Warum wurden in der Antike Gladiatorenspiele veranstaltet?

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Der genaue Ursprung der Gladiatorenspiele bei den antiken Römern ist schwierig zu ermitteln.

Nach späteren antiken Autoren sind sie zum ersten Mal von den Söhnen des Decimus Iunius Brutus Petra 264 v. Chr. auf dem Forum Boarium in Rom mit 3 Paaren von Gladiatoren veranstaltet worden (Livius Periochae 16; Valerius maximus, Facta et dicta memorabilia 2, 4, 7; Ausonius Griphus 36 – 37; Servius zu Vergil, Aeneis 3, 67). Es sind aber Zweifel daran, möglich, daß tatsächlich erst damals das erste Mal bei den Römern gewesen ist und nicht schon früher (so wirkt die angebliche Übernahme eines etruskischen Brauches erst in dieser Zeit nicht sehr überzeugend).

Gladiatorenkämpfe geschahen zuerst zu Ehren bedeutender Verstorbener als etwas, das zur Totenfeier als Veranstaltung hinzukam.

Gladiatorenkämpfe haben bei einer großen Anzahl der römischen Bevölkerung in der Antike Gefallen gefunden und waren Bestandteil von Massenunterhaltung.

Zu kultischen Ursprüngen hat es ziemlich bald nur noch losen Bezug gegeben.

Der Veranstalter (*editor) von Gladiatorenspielen konnte auf guter Stimmung für ihn und Beliebtheit beim Volk hoffen.

Die Veranstaltung war eine Leistung (munus; Plural: munera) aus privater Initiative. Freigebigkeit/Großzügigkeit (liberalitas) galt als Tugend.

Ein Anzeichen für den Gefallen, den Gladiatorenkämpfe fanden, und Anstrengungen, mit der Veranstaltung die eigene politische Laufbahn zu Förden, ist der steigende Aufwand (größere Anzahl von Gladiatorenpaaren, Dauer über mehrere Tage, Pracht und Prunk, hohe Kosten).

Ein anderes Anzeichen ist die Veranstaltung mit großem zeitlichen Abstand des Todes der Geehrten, aber passend für die politische Laufbahn.

Faustus Cornelius Sulla veranstaltete 60 v. Chr. Gladiatorenkämpfe zu Ehren seines 78 v. Chr. verstorbenen Vaters Lucius Cornelsus Sulla (Cassius Dio 37, 51, 4). Gaius Iulius Caesar veranstaltete 65 v. Chr. Gladiatorenkämpfe zu Ehren seines 85 v. Chr. verstorbenen Vaters Gaius Iulius Caesar, wobei er 320 Gladiatorenpaare in silbergeschmückter Rüstung kämpfen ließ (Sueton, Divus 10, 1 - 2; Plutarch, Caesar 5, 9; Plinius, Naturalis historia 33, 53). Dies brachte ihm ebenso wie die aufwändige Veranstaltung der Ludi Romani und der Ludi Megalenses Beifall/Lobpreisung ein (Cassius Dio 37, 8, 1). Im Senat hatte Gegner vorher eine Einschränkung mit einer Bestimmung durchgesetzt, die verbot, in der Stadt Rom mehr als 320 Paare zu besitzen und zu trainieren. Caesar kündigte 52 v. Chr., als er eine Erlaubnis zur Bewerbung um das Amts des Konsuls (für das Jahr 49 v. Chr.) in Abwesenheit anstrebte, Gladiatorenkämpfe zu Ehren seiner verstorbenen Tochter Iulia an (Sueton, Divus Iulius und führte sie später auch durch (Plutarch, Caesar 55, 4; Cassius Dio 43, 22, 3).

Es gab Gesetzgebung gegen unrechtmäßigen Wahlkampf (ambitus), wobei auch Gladiatorenspiele ein Gegenstand waren. Die Lex Tullia de ambitu (63 v. Chr.; Marcus Tullius Cicero, Pro Murena 3; 47; 67; 89; Pro Sestio 133; Pro Plancio 83; Cassius Dio 37, 29, 1) bestimmte, daß kein Senator im Jahr einer Amtsbewerbung und im Jahr zuvor einen munus ausrichten dufte, außer wenn der Tag bereits in einem Testament festgelegt worden war.

