Was bedeutet diese Zitate?

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14 Antworten

also den zweiten Satz seh ich so, dass es nicht möglich ist in einem System das so falsch ist wie das unserige (weltweit begriffen) versuchen "gut" zu leben im Sinne von Ethisch gut, wenn damit nicht unbedingt der Wille und die Kraft verbunden ist, dieses Falsche auch zu überwinden.

Also dass jeder, der behauptet, es ist möglich ein gutes Leben zu leben, solange der gesammtkontext eben nicht gut ist, sich nur selber betrügt und das falsche künstlich aufrechterhällt - also selber ein teil dessen wird, was Falsch läuft.

Handkehrum aber auch, in Adornos pessimismus gedacht - dass es keine Richtige Möglichkeit gibt, das Falsche zu überwinden, da das Tun aus dem Falschen eben wiederum nur zum Falschen und nicht zum richtigen werden kann

ist im Grunde eine umdeutung von Marx´ "Das Sein bestimmt das Bewusstsein"

Das zweite Zitat hat Bezug zum Verhältnis von Handlungs- und Verantwortungsethik. Wer im Kleinen, in der Wahl der Mittel, immer anständig bleibt, für den der übergeordnete Zusammenhang - Sinn und Ziel - aber unbedeutend sind, lebt letztlich verantwortungslos. So sehe ich das. Das erste Zitat beschreibt den tatsächlich einzigartigen Anpassungs- und Gehorsamseifer, der den Deutschen anhaftet, und zwar nicht erst seit der NS-Zeit, vermutlich schon seit Germanenzeiten. Die römischen Kaiser wählten als ihre Prätorianer (Leibgardisten) bevorzugt Germanen aus, weil für die jeder Befehl Gesetz war, der unbedingt befolgt werden musste. Heute ist es nicht anders. Deutschland ist das Land mit dem höchsten Realeinkommensschwund in Europa. Und es ist nicht der Hauch eines Protests zu spüren.

"Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne Sie zu glauben." Das heisst ganz einfach: der Deutsche realisiert gar nicht, das er lügt und glaubt das, was er sagt. Er verleugnet etwas, ohne es zu bemerken. "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" Mit dem Falschen meint er hier wahrscheinlich auch, dass man in irgendetwas anderem lebt, als der Wirklichkeit. Wenn die eigene Welt nicht mit der Realität übereinstimmt, kann man nicht richtig leben. Beispiel: Dysmorphophobie; wenn Menschen sich hässlich finden und zwanghaft Schönheitsoperationen durchführen, wie Michael Jackson. Diese denken, sie wären nicht schön genug und gehen ständig zum Chirurgen, obwohl die Realität anders aussieht; sie nämlich alle hübsch finden.

Der zweite Satz ist trivial. Es ist ja auch so, daß man sich nicht wie ein Schweinehund benehmen und sich dennoch sagen kann: "Aber in Wirklichkeit bin ich keiner." Mit anderen Worten: so wie man handelt und lebt, so ist man. Oder: Die Konsequenz Deiner Taten folgt nicht erst irgendwann, sondern im gleichen Moment, in dem Du sie begehst.

Ein "Deutscher" kann schon deshalb keine Lüge aussprechen, weil er so gut erzogen ist, daß er mit vollem Mund nicht spricht (er frißt ja bekanntlich immer gerade Sauerkraut). Im übrigen habe ich irgendwo anders gehört, daß es in Deutschland sowohl gute als auch schlechte Menschen gäbe - das hänge ganz von den Befehlen ab, die man ihnen gebe.

Der gute Adorno. Ich verstehe ihn immernoch nicht komplett, da er eine sehr seltsame Art zu schreiben pflegt. In Bezug auf Dein erstes Zitat würde ich sagen, dass er zu stark pauschalisiert. Folglich denke ich, dass die Oberflächlichkeit seiner Aussage mit Vorsicht zu genießen ist. Er redet von den Menschen, die die NS Zeit bewusst miterlebt haben und somit z.B. nicht von der jüngeren Generation wie meine. Jedoch würde ich es genau wie Du auf das NS Regime beziehen, da er ausdrücklich von Deutschen spricht. Das ist der Punkt, der mir in seiner Aussage komplett missfällt, denn ich gehe davon aus, dass der Nährboden in der Gesellschaft liegt und nicht in der Nation. Meines Wissens müsste er sich sogar selbst widersprechen, da er in "Erziehung nach Auschwitz" ebenfalls diese Meinung vertritt.

Ich glaube nicht, dass Adorno einen Deutschen als ein geographiches Phänomen sondern, wie ich oben schon geschrieben hatte, als einen Menschen, der durch eine bestimmte polit-ökonomische Konstellation hervorgebracht wird.

