Was bedeutet eine Parlamentarische Erbmonarchie ?

4 Antworten

Zwei Begriffe sind entscheidend:

1. Erbmonarchie: Das ist in Europa die übliche Form der Monarchie. Die Nachfolge des Königs oder der Königin tritt der älteste Sohn oder die älteste Tochter an, im Falle der Kinderlosigkeit das nächstverwandte Familienmitglied. In allen europäischen Monarchien ist die Thronfolge gesetzlich geregelt. Im Falle des völligen Aussterbens einer Königsfamilie bestimmen die jeweiligen Landesparlamente über die Nachfolge auf dem Thron. Und damit sind wir beim zweiten Begriff.

2. Parlamentarische Monarchie: In den europäischen Monarchien (Ausnahme: Schweden) agiert die Regierung, die staatliche Verwaltung und die Justiz im Namen des Monarchen. Der Monarch ernennt und entlässt wenigstens die wichtigsten Minister, zumeist auch die höchsten Richter, oft auch die (groß-)städtischen Bürgermeister. Der Monarch bestätigt mit seiner Unterschrift die Gesetze und setzt sie in Kraft, wobei er in den meisten Ländern ein aufschiebendes Vetorecht hat. Zudem ist das Militär auf den Monarchen vereidigt, wenigstens die hohen Offiziere sind von ihm ernannt. Ja, könnte man fragen, wo bleibt denn da das Parlament? Der Monarch ist bei allen seinen Regierungshandlungen zunächst an die Gesetze gebunden die das Parlament beschlossen und der Monarch in Kraft gesetzt hat. Bei der Auswahl der Minister, besonders des leitenden Ersten Ministers/Kanzlers, ist der Monarch gehalten, die Vorschläge des Parlamentes zu akzeptieren, das mit demokratischer Mehrheit diesen leitenden Minister wählt. Der Erste und die anderen Minister, die sich auf eine Parlamentsmehrheit stützen können, leiten und bestimmen die gesamte Innen- und Außenpolitik, die Gesetzgebung, auch die Personalpolitik. Der Monarch agiert immer in Absprache mit seiner Regierung oder auch auf Anraten seiner Regierung, denn täte er es nicht, geriete er nicht nur mit den Regierungsmitgliedern, sondern auch mit der Parlamentsmehrheit in Konflikt. Ob ein solcher Konflikt im Sinne des Monarchen ausginge, ist nicht ausgemacht, und wenn nicht, müsste er wohl abdanken. Andererseits hat wenigstens der Erste Minister/Kanzler regelmäßig Audienz beim Monarchen, weil der Monarch das Recht hat, über alle Staatsangelegenheiten informiert zu werden, dazu seinen Rat zu geben oder auch zu warnen. Es bleibt ein Geheimnis, was Monarch und Minister besprechen, wer den anderen von seinen politischen Vorstellungen überzeugen oder zu bestimmten politischen Handlungen bewegen kann. Jedenfalls hat ein intelligenter, erfahrener Monarch die Gelegenheit unmittelbarer politischer Einflussnahme; ein unerfahrener und unpolitischer Monarch ist, sofern er sich seiner Regierung unterordnet und seine Repräsentationspflichten erfüllt, für das staatliche Funktionieren kein Hindernis.

Die noch bestehenden europäischen parlamentarischen Erbmonarchien haben sich bisher bewährt und genießen in den meisten Ländern eine hohe Zustimmung.

MfG

Arnold


Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

Üblicherweise hat die Königsfamilie dort "nur" repräsentative Pflichten, ähnlich wie z.B. der Bundespräsident in Deutschland. Die politische Macht liegt beim Parlament.

Erbmonarchie bedeutet, dass das Königsamt vererbt wird. Alternativ gibt es auch "Wahlmonarchien", in denen König/ Kaiser gewählt oder "bestimmt" werden.

also das heißt der König ist "nur" für die repräsentative Pflichten zuständig und wie ist der dann mit der Regierung aufgebaut ist es dann so wie die Gewaltenteiöung in Deutschland oder anders?

