Was bewirken Bachblüten? Was wird vermutet und was ist nachgewiesen?

9 Antworten

Hallo 1000Rätsel,

Bachblüten sind Placebos, also Scheinmedikamente ganz ohne gezielte Wirksamkeit. Und ja, das ist nachgewiesen.

Aber gerne etwas ausführlicher:

Erst mal: Was sind eigentlich "Bachblüten"?

"Bachblüten" klingen nach einer wunderbar sanften Naturmedizin, wir sehen ein munteres Bächlein mit Heilpflanzen vor uns. Damit haben Bachblüten jedoch nichts zu tun.

Der Name stammt von ihrem Erfinder, einem Dr. Bach.

Der hat nach recht esoterischen Methoden ein paar Pflanzen ausgewählt, nicht selten nach ihrem Namen. So soll die Zitterpappel bei der Angst vor dem Unbekannten helfen. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Die Bachblüten zählen nicht zur Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), denn verwendet wurden keineswegs Pflanzen mit bekannter Heilwirkung (Heilpflanzen); die Pflanzen wurden von Bach nicht nach ihrer bekannten Heilwirkung ausgewählt, sondern allein aufgrund seiner persönlichen, esoterisch geprägten Naturdeutung. Das Verfahren zählt allein deshalb eigentlich nicht zur Naturheilkunde, denn es beruht eben NICHT auf natürlichen Eigenschaften der Pflanzen, sondern auf solchen, die in sie hineininterpretiert wurden, z.B. wegen ihres Namens oder ihres Aussehens.

Hergestellt werden die Blüten, indem man sie in Wasser einlegt und ein paar Stunden der Sonne aussetzt. Manchmal werden auch auch Äste und Blätter gekocht. Der so hergestellte Sud soll eine nicht näher quantifizierbare “Blütenenergie“? enthalten. Worin diese "Energie" bestehen soll, darüber schweigt sich das Verfahren bis heute, etwa 80 Jahre nach seiner Entstehung, aus. Das Ganze wird zuletzt noch deutlich verdünnt, meist im Verhältnis 1:240.

Allein wegen dieser Verdünnung ist der Name "Blütenessenzen", unter dem sie oft verkauft werden, irreführend: Eine Essenz ist eigentlich ein Konzentrat... keine Verdünnung.

Dieser Hintergrund zeigt: Eine wissenschaftliche Begründung, warum das Verfahren funktionieren sollte, gibt es nicht nur nicht, es ist vom wissenschaftlichen Blickwinkel aus gesehen schon mal höchst unplausibel.

Haben Bachblüten die Wirksamkeit, die die vielen bunten Ratgeberbüchlein versprechen?

Es gibt relativ wenige gute Studien, mit denen die Wirksamkeit der Bachblütentherapie untersucht wurde. Die esoterischen Essenzen schnitten aber in den vorliegenden Untersuchungen nicht besser als Placebos (Scheinmedikamente) ab.

Eine sehr umfangreiche Untersuchung zum Themenkomplex ADHS und Prüfungsängste ist hier beschrieben:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/08/12/studie-untersucht-bachblueten-wirkung-bei-pruefungsangst-und-adhs.html

Ich zitiere:

"Alle vier Studien kamen zum Schluss, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten SchülerInnen und StudentInnen zeigte sich zwar eine Verbesserung der Symptome, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme von Bachblüten als auch von Placebo ein."

Also: Studienergebnis: Es war egal, ob die Testpersonen echte Bachblüten oder "leeren Alkohol" bekamen: Es gab ein paar Veränderungen, die auf dem guten Gefühl beruhen, etwas einnehmen zu können, von dem einem gesagt wurde, dass es helfen wird. Diese Besserungen traten aber in beiden Gruppen gleichermaßen auf: Bachblüten hatten zu diesem Effekt nichts an eigener Wirkung hinzuzufügen.