Oder irre ich mich da?

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@gert66

Ja, das kann sehr gut sein, dass Du da recht hast. Jedoch finde ich seine Wortwahl etwas kurios demnach. Wie gesagt behauptet er ja in einem mir bekannten Text, dass es ein gesellschaftliches Problem sei. Ich finde es gut, dass es jemand aufklärt! DH!

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Bezugnehmend auf die NS Zeit verstehe ich das so: Da die Deutschen sich als redliche Gutmenschen wahrnehmen wollten, habe sie die Lügen (Nazi Propaganda/Ideologie usw.) für sich so verdreht, dass sie das selbst als Wahrheit wahrnehmen konnten.Damit hatten sie das Gefühl "rechtens" zu handeln und keine Lügner zu sein.

Zuerst einmal, Adorno sagt mir garnichts von daher kann ich nicht sagen, was er aussagen wollte.

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"Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne Sie zu glauben?"

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Es soll auf keinen Fall Dummheit auf die Deutschen werfen, sondern eher eine gewisse Ordnungsliebe und Leichtgläubigkeit.

Nach dem Motto "irgendetwas wird schon Wahres dran sein". Oder "wenn es die Obrigkeit sagt, dann wird es schon passen". Und ein wenig wird auch mit hineinspielen, dass man jede Lüge, je häufiger man sie ausspricht, selber glaubt.

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Möglicherweise auch nicht wirklich auf Deutschland im hier und Jetzt bezogen sondern wirklich auf N S Deutschland.

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"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen."

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Viele Menschen spielen etwas vor um besser da zu stehen, oder es einfach nur leichter zu haben. Aber egal wie viel Erfolg du hast, falls du dein Leben nur auf Lügen aufgebaut hast, dann wirst du niemals dein EIGENES Leben führen. (bedenke auch die Angst, dass alles auffliegen könnte)

Es ist so! Die Zitate beziehen sich auf die Ideologie des 2. Weltkrieges! Sie folgten dem Führer, der sie nur benutzte, rechtfertigten damit ihr Handeln und wollten in ein Leben steuern, was schon in den Grundfesten falsch wäre!!!

Während des 2. Weltkrieges lebte Theodor Wiesengrund Adorno im Exil in GB und den USA. Er erlebte die Gesellschaft als entfremdet, da diese sich ins private und den Konsum zurück zog. Dies Leben erschienen ihm unmenschlich, und somit falsch. Hier irrte er. Die Menschen strebten schon immer dem Paradiese entgegen. Befreiung vom Leistungszwange, ohne Leistungsforderung. Das ist zutiefst menschlich, Tendenz des Lebens. Jeder Körper strebt zur Ruhe - ausgeglichene Energiedifferenz. Der 2. Weltkrieg war in jeder Hinsicht eine Katastrophe. Dermaßen einmalig -Judenvernichtung, Unmenge getöteter Menschen, Zerstörung- und dennoch waren die meisten Deutschen darin verstrickt. Die Opfer waren zugleich Täter - ein schwer aufzulösender und zu ertragender Konflikt-. Dies Ereignis war unfassbar, so einmalig, so neu, damit ließ es sich nicht leben. Der einzelne entschuldigte sich -wies Mittäterschaft von sich, das geschah kollektiv. Nur so konnte man sich im Wissen um das schreckliche Geschehnis in die zukunft flüchten. Man musste die selbst geschaffenen Lügen glauben. (Stark gestrafft um die Seite nicht zu sprengen.)

seit der zeit der aufklärung sollte man eigentlich klar und bewusst frei entscheiden können. der "deutsche" wie adorno sagt, hat das eben in der NS-zeit größtenteils nicht bewerkstelligen können. ob das nun mit dummheit zu tun hat oder auch nicht, ist aus diesen zitaten nicht so einfach herauszulesen.

> Ein Deutscher ist ein Mensch, der > keine Lüge aussprechen kann, ohne Sie > zu glauben?

Also beim ersten Lesen würde ich sagen, dass hier "Ehrlichkeit" als Tugend und "Authentizität" gemeint sind.

Andererseits impliziert es auch Leichtgläubigkeit. Also folgend fehlende Skepsis.

Eventuell kann man das weiter spinnen...

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Leider nicht. Es ist Ausdruck der Hilflosigkeit.

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Ich verstehe den ersten Satz so: Deutsche sind aufrichtig, selbst wenn sie falsch liegen.

ähm ich glaube des soll heißen:

also so wie in etwa man glaubt seine eigenen lügen nicht und es gibt kein richtiges leben in einer lüge...ich weißs net ob dus verstehst ich schon haha xD

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