angesichts ihrer sexuellen Fantasien und Empfindungen verspüren, in eine Position der Überlegenheit gegenüber der Tochter gewendet und die zugrunde liegenden Gefühle ihr zugewiesen. Die Tochter ist es jetzt, die sich schämt - für ihren Körper -, die unsicher ist und sich hilflos - den ironischen Kommentierungen gegenüber - fühlt, nicht mehr der angesichts der herangewachsenen Tochter verwirrte, hilflose und möglicherweise sexuell erregte Mann und Vater. In solchen Verhaltensmustern von Vätern kann eine mögliche gesellschaftlich nahe gelegte Strategie gesehen werden, um mit den durch die Pubertät der Tochter ausgelösten Verunsicherungen umzugehen: die Strategie, den weiblichen Körper zum Objekt zu machen, zum Objekt der eigenen sexualisierenden Blicke und der entwertenden Kommentare. Auf die Tochter bezogene erotische Fantasien finden sich darin ebenso wie das Bemühen, sie durch Herabsetzung des weiblichen Körpers zu bannen. Solche Strategien entsprechen einer Fassette gesellschaftlicher Weiblichkeitsbilder, in denen das Bedrohliche aktiver weiblicher Sexualität beherrschbar zu machen versucht wird durch eine „entwertende [...] Enttabuisierung des weiblichen Körpers" (Brückner 1999, S. 59).

Eine andere Fassette kollektiver Fantasien über weibliche Sexualität bezieht sich auf das Bild der Frau als Verführerin und des Mannes als Opfer (Rohde-Dachser 1991, S. 108ff.; Brückner 1999). Auch in den Schilderungen von Vätern finden sich Elemente dieser Fantasie. So wenn ein Vater, der sich mit der ersten Regelblutung der Tochter abrupt von ihr distanzierte, seine Distanzierung mit den Worten beschreibt, er habe die Tochter „zurückgewiesen" und sich „ostentativ umgedreht". In diesen Formulierungen ist ein latenter Schuldvorwurf enthalten: Unterstellt wird, dass die Tochter Angebote gemacht hat, die „zurückgewiesen" werden mussten und sie etwas Anstößiges gezeigt hat, von dem er, der Vater, sich „ostentativ" abwenden musste. Die Tochter wird in solchen Mustern zur Verführerin des Vaters, der Vater zum Opfer ohne ein eigenes aktives Begehren, das sich vor der Tochter in Sicherheit bringen muss. Unsichtbar gemacht werden damit die erotischen Wünsche und Fantasien des Vaters.

Nicht alle Väter von Töchtern in der Adoleszenz verhalten sich in der beschriebenen Weise, jenseits individueller Verhaltensmöglichkeiten gibt es jedoch für Väter die in den Strukturen des Geschlechterverhältnisses angelegte Verführung, ihre Hilflosigkeit und Unsicherheit angesichts der zur Frau werdenden Tochter in eine Situation von Überlegenheit zu wenden, die anknüpfen kann an gesellschaftliche Bilder weiblicher Körperlichkeit und Sexualität und auf Kosten der Wertschätzung der Weiblichkeit der Tochter geschieht. Auf Seiten der jungen Frauen kann dadurch nicht nur der Stolz auf den Körper, sondern auch das Begehren, die Möglichkeit eines aktiven erotischen Wünschens und Wollens gebremst werden: Die Scham des Vaters für seine Gefühle ist dann zur Scham der Tochter für ihren Körper und die auch auf den Vater gerichteten Wünsche und Fantasien geworden.

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Ich hoffe der ausschnitt bringt etwas Licht ins Dunkel. Die Pubertät ist eine Große Zeit der Unsicherheit. So manche eigentlich kindlich unschuldigen Ereignisse werden da gerne aus der erinnerung gestrichen weil sie Scham auslösen. Sei es das Baden mit Papa oder das Doktorspiel mit Kindergarten. Es ist auch wichtig in diesem Alter zu lernen anderen grenzen zu setzen. wenn diese Grenzen (wissentlich) überschritten werden ist es natürlich Zeit weitere Maßnahmen zu ergreifen.

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@susicute

Ja genau deswegen frag ich ja! Ein paar kommentieren jetzt: 'Zeig den an!' oder 'Das ist keine sexuelle Belästigung das ist sexueller Missbrauch von Kindern.' und andere sagen 'Das ist normal sag dem halt er solls lassen'. Genau das macht es ja so schwer zu urteilen! Mir ist klar, dass sowas nicht gerade der Weltuntergang ist und man in jedem Fall nicht zu heftig reagien sollte... Trotzdem denke ich es ist etwas anderes nach einem Schlüssel zu fragen als wenn man aufgefordert wird sich den Vater nackt anzugucken oder? Denkst du wir interpretieren da vielleicht zuviel rein?? Auf jeden Fall schonmal danke für die Antwort!

