Was bedeutet die Naturgesetzformel, Menschheitszweckformel und die Allgemeine Gesetz Formel von Kant?

1 Antwort

Immanuel Kant hat die Bedeutung in seinen Werken, die seine Ethik enthalten, erklärt.

Die Formeln sind Formulierungen des kategorischen Imperatives, wobei die allgemeine die grundlegende ist und andere Formeln den kategorischen Imperativ nur anders ausdrücken, um die Idee der Anschauung und dem Gefühl näher zu bringen. Die Formel mit dem allgemeinen Gesetz richtet sich auf die Einheit der Form des Willens (seine Allgemeinheit). Die Naturgesetzformel richtet sich auf die Übereinstimmung in einem Gesamtsystems (Allheit), zu der die Naturordnung eine Analogie (Ähnlichkeit, Entsprechung) darstellt. Die Menschheitszweckformel bezieht sich auf Zwecke als Gegenstände des Willens.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 80 - 81. „Man tut aber besser, wenn man in der sittlichen Beurteilung immer nach der strengen Methode verfährt, und die allgemeine Formel des kategorischen Imperativs zum Grunde legt: handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann. Will man dem sittlichen Gesetz zugleich Eingang verschaffen: so ist es sehr nützlich, ein und eben dieselbe Handlung durch benannte drei Begriffe zu führen, und sie dadurch, so viel sich tun läßt, der Anschauung zu nähern.“

Ein kategorischer Imperativ ist unbedingt gültig und enthält ein Gesetz als sittliches Gebot.

Kant sieht eine Pflicht, als vernunftbegabtes Wesen dem Sittengesetz zu folgen, weil dies die Achtung vor dem mittels der Vernunft eingesehenen Gesetz gebietet. Das moralisch Gute existiert nur als guter Wille. Entscheidend ist die Handlungsabsicht (eine Maxime ist ein dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz), nicht die tatsächlich eingetretene Handlungsfolge (eine ausreichender Einsatz der praktischen Vernunft bliebt aber trotzdem geboten).

Der kategorische Imperativ ist eine formale Überprüfung. Wäre es in meiner Vorstellung in Ordnung, wenn alle so handeln würden, kann ich dies als allgemeines Gesetz wollen und anerkennen. Wenn in der Überprüfung Widersprüche auftreten, ist die überprüfte Maxime kein kategorischer Imperativ.

Das Vorgehen in der Anwendung ist:

1) Beschreibung einer überlegten Handlungsweise

2) Formulierung der Handlungsweise als allgemeiner Grundsatz (Maxime des Willens)

3) Überprüfung dieses Grundsatzes auf widerspruchsfreie Aufstellung zu einem allgmeinen Gesetz

4) Ausführen einer Handlung, deren Grundsatz dem kategorischen Imperativ entspricht/Unterlassen einer Handlung, deren Grundsatz ihm widerspricht

Allgemeines Gesetz-Formel

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 75 - 76: „Moralität besteht in der Beziehung aller Handlung auf die Gesetzgebung, dadurch allein ein Reich der Zwecke möglich ist. Diese Gesetzgebung muß aber in jedem vernünftigen Wesen selbst angetroffen werden, und aus seinem Willen entspringen können, dessen Prinzip also ist: keine Handlung nach einer anderen Maxime zu tun, als so, daß es auch mit ihr bestehen könne, daß sie ein allgemeines Gesetz sei, und also nur so, ** daß der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.** “

Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft BA 54 (§ 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft): „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.

Naturgesetzformel

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 52 „Weil die Allgemeinheit des Gesetzes, wornach Wirkungen geschehen, dasjenige ausmacht, was eigentlich Natur im allgemeinsten Verstande (der Form nach), d. i. das Dasein der Dinge, heißt, so fern es nach allgemeinen Gesetzen bestimmt ist, so könnte der allgemeine Imperativ der Pflicht auch so lauten: handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 81 – 82: „Weil die Gültigkeit des Willens, als eines allgemeinen Gesetzes für mögliche Handlingen, mit der allgemeinen Verknüpfung des Daseins der Dinge nach allgemeinen Gesetzen, die das Formale der Natur überhaupt ist, Analogie hat, so kann der kategorische Imperativ auch so ausgedrückt werden: Handle nach Maximen, die sich selbst zugleich als allgemeine Naturgesetze zum Gegenstande haben können.

Wenn Menschen allgemein den Maximen folgten, deren Regel vom kategorischen Imperativ vorgeschrieben ist, käme ein Reich der Zwecke zustande, das in seiner Anordnung Ähnlichkeit mit einem Reich der Natur hat. Aus der Eignung einer Maxime, sich in eine gedachte widerspruchsfrei zusammenstimmende Naturordnung (in der Vorstellung entworfen, Urheber der Natur in einer Gesetzgebung zu sein) einzufügen, kann ihre Einfügbarkeit in die reine praktische Vernunftordnung gefolgert werden.

Menschheitszweckformel

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 66 -67: „Der praktische Imperativ wird also folgender sein: Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 74 – 75: „Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, daß jedes derselben sich selbst und alle andere niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle. “

Ein Zweck an sich selbst ist ein Zweck, dessen Dasein an sich selbst einen absoluten Wert hat und an dessen Stelle kein anderer Zweck gesetzt werden kann, dem sie bloß als Mittel dienen sollen. Menschen sind keine Sachen, sondern Personen (vernünftige Wesen). Allen vernünftigen Wesen kommt Würde als Zweck an sich selbst zu. Denn sie sind ihrer Natur nach autonome gesetzgebende Subjekte darin, sich Zwecke zu setzen. In ihnen ist ein Wille anzutreffen, der Vorstellung gewisser Gesetz gemäß sich selbst zum Handeln zu bestimmen. Diese Selbstzweckhaftigkeit ist unbedingt zu achten. Sie ist ein uneingeschränkt für alle Menschen gültiger Zweck. Würde ist ein absoluter innerer Wert. Menschen haben sie durch ihr Menschsein.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 64 - 65: “Nun sage ich: der Mensch, und überhaupt jedes vernünftige Wesen, existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauch für diesen oder jenen Willen, sondern muß in allen seinen, sowohl auf sich selbst, als auch auf andere vernünftige Wesen gerichteten Handlungen jederzeit zugleich als Zweck betrachtet werden.“

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 77 - 78: „Die Vernunft bezieht also jede Maxime des Willens als allgemein gesetzgebend auf jeden anderen Willen, und auch auf jede Handlung gegen sich selbst, und dies zwar nicht um irgend eines anderen praktischen Beweggrundes oder künftigen Vorteils willen, sondern aus der Idee der Würde eines vernünftigen Wesens, das keinem Gesetz gehorcht, als dem, das es zugleich selbst gibt.“

Personen dürfen als Mittel für eigene Zwecke verwendet werden, aber nur soweit wie deren Würde nicht beeinträchtigt oder beseitigt wird. Die Selbstzweckhaftigkeit andere Personen darf nicht angetastet werden. Handlungen sollen beachten, diesen Selbstwert anzuerkennen. Wer dies nicht anerkennt und beachtet, achtet auch sein eigenes Menschsein nicht. Ein Beispiel ist das Vorgehen eines Lügners, sich von jemand mit einem falschen Verprechen, es später zurückgeben zu wollen, Geld zu leihen. Das Handeln ist unsittlich. Der andere wird als bloßes Mittel ausgenutzt und wie eine Sache (eine Geldbörse, an der sich jemand nach Belieben bedient) behandelt.

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