Was bedeutet es wenn man sagt jemand ist "nationaler Gesinnung"?

12 Antworten

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurden Leute mit nationaler Gesinnung verfolgt, da diese gegen das feudalistische alte Regime waren (Nachtwächterstaat). Es mussten einige Leute in ein Exil fliehen, wie Heinrich Heine, die Gebrüder Grimm, Richard Wagner, Gottfried Semper. Heute würde man sagen, das waren Demokraten oder Liberale. Mit der Rivalisierung der europäischen Länder entwickelte sich die demokratisch nationale Gesinnung zum säbelrasselnden Nationalismus und damit zu Fanatismus, Gewalt und Kriege. Die alte nationale Gesinnung kam von einer gebildeten Schicht aus dem Volk, der Nationalismus wurde von oben von der Regierung verordnet.

Es hat auf jeden Fall einen rechts-artigen touch!

Würde diese Umschreibung meiden, wenn Du damit nichts zu tun haben willst, oder das zum Ausdruck bringen willst.

Vielleicht besser: "gemässigter Patriotismus" oder "traditionell-konservative Werte" oder "interessiert an der regionalen Kultur des Heimatlandes"

oder "identifiziert sich mit landesspezifischen kulturellen Werten des Heimatlandes"

Also, würde immer auf die Kultur anspielen, und nicht auf Politik. "Gesinnung" bezieht sich nämlich auf Politik.

Nationale Gesinnung ist ungleich der nationalsozialistischen Gesinnung. National Gesinnte Menschen sind schon eher rechts anzuordnen und auch da gibt es verschiedene Grade, wie stark nation gesinnt jemand ist.
Zur Zeit des Imperialismus und auch danach sind die Deutschen national gesinnt, aber die Wurzeln dessen findest du in der Zeit vor der Deutschen Revolution in dem Wunsch nach einem geeinten Vaterland wieder. Die Menschen wollten zwar vereint sein und waren entschlossen dafür zu kämpfen (vor allem gegen die alte Herrschaftselite) doch sie hatten weniger "Gaskammern", "Volksgemeinschaft" und die "nordisch-arische Herrschaftsrasse" im Sinn.

Leider wird die vielfältige Geschichte Deutschlands auch heute noch auf den Nationalsozialismus reduziert. Eigentlich haben wir eine Geschichte, auf die man stolz sein kann, zumindest bis ca. 1890 meiner Meinung nach. Es ist nichts Schlimmes National gesinnt zu sein. Stolz aufs eigene Land ist in Ordnung, soweit dies nicht zu radikal wird und Fremdenhass u.ä. ist leider die Folge von einer Radikalisierung. Nationalsozialismus ist eine komplett andere Ideologie als Nationalismus.
Ein anderer Beantworter meinte ,,der Horizont ist beschränkt und endet an der Staatsgrenze". Damit liegt er meiner Meinung nach sehr richtig, aber der wesentliche Unterschied liegt doch an der Staatsgrenze. Hitlers oder nationalsozialistische Bestrebungen werden nur von der Atmosphäre begrenzt, meist sind sie größenwahnsinnig und verachtend gegenüber anderen Kulturen. National Gesinnte Menschen rücken vermutlich nicht aus, um andere Kulturen außerhalb der Staatsgrenzen zu zerstören, sie akzeptieren sie möglicherweise nur innerhalb ihres Landes nicht.

Deutschnationale Gesinnung gabs vor 150 Jahren, als sich (verfolgte) Demokraten und Liberale aus dem Bürgertum für Menschen- und Bürgerrechte, konstitutionelle Monarchie mit parlamentarische Regierung, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Verfassung, Volksbewaffnung, Bauernbefreiung, staatsbürgerlichen Gleichheit und die Ministerverantwortlichkeit, allgemeines Wahlrecht......einsetzte. Jetzt ist das Wort Nationale Gesinnung auf einen Stammtisch-Slogan reduziert.

Jemand, der stolz auf seine Nation ist ist nicht nationaler Gesinnung. Nationale Gesinnung ist schon der erste Schritt in Richtung Chauvinismus-Nationalismus.

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