Was bedeuted Co-Abhängigkeit?

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7 Antworten

co-abhängigkeit bedeutet, dass sich der meist nicht süchtige partner die sucht des süchtigen partners unbewusst unterstützt. das können handlungen sein, die das verhalten des süchtigen begünstigen.  wären zum bsp. die sucht mitfinanzieren, die sucht totschweigen und als tabu innerhalb der familie erklären, vor der außenwelt vertuschen. dadurch wird die sucht nicht behandelt, sondern eher begünstigt. der leidensdruck des süchtigen wird gemildert und ein entzug erscheint dadurch ja nicht notwendig. lg

Rollostoimetz 14.04.2011, 09:45

DH.

Bloß bleibt mir jetzt nix mehr zum erklären....^^

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Xp1Vat64 14.04.2011, 21:12
@Rollostoimetz

Von mir als unmittelbar Betroffenen einen ganz dicken Daumen hoch.

Einen Zusatz: Co-Abhängigkeit macht krank. Man leidet mit dem Abhängigen mit. Geht es dem Abhängigen gut, geht es mir gut. Geht es ihm schlecht, geht es mir ebenso. Es besteht die Gefahr, daß man selbst in die Sucht gerät (aus Verzweiflung). Das Problem bei der Sache ist, daß man selbst nicht erkennt, daß man co-abhängig ist. 

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Co-Abhängigkeit hat, wie der Alkoholismus auch, viele Gesichter und einige davon werden in den Antworten ja auch bereits dargestellt. Ich selber bezeichne mich als co-abhängig. Ich habe mit einer alkoholkranken Partnerin zusammen gelebt. Als sie nach dem Entzug die Selbsthilfegruppen der Anonymen Alkoholiker (AA) kennen lernte und wir uns trennten, fand ich den Weg zu Al-Anon (Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholkranken). Beide Gruppen arbeiten nach einem 12-Schritte-Programm. Im ersten Schritt heißt es bei Al-Anon: "Wir haben zugegeben, daß wir Alkohol gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten." Und ich habe mit den letzten 7 Worten dieses Satzes lange Zeit nichts anfangen können. Denn ich war der Meinung, mein Leben doch ganz gut meistern zu können. Ich hatte keine Schulden, kam allen meinen Verpflichtungen nach, bekam alles auf die Reihe. Es hat lange gebraucht bis mir immer klarer wurde, dass es sich dabei gar nicht um MEIN Leben handelte und das ich es schon gar nicht MEISTERTE. Es war eher ein dahinfunktionieren, ausgerichtet an den Wertvorstellungen anderer. Ich wusste gar nicht, wer ICH wirklich bin, was ICH wirklich wollte und was nicht. Ich war es gewohnt, mich den geäußerten als auch den vermuteten Wünschen, Vorstellungen, Lebensentwürfen anderer unter zu ordnen. Das ist das, was ich dann eines Tages anerkennen und als Co-Abhängigkeit benennen konnte. Abhängig zu sein von dem, was andere denken, wie sie handeln, was sie für richtig erachten, schön finden; mich an ihren Prioritäten zu orientieren und im Glauben, sie seien auch für mich passend, zu übernehmen. Und ebenso wie ein Alkoholiker lebenslang ein Alkoholiker bleibt (entweder nass oder trocken), so werde ich auch wohl zeitlebens ein Co-Abhängiger sein und bleiben - aber einer, der durch regelmäßige Besuche von Meetings der Selbsthilfegruppen und durch Arbeit an sich und seinem Verhalten versucht, ein gesunderes, unabhängigeres Leben zu führen, in dem ich mich meiner Verantwortung für mich und meine Entscheidungen bewusster stelle und kranke Entscheidungen immer häufiger durch gesunde ersetze.

Co-Abhängikeit bedeutet, dass der Partner (kann Lebenpartner, aber auch Geschwister oder Elternteil sein) sich ganz und gar auf die Sucht des Partners konzentriert. Man steckt alle eigenen Bedürfnisse und Interessen komplett zurück, man ist total davon abhängig wie der süchtige sich verhält.

Trinkt er, geht es dem co-abhängigen selber schlecht, macht er eine Trinkpause oder Entzug, geht es ihm besser. Alles dreht sich ausschliesslich um den alkoholkranken Partner. Das Fatale ist, dass dem Alkoholkranken durch die co-abhängigkeit nicht geholfen ist.

Der co-Abhängige macht den Alkoholiker aber oft durch Vorhaltungen (da er ja sein eigenes Leben nicht mehr lebt und den Partner dafür verantwortlich macht) das Leben noch schwerer. So ziehen sich beide- Alkoholiker und co-Abhängiger immer weiter nach unten, wenn nicht einer (oder beide) beginnen, ihre Abhängigkeit zu stoppen.

Es ist übrigens nicht jeder Lebenspartner eines Alkoholikers automatisch co-abhängig. Das ist nur der Fall wenn sich der Partner wie oben beschrieben verhält.

Das ist nicht mehr ganz aktuell. Früher hat man die Partner von Alkoholikern als co-abhängig bezeichnet, wobei der Co-Abhängige sich dadurch auszeichnete, dass er abhängig war von seiner "Arbeit", seiner Zuwendung, seiner Vertuschung, seiner "Hilfe". Motto: Der Alkoholiker kann nicht ohne mich.

Heute nennt man diese Partner nicht mehr so (warum, weiß ich nicht).

Xp1Vat64 14.04.2011, 21:13

Wie nennt man die denn dann?

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user1673 15.04.2011, 11:49
@Xp1Vat64

Angehörige (Partner, Ehemänner, -frauen - wie auch im nicht-alkoholischen Leben)

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Samylia 15.04.2011, 14:13
@user1673

Angehörige sind nicht automatisch co-Abhängige! Deshalb ist es korrekt, die Angehörigen nicht alle co-Abhängige zu nennen. Der Begriff "co-Abhängigkeit" existiert weiterhin, er wird jetzt nur für diejenigen verwedenet, die tatsächlich dieses Krankheitsbild haben.

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user1673 18.04.2011, 19:18
@Samylia

Natürlich sind Angehörige nicht automatisch co-Abhängiger im alten Begriff. Das habe ich auch nicht gesagt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass dieser Begriff der co-Abhängigkeit nicht mehr verwendet wird. "Krankheitsbild" ist auch ziemlich übertrieben. Es handelt sich um die Beschreibung eines Verhaltens, das ist nicht immer gleich krank.

Dass es natürlich noch Gruppen gibt, die die alten Begriffe verwenden, ist nicht nur in diesem Bereich bekannt. Profis, wie  z.B. die Caritas, tut das nicht mehr.

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Samylia 24.04.2011, 19:24
@user1673

Wenn der Begriff "co-Abhängigkeit" nicht mehr verwendet wird, wie unterscheiden dann die "Profis" Angehörige die co-abhäniges Verhalten zeigen (das durchaus krankhafte Züge annehmen kann!) und Anghörige, die einfach nur Angehörige sind?

Wenn du es so schreibst, wirds schon so sein, aber mir kommt das wenig professionell vor.

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Dass der Partner praktisch dasselbe durchmacht wie der Alkoholkranke selbst (schämt sich, versteckt sich, verleugnet und verdrängt die Sucht ...)

 

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