Was bedeutet, dass nach der semiotische Bildtheorie eine bildliche Darstellung eine Form von symbolisiertem oder semiotisch vermitteltem Sinn ist?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Das Problem ist, wie weit die Begriffe "Zeichen", "Symbol", "Bild" und "Sinn" gefasst werden. Ich persönlich bin immer für eine engere und präzisere Begriffszuordnung, weil sonst die Interpretationen ausufern. Das ist die Gefahr, wenn in der Zeichentheorie nur noch alle Kommunikation auf Zeichen reduziert wird, so wie es die Sprachtheorie mit Wörtern und Sätzen macht. Was als Zeichen gelten kann, ist meiner Meinung nach abhängig vom Abstraktionsgrad und der gesellschaftlichen Zuweisung. Das gilt z.B. für Verkehrszeichen und andere Bildsymbole (z.B. Herren, Damen). Das gilt auch für Bildobjekte, die wie Karikaturen oder ein Holzschnitt auf das Bildsujet nur "zeichenhaft" hinweisen (z.B. früher die Birne für Kanzler Kohl). Weil wir so stark von solchen Zeichen umgeben sind (siehe Gebrauchsanleitungen zu Gerätschaften) lernen wir auch ohne Fahrschule eine Fülle von Zeichen z.B. für Sportarten, für Gerätschaften (Fotoapparat, Videokamera usw., für alle die gibt es abstrakte Zeichen). Da macht es bei der Analyse der Kommunikation Sinn zu erforschen, wie wir mit Zeichen umgehen und wie sie entstehen.

Das betrifft aber nicht die Bildobjekte, von denen Husserl oft spricht, seien es Statuen oder Gemälde oder Fotografien mit hoher Wirklichkeitsnähe. Man erkennt sofort eine Person, eine Landschaft oder eine Stimmung, wodurch unser ästhetisches Empfinden angesprochen wird. Die Bilder von William Turner nur auf ein Zeichen zu reduzieren, halte ich für dürftig, weil die ganze Ästhetik und auch komplexe Stimmung nicht erfasst wird - es sei denn, man bläst die Begriffe "Zeichen" und "Symbol" derart auf, dass alles zum Zeichen und Symbol wird. Welche Präzisierung des Verstehens bringt mir das dann? Allerdings sind da die Grenzen fließend. Bilder z.B. von Otto Dix wollen keine speziellen Personen darstellen sondern die Dekadenz einer Gesellschaftsschicht symbolisieren. Statuen von Ernst Barlach sind so stark reduziert, dass nicht eine Trauernde dargestellt wird sondern "Die Trauer". Auch da gerinnt das Bildobjekt zum Symbolhaften. Ich würde vorziehen, die semiotische Bildtheorie als Spezialfall zu Husserl zu nehmen und nicht ins Uferlose auszudehnen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Happiness88
07.02.2016, 00:43

Super Antwort! Danke sehr

0

Was möchtest Du wissen?