Bachblüten sind also NACHWEISLICH reine Placebos - Placebos allerdings mit einem umfangreichen esoterischen Überbau und einer sehr großen Werbeindustrie dahinter.

Sind sie denn wenigstens harmlos?

Nein. Und zwar wegen des esoterischen Überbaues, der leider zu Werbeaussagen führt, die nicht selten alles andere als harmlos sind. Die Mittel selbst sind es schon - jedenfalls, wenn man nicht gerade auf einen der Inhaltsstoffe allergisch reagiert.

Die Bachblüten, so positiv sie klingen haben auch ihre Schattenseiten:

Die Vertreter dieses esoterischen Verfahrens erzählen nicht selten Eltern, die Blüten könnten den Charakter des Kindes positiv beeinflussen. Mit speziellen Blüten könne man Wut oder Zornausbrüche beseitigen, mit anderen das Kind aufgeschlossener oder gesprächiger machen.

Und an dieser Stelle hört dieses esoterische Verfahren auf, ein "harmloses Placebo" zu sein, das " ja nicht schaden kann". Warum?

Betrachten wir es nüchtern: Die Bachblüten behaupten, Eltern bräuchten ihren Kindern nur die richtige Blütenmischung zu verpassen, schon entwickle das Kind den Wunschcharakter. Was bitte für eine traurige Vorstellung von Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung ist das denn?

Ein Kind hat ein Recht auf "seine" Persönlichkeit. Und Eltern haben kein Recht, dem Kind persönlichkeitsverändernde Medikamente einzuflößen, nur damit das Kind "so funktioniert" wie es soll.

Dass die Hersteller Nebenwirkungsfreiheit versprechen, ändert nichts an der Tatsache, dass hier ein Zaubermittel die Erziehungsarbeit erleichtern oder besser übernehmen soll.  Aus der Sicht des Kindes geben ihm seine Eltern Medikamente, weil sie mit seinem Charakter unzufrieden sind. Das ganze Verfahren an sich ist also moralisch höchst fragwürdig.

Den Gipfel der Geschmacklosigkeit erreichte dieses Verfahren, als zeitweise einige Esoterikportale Bachblüten für die Behandlung psychischer Probleme nach Kindesmissbrauch anboten. Das Verfahren schreckte also nicht davor zurück, als Geschäftsidee auszunutzen, ein solches Kind nicht zum Psychologen zu bringen, sondern mit esoterisch verklärten Placebos zu "behandelen" - und nebenbei so den Missbrauch zu vertuschen.

http://scienceblogs.de/frischer-wind/2013/11/16/ein-neuer-tiefpunkt-der-alternativmedizin/

Nach zahlreichen Protesten von Verbraucherschützern und Elterninitiativen wurde wenigstens diese Blütenmischung wieder vom Markt genommen. Die nicht weniger unmoralischen Ratgeberbücher samt der anderen Blütenmischungen sind aber leider noch auf Kundenfang am Markt.

Grüße

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Danke für diese umfassende Darstellung. Ich hoffe, dass viele, die bisher ihr Geld für diesen esoterischen Humbug zum Fenster rausgeschmissen haben, deinen Text aufmerksam lesen.

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Hallo!  

der-querschnitt.de/archive/13438 sagt 
Bei der Schüssler-Salze Therapie gilt, wie bei der Bach-Blütentherapie auch, dass ihre Grundlage medizinisch nicht anerkannt und eine Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. 

Damit haben wir 2 Fliegen mit 1 Klappe

Bachblüten wirken wenn dann über Placebo. Macht Wasser aber auch  - und ist billiger.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag

Bachblüten sind reine Phantasie.

Es ist ein Homöopathie-nahes Espteriksystem, das zwar Heilung verspricht, für das es aber keinerlei echte Wirksamkeitsnachweise gibt.


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Für Eure Antworten bedanke ich mich schon mal herzlich im Voraus.

Liebe Grüße

Steffi

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