Was bedeutet "setzen" bei Fichte?

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4 Antworten

Setzen ist bei dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte eine Tätigkeit des Subjekts, bei der es etwas als wirklich hinstellt und mit diesem denkenden Bezug erst erzeugt und begründet. Setzen bezeichnet er als eine Tathandlung. Tätiges und Ergebnis der Tätigkeit fallen zusammen.


Beim Sich-setzen ist das handelnde Subjekt nicht das individuelle Ich, sondern ein überindividuelles, an der Wurzel aller Subjekte gleiches Ich, die „Ichheit“. Dieses Ich versteht Fichte als in sich selbst gegründet und damit vollkommen unabhängig, daher absolut.

Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre 1794 I § 1, 7: „Dasjenige, dessen Sein (Wesen) bloß darin besteht, daß es sich selbst als seiend setzt, ist das Ich, als absolutes Subjekt. So wie es sich setzt, ist es; und so wie es ist, setzt es sich; und das Ich ist demnach für das Ich schlechthin und notwendig. Was für sich selbst nicht ist, ist kein Ich.“

Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michaelsen. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2005, S. 603 (zu Setzung):
„Setzen, Sammelbegriff für theoret.[ische] und prakt.[ische] Tätigkeitens des Subjekts, durch die der Gegenstand, auf den es sich bezieht, erst hervorgebracht wird. Im D[eu]t.[schen] wurde S.[etzen] als philos.[ophischer] Terminus von I. Kant erstmals verwendet und erhielt bei J. G. Fichte (↑ Wissenschaftslehre) die Bedeutung Prozeß und Resultat einer ›Tathandlung‹, durch die das urspr.[ünglich] unbestimmte ↑Ich sich als etwas von ihm selbst Unabhängiges (›Nicht-Ich‹) unterscheidet.“

Thomas Leinkauf, Setzen, Setzung. I. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 9: Se – Sp. Basel : Schwabe, 1995, Spalte 698 gibt an:
Setzen bzw. Setzung werden zu Spezialbegriffen, die eine aus der Autonomie und Spontaneität des Subjekts entspringende Gründungstätigkeit und –leistung anzeigen, hinter der immer eine Geltungsintention des Willens steht.

Spalte 699 – 701 zu Fichte

Spalte 699: „Für J. G. FICHTE […] wird S.[etzen] zu der alles bestimmenden Handlungsform der Intelligenz: »das S.[etzen] des Ich durch sich selbst ist die reine Thätigkeit desselben«. Diese Tätigkiet ist identisch oder umfangsgleich mit dem sein des Ich, oder anders gesagt: das Ich ist nichts anderes als sein Sich-S.[etzen].“ „S.[etzen] bzw. S.[etzun]g. markieren also den Bereich absoluter Autonomie und unkonditionierter, spontaner Tätigkeit.“

Peter Rohs, Johann Gottlieb Fichte. Originalausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2007 (Beck´sche Reihe : Denker) , S. 46 – 50 enthält einige erläuternde Gedanken:

Setzen ist eine dem empirischen Gemüt notwendig vorauszusetzende nichtsinnliche Tätigkeit.

Setzen ist eine Tathandlung des Ich (das Ich, über das Wissen nicht empirisch – in Selbstwahrnehmung als psychologische Tatsachen feststellbar - , sondern in intellektueller Anschauung vorhanden ist), die unter den empirischen Bestimmungen unseres Bewußtseins weder vorkommt noch vorkommen kann, sondern vielmehr allem Bewußtsein zu Grund liegt und es allein möglich macht.

Der Ausdruck Tathandlung (Tätigkeit des Setzens) bezeichnet eine Identität von Tat und Handlung, in der Tätiges und Produkt der Tätigkeit zusammenfallen. Die nichtsinnliche Tätigkeit hat eine essentiell (wesentlich) reflexive Struktur.

Wahnsinn, danke! =D

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Eine Fichte setzten = Eine Fichte pflanzen

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Aber leider geht es nicht um Pflanzen, sondern um den Philosophen Johann Gottlieb Fichte und sein Werk "Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre".

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Ich denke, dass ich es selbst rausgefunden habe: Fichte versteht unter "setzen" idealistisch die Hinstellung eines Seins durch das Denken durch das Ich...

Hm...aaah ja ^^

Möglicherweise soll sich etwas setzen, etwas beruhigen, klären, festigen.

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