Großzügig, prachtvolle Veranstaltung öffentlicher Spiele (ludi publici) waren offenbar günstig, um beim Volk beliebt zu sein und bei den Wahlen zu Ämtern erfolgreich zu sein. Manche Politiker haben in der Hoffnung auf diese Wirkung viel Geld ausgegeben.

Gladiatorenspiele waren ebenfalls Schauspiele (spectacula) zur Massenunterhaltung, sie können als analoger Fall betrachtet werden.

Vgl. zu Spielen: Marcus Tullius Cicero, Epistula an Quintum Fratrem 3, 3 (8), 6 und Pro Milone 35, 95 über Titus Annius Milo; Pro Murena 19, 38 über Lucius Licinius Murena; Pro Sestio 54, 116 über Marcus Aemilius Scaurus

In der Kaiserzeit kam es zu einer kaiserlichen Kontrolle (Quellen zu kaiserlichen Regelungen: Cassius Dio 54, 2, 4; 55, 31, 4; 59, 32; 59, 15; 60, 5; Tacitus, Annales 11, 22, Sueton, Divus Claudius 24, 3; Tacitus, Annales 13, 5; Sueton, Domtianus 4, 1). Beispielsweise hat Augustus die Prätoren auf zwei Veranstaltungen im Jahr und höchsten jeweils 120 teilnehmende Gladiatoren eingeschränkt, nur der Kaiser (Princeps) und seine Familie waren von dieser Einschränkung ausgenommen. Offenbar wurde die Möglichkeit anderer eingeschränkt, auf diese Weise besonders populär zu werden. Augustus erwähnt von ihm veranstaltete Gladiatorenspiele in seinem Tatenbericht (Res Gestae Divi Augusti 22). Um Stimmengewinne bei Wahlen ging es in der Kaiserzeit bald nicht mehr, da nicht mehr das Volk jemand in die Ämter wählte. Als Mittel der Herrschaftspolitik konnten Spiele der Selbstdarstellung und Steigerung der Beliebtheit der Herrscher dienen.

Literatur:

Egon Flaig, Gladiator. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 4: Epo – Gro. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1998, Spalte 1076 – 1078

Christian Gizewski, ambitus. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 1: A - Ari. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1996, Spalte 578 – 579

Augusta Hönle, Munusm Munera. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Mer – Op. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 486 – 494

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 32 – 42

Christian Mann, Die Gladiatoren. Originalausgabe. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe ; 2772 : C. H. Beck Wissen), S. 16 – 19

Christian Mann, „Um keinen Kranz, um das Leben kämpfen wir!" : Gladiatoren im Osten des Römischen Reiches und die Frage der Romanisierung. Berlin : VA, Verlag Antike, 2011 (Studien zur alten Geschichte ; Band 14), S. 30 - 32

Karl-Wilhelm Weeber, Panem et circenses : Massenunterhaltung als Politik im antiken Rom. Erweiterte Neuauflage. Mainz am Rhein : von Zabern, 1999 (Zaberns Bildbände zur Archäologie : Sonderbände der Antiken Welt ; [15]), besonders S. 4 - 39

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom. Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 11 – 40 und S. 185 – 191 (Anmerkungen)

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Seit 105 vor unserer Zeit wurden im Alten Rom Gladiatorenkämpfe ausgetragen. Sinn und Zweck war es das Volk bei Laune zu halten. Dies wurde erreicht durch Brot und Spiele. Voraus gingen viele soziale Unruhen, die die Herrschenden so zerstreuen wollten, was ihnen auch gelang.

Gladiatorenkämpfe wurden mindestens seit 264 v. Chr. in Rom veranstaltet. Viele vorausgehende sozialen Unruhen und ihre Zerstreuung entfällt daher als Grund der erstmaligen Austragung.

Zum Teil wird angenommen, 105 v. Chr. seien sie in staatliche Regie gekommen, was aber als falsch nachgewiesen worden ist. 105 v. Chr. wurden gladiatorische Fechtmeister als Ausbilder bei der Armee eingesetzt.

Vgl. zu der Frage: Ernst Baltrusch, Die Verstaatlichung der Gladiatorenspiele (Zu Ennod. pan. Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum VI p. 284 Hartel). In: Hermes 116 (1988), S. 324 - 337

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Panem et Circenses.

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