Was bedeutet sozial relevantes lernen (spracherwerb)?

1 Antwort

Ich mach einmal einen Versuch:

Sozial relevant bedeutet ja wohl: wichtig für die Sozialisation, das optimale Rüstuzeug für die Integration im sozialen Umfeld.

Soziales Umfeld sind Eltern, Geschwister, Freunde, Kumpel, Klassenkameraden, Kindergartentante/Lehrer, Oma, Opa, Onkel, Tanten, Freunde und Bekannte der Familie, Nachbarn und alle Menschen, die einem noch so über den Weg laufen.

Um mit denen "gut auszukommen" sollte man z.B. Bitte und Danke verinnerlicht haben, also nicht allein als Worte, sondern das Konzept erlernt haben. Und was wohl auch dazu gehört ist das Gespühr dafür, wann man etwas besser nicht sagt, weil es verletzend wäre, unanständig ist ...

<<Klein Erna ruft: Fritzchen, reinkommen! Hände waschen, Füsse waschen, Pischi machen; Mutti braucht die Schüssel für Salahat!">> Uuups! Kindermund tut Wahrheit kund; aber bitte nicht mehr mit 7 Jahren.

Die Qualität der erwerbbaren Sprachfähigkeit ergibt sich aus dem sprachlichen Niveau des sozialen Umfelds. Wenn um ein Kind herum keine qualitative Kommunikation stattfindet, entwickelt es nur wenig sprachliche Kompetenz. Schon bei der Einschulung hat es gegenüber Mitschülern Defizite, die mit jedem weitren Schuljahr kumuliert.

Es sind nicht nur die sachlichen Inhalte, die von Jahr zu Jahr schwerer verstehbar sind. Das Ferkel im Koben hört nur Rülps und Grunz und dazwischen das Gequike der Geschwister. Damit kommt man schwer durchs Leben. Die gesamte soziale Kompetenz wird behindert.

Das Kind selbst weiß nicht warum die anderen Schüler stets "schlauer sind". Es erfährt nur einen Dauerfrust, weil es, außer vielleicht im Sportunterricht, niemals glänzen kann. Solche stete soziale Ausgrenzung geht auf Dauer auf die Psyche. So kann es dann auch noch verhaltensauffällig werden.

Wer sich verbal nicht zur Wehr setzen kann, nimmt die Fäuste zu Hilfe. Und das vielleicht auch manchmal schon im Voraus, als fängt grundlos eine Prügelei an. Wer in der Schule keine Erfolgserlegnisse hat, holt sie sich vielleicht außerhalb, fängt an zu klauen, macht sonst was für "dummes Zeug". (ich kenne so einen Fall)

Bei allem Schönreden von "gleichen Bildungschancen", solche familiär erworbenen und persistierenden Defizite kann der Schulbetrieb nicht ausgleichen. Auch zwei Stunden Sprachtraining die Woche können das nicht kompensieren. Im Extremfall ist ein sozialer Aufstieg unerreichbar.

Ich denke, das kommt der Sache nahe.

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