Was bedeutet, dass Aristoteles die beiden Welten (Ideen und die materielle Welt) überwinden wollte?

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2 Antworten

Ein Versuch:

Platon und Aristoteles leben ja nicht in einer philosophiefreien Welt. Grob gesprochen gab es da die Naturphilosophen und in deren Folge die sog. Atomisten. Deren Grundeinstellung war, wie es dann Epikur zusammenfasst, dass alles Sein eine sich ständig wandelnde Zusammensetzung eines ewigen letztlich Unteilbaren sei. Schon Anaxagoras (* 499 v. Chr.; † 428 v. Chr.) und von dessen Schüler Archelaos, beide Lehrer des Sokrates, waren Vorläufer dieser Auffassung.

Platon und Aristoteles gemeinsam war eine Gegenposition, die das Sein aufteilt (Dualismus) in Geist und Materie. Für sie war Materie vergänglich. Geist war für Platon als das Maßgebende in den ewigen Ideen manifestiert, die sich in unterschiedlichen Spiegelungen den Menschen als verwirrende Realität darbieten. Er blickt sozusagen vom geistigen Konstrukt auf die reale Manifestation. Aristoteles dagegen dreht den Blick und leugnet nicht die Realität der verwirrenden Realität. In seinen naturwissenschaftlichen Untersuchungen versucht er, in die verwirrende Vielfalt Ordnung zu bringen.

Jeder individuelle Mensch gehört doch zu einer Gattung Mensch, die sich von der Gattung Pferd unterscheidet oder von der Gattung Eichen, auch wenn es innerhalb der Gattungen individuelle Ausprägungen gibt. Wie sich im Materiellen eine wesensverschiedene Existenz ausbildet, liegt im Potential einer speziellen Form, die es annimmt. So können wir eben Mensch und Pferd und Eiche unterscheiden, obwohl sie gemeinsam aus Materie bestehen, in der sich die Form ausprägt. Typisch für die Naturdinge ist, dass sie in die Form hineinwachsen und dabei individuelle Unterschiede annehmen können. Artefakte dagegen sind Realisationen von Menschen nach deren Vorstellung: Aus einem Klumpen Bronze wird eine Statue eines Diskuswerfers, die nicht wächst und sich verändert sondern vom Menschen auf diese eine Vorstellung hin gestaltet wird.

Ein wenig verrät sich Aristoteles da, weil sich der Verdacht bildet, dass seine Vorstellung von den diversen Formen in der Realität von einer „Handwerker-Artefakt“-Vorstellung getragen ist. Denn beim Handwerker ist klar, das Material ist formlos und die formgebende Idee liegt in der Vorstellung des Handwerkers. Wer also ist der „Welt-Handwerker“? Das Modell „Handwerker-Artefakt“ zeigt die Nähe zu Platons Ideenvorstellung. Bei Platon diversifiziert die klare Idee in verwirrende Abbildungen. Bei Aristoteles geht es umgekehrt, da ist die Idee des Handwerkers die prägende Kraft zur Gestaltung z.B. einer Statue aus einer formlosen Masse.

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Kommentar von Happiness88
01.03.2016, 22:01

Danke sehr 👍🏼👍🏼👍🏼👍🏼👍🏼

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