Was bedeutet bei einem Wein die Bezeichnung "oaked"?

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Antwort auf: Was bedeutet bei einem Wein „oaked“?

Es ist heute schick, Weine zu trinken, die nach Holzfass schmecken. Meistens sind die Weinfässer aus Eichenholz gemacht, also schmeckt der Wein aus einem solchen Fass nach Eiche. Früher war es so, dass mein ein Fass zunächst so lange gewässert hat, bis der Holzton mehr oder weniger verschwunden war. So ein Fass war dann „fassgrün“. Ein Winzer konnte natürlich ein Fass auch ganz frisch hergestellt kaufen, dann hatte er aber selbst die Arbeit des Wässerns. Insofern waren fassgrüne Fässer immer etwas teurer

Weinfreunde (und die Winzer) haben früher Weine abgelehnt, die noch nach dem Fass-holz, auch nach Eiche, geschmeckt haben. Heute hingegen ist das schick. Für manchen „Weinfreund“ ist es viel wichtiger, dass der Wein nach Holz schmeckt als alles andere. Leute, die sich dabei als Kenner outen wollen, sagen dann, der Wein schmeckt nach „Barrique“. Das ist natürlich Quatsch! Denn „Barrique“ ist das französiche Wort für ein „Fässchen“ mit der Größe von ca. 225 – 230 Liter. Dabei spielt es theoretisch keine Rolle, ob dieses Fass aus dem Holz der Eiche oder z.B. auch der Kastanie hergestellt ist. Meistens sind diese Fässer natürlich aus Eichennolz gemacht. Daher schmeckt der Wein aus einem neuen Barriquefass eben nach Eichenholz. Dies ist aber nur maximal etwa für drei bis vier Jahrgänge der Fall. Dann hat das Fass seinen starken Holzton verloren. Trotzdem kann man es natürlich weiterverwenden, über Jahre und Jahrzehnte, aber eben nur noch zur normalen Weinlagerung bzw. zum Ausbau des Weines (also für seine weitere Reife).

Warum nimmt man dafür – in aller Regel nur für Weine hoher Qualität, für sog. „große“ Weine – Barrique-Fässer? Weil bei den Fässern dieser Größe das Verhältnis von Inhalt und Fassaußenfläche für den Ausbau von Wein optimal ist, also z.B. besser als in einem 1.000 Liter-Fass oder einem 50.000 Liter-Tank. Nun ist klar, dass die Erzeugung von Weinen in solchen kleinen Fassgrößen einen hohen Arbeits- und Kostenaufwand be-deutet. Also kamen „Weinmacher“ auf die Idee, statt den Wein in hunderten oder auch tausenden von „Barriques“ auszubauen, diesen lieber in den großen Fässern oder Tanks zu belassen und statt dessen Säcke mit gerösteten Eichenspänen hinein zu hängen. So nimmt der Wein den Geschmack aus den Eichenschnipseln auf und er schmeckt dann so, als käme er aus einem aus Eichenholz hergestellten Barrique-Fass. Aber dann darf man korrekterweise nicht mehr auf's Etikett schreiben, „im Barriquefass gereift“ oder „Barrique-Ausbau“ sondern man schreibt dann eben „oaked“. Hört sich für Nichtwissende natürlich auch toll an.

Einen guten Effekt hat die Eichenschnipsel-Methode natürlich: Man kann damit nun im industriellen Stil, und damit billiger, Weine herstellen, die nach „Barrique“, pardon!: nach Eiche schmecken.

Wenn mir jemand stolz erklärt, er habe im Supermarkt einen einen tollen Wein gefunden – und dazu noch sooo preiswert – der ganz wunderbar nach „Barrique“ schmeckt, dann antworte ich ihm, dass ich in meinem Keller einen Wein habe, der wunderbar nach „Fuder“ schmeckt. Dieser Wein kommt von einem Winzer, der mit meisterlichem Ge-schick einen Wein wie ein individuelles Kunstwerk gezauber hat – und dieser Wein reifte in einem altehrwürdigen, vielleicht schon 50 oder 100 Jahre alten 1.000-Liter-Eichenholz-fass und so ein Fass mit 1.000 Luder, das ist ein „Fuder“.

Nichts für ungut!

Reiner, Bretzenheim / 07.01.2007

Ergänzung zu ramir49:

Gerade bei Weinen aus den USA wäre ich mir keineswegs sicher, ob das nicht auch bedeuten kann, dass dem Wein während der Lagerung nur Hackschnitzel aus Eiche zugesetzt wurden - das ist dort legal.

"oaked" bedeutet, das dieser Wein im Eichenfass gelagert wurde. Den Begriff findest Du meist auf Californischen Weinen.

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