was bezeichnet man als 2 schwerter lehre im mittelalter?

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Zweigewaltenlehre / Zwei-Schwerter-Lehre

In der Zweigewaltenlehre unterschied Papst Gelasius I. (492-496) zwischen einer weltlichen und einer geistlichen Gewalt, die in gegenseitiger Wechselwirkung die Geschicke der christlichen Welt lenken. Dabei gab Gelasius dem Priestertum, welches vor dem Gericht Gottes auch für die weltlichen Herrscher Rechenschaft ablegte, Vorrang vor dem Königtum, das die höchste Würde unter den Menschen inne hatte. Im Investiturstreit berief sich Gregor VII. auf die Zweigewaltenlehre, von der er das geistliche Primat über die weltliche Herrschaft ableitete, während auf kaiserlicher Seite mit Hilfe derselben die eigene Autonomie vom Papsttum begründet wurde.

Heinrich IV. unterstrich die Gleichberechtigung beider Gewalten, indem er sich auf das Lukasevangelium (Lk 22,28) stützte, das von den zwei von Gott an die Menschen gegebenen Schwertern spricht. Diese Zwei-Schwerter-Lehre, nach der die Superiorität der Kirche ungültig war, wurde jedoch auch von päpstlicher Seite für die eigenen Argumente verwendet. Gemäß der päpstlichen Bibelexegese hatte der römische Bischof beide Schwerter inne und verlieh das gladius materialis an den Herrscher, der damit dem Papst untergeordnet war. Die Zwei-Schwerter-Lehre diente noch bis ins 14. Jahrhundert als Argument in der Frage nach dem Verhältnis zwischen sacerdotium und regnum.

Literatur: - Werner Goez, Artikel: Zwei-Schwerter-Lehre, in: Lexikon des Mittelalters, Band 9, München 1999, Sp. 725-726. - Eberhard Jüngel, Zwei Schwerter, zwei Reiche. Die Trennung der Mächte in der Reformation, in: Josef Meyer zu Schlochtern (Hg.), Geistliche und weltliche Macht. Das Paderborner Treffen 799, Paderborn 2000, S. 146-166. - Rudolf Schieffer, Artikel: Zweigewaltenlehre, in: Lexikon des Mittelalters, Band 9, München 1999, Sp. 720.

Quellen: - Lukas-Evangelium 22, 35-38 - Gelasius I. über die zwei Gewalten

Die Zwei-Schwerter-Theorie beschrieb etwa 600 Jahre lang das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. In Abbildungen aus dieser Zeit wurde sie häufig dargestellt, wie die Abbildungen im Sachsenspiegel zeigen. Über das Rangverhältnis der zwei Schwerter untereinander sagte sie zunächst nichts aus. Nach der Jahrtausendwende wurde sie aber argumentativ derart ausgebaut, dass den Päpsten im jüngsten Gericht die geistliche Verantwortung für die weltlichen Taten der Könige zukomme und daher die Päpste die Verleihung des weltlichen Schwertes auch wieder rückgängig machen könnten. So wandelten christliche Theologen (z. B. Bernhard von Clairvaux) die Zwei-Schwerter-Theorie dergestalt ab, dass Jesus Christus beide Schwerter dem Papst anvertraut, dieser aber das weltliche Schwert an die jeweiligen Fürsten weiterzugeben habe, was schließlich im Dictatus Papae 1075 manifestiert wurde. Quelle Wikipedia

Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich mit Google bzw. Wikipedia auskennen ;)

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