Was bedeutet Identifikation bei der Klientenzentrierten Gesprächsführung (Carl Roger)

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1 Antwort

Hmm, dazu habe ich mal ein Seminar gemacht... mir fallen noch folgende Stichwörter ein: Selbstkonzept, Bedürfnisse, Ansprüche, Kongruenz... ich glaub ich pack's:

Also. Diese Frau hat viel um die Ohren, und ihr Selbstkonzept sagt vielleicht "Ich bin eine starke und viel beschäftigte Frau". Sie ist aber unglücklich, weil ihr Konzept nicht mit dem Stress übereinstimmt... Konzept sagt "Du bist stark" aber Realität sagt "Du bist belastet". Diese Nicht-Übereinstimmung macht unglücklich... (Kongruenz)

Identifikation heißt, dass du dich mit ihr identifizierst, also, dass du die gleiche Situation hast wie diese zu beratende Frau... vielleicht ist sie dir deswegen auch sympathisch. Identifikation bedeutet hier also, dass du dich mit dem Klienten identifizierst, weil du wohl diese Gesprächsführung anwendest (ich rate hier gerade herum). Versteht man einigermaßen, wovon ich rede? XD

Sydonie 08.07.2011, 13:50

erstmal vielen Dank, für Deine Antwort !

Das mit dem Identifizieren bräuchte ich noch genauer.

Kann man (nach Rogers) sagen, daß man beim Identifizieren seine Persönlichkeit der Persönlichkeit des Anderen gleichsetzt ? Und somit die Bedürfnisse des Anderen garnicht richtig wahrnehmen kann - oder so ähnlich ?

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Lea1989 10.07.2011, 01:21
@Sydonie

Kann man (nach Rogers) sagen, daß man beim Identifizieren seine Persönlichkeit der Persönlichkeit des Anderen gleichsetzt ?

  • Ich würde sagen, nicht gleichsetzen, sondern eher vergleichen. Wenn man dann Gemeinsamkeiten feststellt, identifiziert man sich schon eher mit der Person. Ich glaube, in meinem Seminar war auch viel von Projektion die Rede. Sagt dir das was? Es ist ähnlich wie Identifikation. Projektion bedeutet, man erkennt in einer anderen Person sich selbst wieder, weil man sein Inneres auf sie drauf projiziert und wieder erkannt hat... So, wie ein Projektor ein Bild an die Wand projiziert, so projizieren auch Personen ein (Selbst)Bild auf andere Personen und fangen deswegen auch an, sich mit diesen anderen Personen zu indetifizieren. Ganz so, als wäre das Gegenüber ein Spiegelbild deines Ichs...

Und somit die Bedürfnisse des Anderen garnicht richtig wahrnehmen kann - oder so ähnlich ?

  • Mein Prof hatte gesagt, Projektion (die mit Rogers Identifikation vielleicht gut verglichen werden kann) birgt Gefahren. Vielleicht hilft dir dieser Auszug aus meinem Seminar-Portfolio:

Innerhalb des Seminars war auffallend, dass ich viel projiziere. Das heißt, ich habe aufgrund ähnlicher Eigenschaften angefangen, mich mit jemand anderem zu identifizieren, und anscheinend den Eindruck vermittelt, Verständnis für den anderen aufzubringen in einem vielleicht übermäßigen Maße. Das heißt, mein „Verständnis“ kann einerseits Empathie ausdrücken, aber auch Erwartungen, die Gefahren mit sich bringen: Man kann sein Gegenüber falsch einschätzen, weil man ihn mit sich unterbewusst verwechselt; man kann den Fokus des eigentlichen Problems verlieren, weil man zu viel von sich selbst in einer fremden Person sieht, und man kann Gefahr laufen, durch diese Überinterpretation die zu beratende Person nicht wert zu schätzen. Das Gegenüber könnte verwirrt oder verärgert reagieren, wenn er/sie feststellt, dass ich nicht mit ihm/ihr spreche, sondern mit mir; jemandem, den ich in der Rat suchenden Person sehe. So gesehen „mit sich selbst zu sprechen“ kann egoistisch wirken. Ich könnte dadurch auch Druck erzeugen und Entscheidungen / Reaktionen hervorrufen, die falsch sind. Antworten werden am Problem des Klienten von diesem selbst vorbei konstruiert, das heißt, er/sie könnte eine Lösung bestätigen, die mit meinen Vorschlägen, aber nicht mit seinen/ihren tatsächlichen Problemen übereinstimmt. Das täte er/sie, um meinen Erwartungen gerecht zu werden. Identifikation in der Form bringt also Vor- und Nachteile mit sich.

Hat dir das etwas gebracht? Ich muss leider zugeben, dass ich kein Rogers Experte bin... Achja. Wie kamst du eigentlich auf diese Frage? Ich bin neugierig. :)

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