Was bedeutet im Zusammenhang mit Husserls phänomenologischer Bildtheorie, dass sich das Bildobjekt mit dem Bildsujet im Widerstreit befindet Inwiefern denn?

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1 Antwort

Husserl spricht in dem Buchausschnitt, den ich Dir empfohlen habe,
gleich zu Beginn von dem Unterschied zwischen zwei Phänomenen der
physischen Bildlichkeit, der immanenten Bildlichkeit im Kontrast zur
transeunten Bildlichkeit. Das erstere meint, dass das Bildobjekt
sozusagen ein „eingefrorenes“ Bildsubjekt darstellt, festgehalten in
einer Pose, in einem Alter, das Bildjubjekt, dem quasi Prozesse in der
Zeit entzogen wurden: Es bewegt sich nicht mehr, es altert nicht, es ist
ein für alle Mal so festgehalten. Die transeunte Bildlichkeit dagegen
lässt uns durch die Bilddarstellung hindurch in der Phantasie auf die
gemeinte Person schauen, auf die gemeinte Landschaft, einschließlich des
Bewusstseins, dass die im Sommer abgebildete Landschaft jetzt im Winter
wohl anders aussehen wird.

Das Widerstreitbewusstsein nun
ist a) das Bewusstsein von dieser Differenz zwischen Bildobjekt, das auf
ein Bildsubjekt nur verweist, den Unterschied zwischen „eingefrorenem
Bildobjekt“ (Landschaft im Sommer) und dem in die Zeit gestellten
Bildsubjekt (Landschaft inzwischen evtl. im Winter), Husserl spricht vom
„Bewusstsein des „Andersseins“ des gemeinten Objekts“ – also des
Bildsubjekts. Das Widerstreitbewusstsein wird umso stärker angeregt, je mehr das Bildobjekt vom tatsächlich erinnerten Bildsubjekt abrückt, z.B. in einem Holzschnitt, in einer abstrakteren Plastik, die nur noch in wenigen Merkmalen an das Bildjubjekt anklingt. Eine gute, zeitnahe Fotografie dagegen führt zu geringerem Widerstreit zwischen Bildobjekt und Bildsubjekt.

Dann gibt es aber auch noch (b) den
„Widerstreit zwischen Bild als Bildobjekterscheinung und zwischen Bild
als physischem Bildding.“ Mir wird das am deutlichsten an einer Statue,
die ich liebe, die mich darum immer wieder fasziniert. Es ist eine
Bronzestatue „aufsteigende Kraniche“, die den Eindruck vermittelt, als
ob da drei Kraniche schwerelos abheben würden und spätestens, wenn man
die Statue anhebt, wird die wunderbare Illusion deutlich, mit der der
Künstler das Material aus dem Bewusstsein geschoben und den leichten
Eindruck des Abhebens in der Fantasie angeregt hat.

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Kommentar von berkersheim
05.02.2016, 11:14

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Kommentar von Happiness88
05.02.2016, 11:34

Danke danke danke für die hervorragende Antwort. Aber leider habe ich den "Widerstreit zwischen Bild als Bildobjekterscheinung und zwischen Bild als physischem Bildding" nicht verstanden :( Es liegt auf keinen Fall an İhrer Erläuterung, denn besser hätte man das nicht erklären können. Werde mir noch erwas Gedanken darüber machen. 

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Kommentar von Happiness88
05.02.2016, 17:35

Ich meine, dass ich das jetzt besser verstanden habe. Vielen herzlichen Dank! Was ich Sie noch fragen wollte, ist, ob die dritte Instanz von dem Edmund Husserl spricht Bildsujet oder Bildsubjekt heisst. In dem Buch, womit ich mich gerade auseinandersetze, stand immer "Bildsujet" und ich hatte das mit einem Bleistift durchgestrichen und "Bildsubjekt" drüber geschrieben. Aber gestern Abend habe ich auf einer Internetseite wieder "Bildsujet" gelesen. Ich hoffe, dass Sie mir da weiterhelfen können. 

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