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@JoBi123456789

Der König ist in Spanien Teil der Gewaltenteilung. Es gibt - wie in Deutschland auch - Legislative, Exekutive und Jurikative, jedoch zuätzlich die "Royalitive", d.h. sollte mit der Gewaltenteilung was völlig aus dem Ruder laufen oder die Legislative dem Staat schaden, tritt sozusagen die "Royalitive" ein, indem sie die Parteien zur Besinnung aufruft oder ein Veto einlegt. Das wäre dann aber ein geschichtlicher Ausnahmefall. Die Möglichkeit ist jedoch klar gegeben. Ebenso wie die Parteiführer dem König ihr Vorhaben erklären und es kein Gesetz und keine Verordnung auf Staatsebene gibt in Spanien gibt, die nicht vom König abgesegnet werden muss. Der König ist in dieser Form eine Art Gleichgewicht.

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@winersonne

Das was Parteien links der Sozialdemokraten am Königshaus stört ist vor allem die Tatsache, dass dieser nicht gewählt wurde, sondern eben den Titel vererbt bekam. Sollte es irgendwann keinen König in Spanien geben (bzw. dieser nicht mehr Staatschef sein), müsste jemand anders seine Aufgaben übernehmen. Bei vielen Staatstreffen vor allem außerhalb Europas ist der König vertreter Spaniens, vor allem was Ehrungen oder Hispano-Amerika-Gipfel angeht oder auch Wirtschaftsabkommen und eben die Zusammenarbeit mit anderen Ländern angeht oder im Sport- und Kunstbereich (Merkel besucht die WM als deutsche Repräsentanz, in Spanien ist das der König, die Königin oder die Prinzessin, wenn sie dann das Alter dafür erreicht hat).

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der Monarch ist an die Verfassung gebunden und es existiert ein gewähltes Parlament, allerdings gibt es immernoch einen König, der seine Nachfolge familiär löst.

Also ist der Monarch der Regierungschef oder?

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@JoBi123456789

Regierungschef ist der Präsident (Rajoy), Staatschef ist der König (Felipe VI). Der König steht über dem Präsidenten, jedoch nicht aktiv handelnd, solange der Staat an sich nicht gefährdet ist. Er hat Vetorecht, ihm sind die Streitkräfte (Militär) untergeordnet.

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@winersonne

Natürlich kann das Parlament die Staatsform ändern, z.B. von Königreich in Republik, was ja die linksextremeren Parteien wollen. Das müsste aber letztendlich der König auch unterzeichnen... (und würde das auch machen, wenn es der Wille des Parlaments wäre und dem Staat nicht schaden würde; jedoch hat er faktisch ein Vetorecht und könnte dies einsetzen).

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Parlamentarisch= Gesetzgeber Parlament
Erbmonarchie= z.b der Sohn der Nachfolger wird der nächste König

Könntest du mir erklären wie des abläuft was der König in der Regierung zu sagen und was die Anderen?



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Der König hat in einer Parlamentarischen Monarchie nichts zu sagen da das Parlament die Gesetzgebung ist. Der König repräsentiert nur den Staat z.b bei Auslandsbesuche, und er ernnennt den Premierminister (muss)

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@Kapfenberger

Das ist nicht wahr. Der König ist im Königreich Spanien (vollständiger Name) das Staatsoberhaupt. Er unterzeichnet alle Verordnungen (Real Decretos) und Gesetze. Er macht die Gesetze zwar nicht, hat aber faktisch Vetorecht, auch wenn er sich zurückhält (solange die Regierung nicht dem Staat schadet).

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@winersonne

Nachtrag: auch unterstehen dem König die Streitkräfte (Truppen). Der König ist zwar eine repräsentive Figur, jedoch auch eine weitere Säule, um im geteilten Gewaltmonopol (Legislative, Exekutive und Jurikative), des Staates und notfalls schlichtend einzugreifen, sollte der Staat gefährdet sein.

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