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@alexmay

Ja, eben es ist ein Unterschied nach dem Schlüssel zu fragen oder ob man gezwungen wird, sich den Vater nackt anzuschauen. Ich finde es aber schon komisch, wenn euch das so beschäftigt, dann zeigt dies doch schon, dass irgendetwas nicht stimmt, oder? Ich erörtere mit meiner Freundin nicht stundenlang die "Umarmung" meines Vaters. Verstehst du? Anscheinend fühlt es sich komisch an. Sie soll ihrem Vater, wenn möglich, ganz klar die Grenzen setzen...

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@hayi5052

Es dürfte wenig überraschend sein, dass der Forderung nach einem Schlüssel die väterliche Präsenz im Bad vorausging ;)

@hayi: "gezwungen" werden und dem Vater in seinem eigenen Haus nackt begegnen sind zwei unterschiedliche Sachen. Aber wie aus meinem recht ausführlichen Beitrag hervor ging verschieben sich die Grenzen körperlicher Nähe und das eigene Schamgefühl umso ätlter eine Tochter wird.

Dies sollte natürlich von Vätern akzeptiert werden. Aber solange er im Dunkeln tappt kann man ihm dies schlecht zum Vorwurf machen. Menschen sind nunmal sehr unterschiedlich gut darin sich in andere (auch eigene Kinder) hineinversetzen zu können.

@alexmay: Deine Freundin sollte unbedingt mit dem Vater (und Mutter) sprechen. ich denke sie wird da eventuell vermitteln können. Väter fühlen sich schnell ausgeschlossen, wenn sich die Tochter (aus seiner Sicht plötzlich) vom Mädchen zur Frau entwickelt. Wenn dies keine Wirkung zeigt und der Vater nicht aufhört sie aus ihrer Sicht unangemessen anzufassen, dann solltet ihr euch weitere Hilfe holen. Wenn ihr auf völliges unverständnis von Mutter und Vater stoßt wird eine Familienberatung da gut vermitteln können oder auch bei weiteren Schritten beraten können.

Zu reden sollte aber der erste Weg sein. Sofort zur Polizei zu gehn kann sehr weitreichende Folgen haben und das Verhältnis für immer zerstören. Sollte es so weit kommen wird euch die Familienberatung auch dabei unterstützen.

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@hayi5052

Ja natürlich! Das meine ich ja... ich halte es ja für nicht normal und weiß, dass es sie defvnitif belastet und ihr Angst macht. Bevor ich aber irgendwas wie ein Gespräch vorschlagen wollte, wollte ich einschätzen können wie schlimm sowas ist. Danke :)

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Liebe Fragestellerin! Leider schreibst Du nicht, in welchem Zusammenhang Deine Freundin Dir das erzählt hat! Hat sie vielleicht einen Zeitungsartikel gelesen und findet sich darin ein Stück wieder - nachdem sie diesen Dingen bisher gar keine Bedeutung zugemessen hatte?! Nichts davpn allein für sich genommen ist Belästigung oder gar !" Missbrauch" Oder hat sie ihn tatsächlich gebeten irgendetwas bleiben zu lassen - und er macht trotzdem weiter? Auch schreibst Du nicht, was ihre Mutter dazu sagt! Das Gleitgel braucht die Mutter wohl, weil wegen der Wechseljahre ihre Scheide nicht mehr genug feucht wird! Und weil sie die Pille nicht mehr nehmen will oder nicht mehr gut verträgt, nimmt der Mann Kondome! Generell finde ich offenen Umgang jedenfalls besser, als wenn sich Jugendliche vor ihren Eltern grundlos schämen! Siehe die vielen Mädchen, die sich nicht trauen, ihrer Mutter zu sagen, dass sie ihre Periode bekommen haben - und lieber die Binden vom Taschengeld zahlen! Liebe Fragestellerin! Du sollst immer für Deine Freunde da sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen! Du darfst aber niemals selbstständig oder eigenmächtig eingreifen! Alles Gute!

Ich habe mal alle Antworten durchgelesen und ich bin der Meinung, dass Deine Freundin mit Sicherheit von ihrem Vater körperlich belästigt wird...und ich finde, Du solltest Dich an *****HAYI 5052***** halten....ihre Aussage fand ich treffend, klar und ich finde, sie hat Dir sehr gute Ratschläge gegeben, wie und wo Du Hilfe bekommen kannst. Halte Dich an ihre Aussagen und blende alle anderen Antworten aus. Kommentare wie: " geh zur Polizei oder Du übertreibst " ignoriere bitte. Wichtig ist Dein Gefühl und das Gefühl Deiner Freundin. Ich finde es ganz arg toll, dass Du Deiner Freundin zur Seite stehst und Dich so sehr für sie engagierst. Ich bin mir sicher, ihr werdet gemeinsam einen Weg finden, um die angespannte und echt furchtbare Situation für Deine Freundin zu verbessern...Ich wünsche Euch viel Kraft und Mut!

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