Was bedeutet »Erzähltemperatur«? Und wie alt ist diese Redewendung, ungefähr?

4 Antworten

Im Internet kann man die Erzähltemperatur ab dem Artikel in der ZEIT 14/2001 vom 29. März 2001 ('Jedem seinen Ton und Tod', http://www.zeit.de/2001/14/Jedem_seinen_Ton_und_Tod) finden. Mit Erzähltemperatur ist dort gemeint, dass die unterkühlten und erregten Gedichte von Durs Grünbein durch die Art des Vortrags angeregter und flüssiger werden, fast wie eine Erzählung. Temperatur entspricht wie in der Physik dem Anregungszustand (sichtbar gemacht etwa als Brownsche Bewegung), der Lebendigkeit, Quirligkeit des Vortrags bzw. Gedichts.

Auch in den übrigen Fällen ergibt sich die Bedeutung der Erzähltemperatur aus dem Zusammenhang. Wenn die FAZ schreibt, 'Die Erzähltemperatur steigt: Statt „Nahe Null“ haben wir hier die glühenden Kohlen der Hölle.' ist die Spannung und Dramatik im Roman gemeint. Auch wenn es heißt: 'Geben Sie dem Onkel genug Zeit, um auf Erzähltemperatur zu kommen...' ist damit gemeint, dass eine Erzählung holprig, trocken, sein kann, eher wie ein sachlicher Bericht, wenig wortgewandt, fahrig, ohne erkennbaren roten Faden und Spannungsbogen, so dass es anstrengend ist, ihr zu folgen oder aber fesselnd, faszinierend, spannend, so dass man alles andere darum herum vergisst.

Das ist total hilfreich, danke sehr!

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Redensarten enthalten ein Verb:

Jägerlatein erzählen

(eine Geschichte) vom Pferd erzählen

Das kannst du deinem Frisör erzählen.

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