Warum wurden die Juden erst ins Ghetto gesteckt und nicht direkt getötet?

7 Antworten

Wie die Nazis mit Juden und anderen Gruppen verfahren wollten stand nicht von Anfang an fest. Zu Beginn des Krieges ermordeten SS und Wehrmacht zwar bereits Juden und andere Gruppen, allerdings vor allem durch erschießen. Das konnte allerdings nur in einem gewissen Maßstab geschehen. Der Rest wurde mehr oder weniger vorübergehend in Sammellager (noch nicht Vernichtungslager) und Ghettos verbracht um dort zu arbeiten und nun ja mehr oder weniger langsam zu sterben. Erst mit der Wannsee-Konferenz wurde endgültig beschlossen die sogenannte "Judenfrage" durch Vernichtung im industriellen Maßstab zu "lösen". Deswegen beginnt, das was wir uns heute zuallerst unter Holocaust vorstellen (also Gaskammern) erst um 1941. Allerdings begann mit dem Vernichtungskriege in der Sowjetunion bereits der sogenannte Holocaust by bullets. Also Erschießungen. Nur in gewaltigen Maßstab. Vergleiche dafür das Massaker von Babyn Jar.

Woher ich das weiß:Recherche
Erst mit der Wannsee-Konferenz wurde endgültig beschlossen die sogenannte "Judenfrage" durch Vernichtung im industriellen Maßstab zu "lösen".

Das stimmt nicht. Der Massenmord begann deutlich vor der Wannsee-Konferenz.

Schon ab Juni 1941 haben die Deutschen ganze jüdische Gemeinden in der UdSSR und in Ostpolen ermordet. Siehe z.B. babi jar bei Kiev: dort haben die Deutschen 33'000 Kinder, Frauen und Männer ermordet, nur weil sie jüdisch waren.

An der Wannsee-Konferenz erklärte der GAuleiter von Estland, dass sein "Gau" bereits "Judenrein" sein.

Hitler hatten den Genozid schon in "Mein Kampf" und einer Partei-Veranstaltung von 1920 angekündigt. Den Plan zum Völkermord hatte die NSDAP vom Anfang an, und sie machte in ihrer schwer antisemitischen Propaganda auch keinen Hehl daraus.

Aber natürlich reicht nicht ein Plan von ein paar Verrückten um so einen Völkermord auch umzusetzen. Insofern hat es ein paar Jahre gedauert, bis die Planer des Planes genügned Handlanger gefunden haben, um den Plan auch umzusetzen. Aber dass da grundsätzlich eine Planänderung stattgefunden hat ist keineswegs nachgewiesen.

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@AnonymousDragon

Bei der Wannsee-Konferenz ging es rein um "Umsetzung", es wurde dort keine Entscheidung getroffen.

Die Entscheidung des Völkermordes ist schon vor dem Einfall in die Sowjetunion getroffen worden, sonst hätte man ja nicht von vornherein diese "Einsatzgruppen" gebildet, die den Völkermord konkret begangen haben.

Die Deutschen haben übrigens auch schon ab 1941 Massenmord in Gaskammern begangen.

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@Freaking0ut

Versuchst du meine Antwort absichtlich falsch zu verstehen? Es fühlt sich ein kleines bisschen so an. Oder habe ich mich so unverständlich ausgedrückt?

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@AnonymousDragon

An der Wannsee-Konferenz wurde kein Beschluss gefasst. Es ging dort nur um "Umsetzung" eines vorher gefassten Beschlusses oder Befehles, mit fragen zur Abgrenzung ("Mischlinge") und in der Pause soll viel von Gaskammern gesprochen worden sein.

Den eigentlichen Beschluss/Befehl, alle Juden in Europa zu ermorden (sofern sie ihrer habhaft werden können) haben die Deutschen / hat die deutsche Regierung schon vor dem Überfall auf die Udssr, also spätestens im Juni 1941 gefällt.

Denn sonst hätte es keinen Sinn gehabt, direkt hinter der Front die Mordkommandos der "Einsatzgruppen" folgen zu lassen, um ganze jüdische Gemeinden zu ermorden.

Das einzige, was zwischen 1941 und 1943 noch graduell verändert wurde war die Proportion der Verfolgten, die man vor Ermordung noch durch Zwangsarbeit ausbeutet bzw. zu Tode schindet.

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Weil die Nazibonzen noch nicht sicher waren, wie sie mit den jüdischen Menschen umgehen sollten. Erst zu Beginn des Krieges wurde klar, dass man alle ermorden würde. Dafür fehlte aber, so schrecklich sich das anhört, die Logistik. Es gab Massaker wie zum Beispiel in Babyn Jar, wo zigtausende Menschen von diversen Einsatzkräften erschossen wurden. Dabei stellte man fest, dass die daraus entstandenen psychischen Problem der Mörder dazu führen konnten, dass sich der Plan zur Ermordung so vieler Menschen nicht auf diese Weise durchführen lies. Erst durch die "fabrikmäßige" Tötung wurde das gesamte Grauen möglich.

In Babyn Jar gab es einen regelrechten "Mordtourismus". Menschen der Umgebung und auch deutsche Soldaten sahen dem Drama zu. Es war alles andere als geheim, es wurden sogar Fotos gemacht. Wenn heute also jemand erzählt, sein Opa/Uropa habe davon nichts gewusst, so mag das im Einzelfall stimmen, nicht jedoch im Allgemeinen.

Eigentlich wollte man sie zunächst gar nicht töten, sondern allesamt nach Sibirien deportieren. Da das jedoch als zu teuer erschien, hat man sich dafür entschieden, bevor man sie umbringt, noch ein Maximum aus ihnen herauszuholen. Sobald sie ins Ghetto umgesiedelt wurden, haben sich nämlich die Deutschen sofort über ihre Besitztümer hergemacht! Außerdem konnte man auf diese Art und Weise noch ein paar Monate lang ihre Arbeitskraft nutzen, bevor man sie umgebracht hat! Das alles ist aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar, weil es sich hierbei um faschistoides Gedankengut handelt! - Aber vor achtzig Jahren hat man das wirklich so gedacht!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Millionen wurden erschossen.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges begann das Massenmorden in Osteuropa. Die Sicherungstruppen der Wehrmacht, die nachrückenden Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, die Polizeibataillone, die SS, sowie einheimische Hilfspolizisten waren willige Täter im Vernichtungskrieg. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1,5 bis 2 Millionen[1] Juden und Jüdinnen in den Jahren 1939-1945 erschossen wurden

https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/massenerschiessungen-im-zweiten-weltkrieg/

In Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern wollte den "guten Ruf" mit Massenerschiessungen nicht "beschmutzen". Man wusste auch nicht, wie die Bevölkerung darauf reagieren würde.

Wäre zu auffällig gewesen. Es wurde aber trotzdem so viel rumgesprochen, so das es jeder wusste.

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