Was bedeutet genau von der Steuer absetzen?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Ganz so einfach ist das nicht. Zunächst muss zwischen den verschiedenen Steuerarten unterschieden werden.

Du meinst bestimmt in dem Beispiel die Umsatzsteuer. Wenn du als Unternehmer etwas für dein Unternehmen erwirbst, kann die verauslagte Umsatzsteuer als Vorsteuer (=Umsatzsteuer bei Einkauf) gegenüber dem Finanzamt geltend gemacht werden.

Dabei wird die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer, die du als Unternehmer von deinen Kunden eingenommen hast verrechnet. Z.B. Du erzielst Umsätze von Brutto 59.500. darin sind 9.500 € Umsatzsteuer enthalten, die du dem Finanzamt schuldest. Diese Umsatzsteuerschuld wird durch die Vorsteuer gemindert (hier 9.500 - 1.596,64 Vorsteuer aus dem Einkauf von 10.000). Es wären also nur noch 7.903,36 € an das Finanzamt zu zahlen.

Allgemein wird unter dem Betriff "Absetzen" oftmals das Anrechnen von Werbungskosten/Betriebsausgaben in der Einkommensteuererklärung verstanden. Der Begriff ist aber irreführend, denn hier wird nicht ein bezahlter Betrag X 1:1 vom Finanzamt erstattet. Vielmehr mindern bestimmte Ausgaben das zu versteuernde Einkommen. Die erzielten Einnahmen werden somit "kleiner gerechnet", so dass die Steuer am Ende auf einen geringeren Betrag als Grundlage berechnet wird.

Gewisse Wirtschaftsgüter (wie z.B. Fahrzeuge), die dem Unternehmen i.d.R. über einem längeren Zeitraum dienen, können dabei nicht gleich bei Kauf in voller Höhe als Betriebsausgaben erfasst werden, sondern müssen anteilig über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

xRoman1990x 20.07.2017, 10:01

Super Antwort danke dir. Noch eine Frage: Unterscheiden muss ich bestimmt ob ich zB Das Fahrzeug beim Händler kaufe oder bei der Privatperson wo ich keine Mwst zahle oder? Wenn ich keine zahle kann ich dort auch nichts von der Steuer absetzen oder? Ist bei allen Dingen die ich für meinen Betrieb kaufe oder? Wie sieht es aus mit Miete für das Betriebsgrundstück oder Versicherungen wie zB Krankenversicherung?`MfG

0
Steuerbaer 20.07.2017, 10:05
@xRoman1990x

Das ist richtig. Privatpersonen und Kleinunternehmer können keine Umsatzsteuer in ihren Rechnungen ausweisen. Für diese Kosten kann auch keine Vorsteuer geltend gemacht werden. Gleiches gilt für an sich umsatzsteuerfreie Leistungen, wie Versicherungen. Bei der Vermietung an einen regelbesteuerten Unternehmer kann auf die Befreiung von der Umsatzsteuer verzichtet werden - so dass also USt in der Miete enthalten ist.

3

1. Als Unternehmer ist die dir für das Fahrzeug in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer von der von dir geschuldeten Umsatszteuer abzugsfähig, es sei denn, du bist Kleinunternehmer.

2. Die Anschaffungskosten des Fahrzeugs sind bei der Einkommensteuer Betriebsausgaben, allerdings ist das Fahrzeug abzuschreiben, du kannst also jedes Jahr nur einen Prozentsatz geltend machen. Dieser Prozentsatz richtet sich nach der Nutzungsdauer. 

https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__7.html

steefi 20.07.2017, 09:40

schreibs doch bitte etwas komplzierter, damit es nicht jeder gleich versteht.

0
Omikron6 20.07.2017, 09:55
@steefi

"schreibs doch bitte etwas komplzierter, damit es nicht jeder gleich versteht"

Ist das ironisch gemeint? Ist doch knapp und klar geschrieben!

1
PatrickLassan 20.07.2017, 11:39
@steefi

@ Steefi: Etwas ausführlicher findest du das bei Steuerbär und bei MickyFinn. Ich hoffe, dass dir deren Antworten nicht zu kompliziert sind.

0

Es ist abhängig von diversen Faktoren:

  • Welche Tätigkeit? Manche sind Steuerfrei und dürfen keine Vorsteuer geltend machen (z.B. Ärzte)
  • Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung.. bei letzterem wird keine Umsatzsteuer erhoben und somit auch kein Vorsteuerabzug möglich.
  • Liebhaberei... führt allgemein zu keiner steuerlichen Betrachtung, da es sich z.B. um ein Hobby handelt.
  • Bei wem kauft man das Fahrzeug? Beim Kauf von einer Privatperson ist keine Umsatzsteuer enthalten.
  • Beleg nach § 14 (4) UStG... ist der Kaufbeleg eine ordnungsgemäße Rechnung? Falls nein, kein Abzug der Vorsteuer möglich.

----------------------

Angenommen, du machst dich als Elektriker selbstständig und meldest ein Gewerbe an.

Für die Fahrten kauft du dir einen Transporter bei einem VW-Händler und du machst von der Regelbesteuerung gebrauch... der Rechnungsbeleg ist ordnungsgemäß und das Fahrzeug wird am selben Tag per Bankeinzug bezahlt. Die Umsatzsteuervoranmeldung ist monatlich an das Finanzamt zu übermitteln (ohne Dauerfristverlängerung). Der Transporter geht in das Betriebsvermögen.

Annahme:

Kauf Transporter am 20.07.2017 - Kaufpreis: 10.000 € Brutto - Zahlung sofort per Bankeinzug.

In diesem Monat wurden keine Umsätze gemacht und es sind keine weiteren Zahlungen getätigt worden.

In der Umsatzsteuer-Voranmeldung hast du einen Umsatzsteuer-Überschuss von 1.596,64 € (10.000 x 19 / 119). Die Anmeldung ist bis zum 10.08.2017 beim FA elektronisch zu übermitteln... der Überschuss wird in den nächsten Werktagen auf dein angegebenes Bankkonto überwiesen.

Der PKW wird ,,aktiviert"... mit einem Wert von 8,403,36 € und ist jährlich nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abzuschreiben (z.B. 3 Jahre ...für 2017 anteilig). Nur der Abschreibungsbetrag mindert das Betriebsergebnis -> folglich i.d.R. weniger Steuern zahlen.

Wenn Du ein Unternehmen hast, wo Du einen Transporter brauchst, kannst Du die 10000 Euro für Deinen Transporter vom zu versteuernden Gewinn abziehen - enfach gesagt.

Was möchtest Du wissen?