Warum wurden 10.08.1793 die politischen frauenclubs verboten?

2 Antworten

Die Revolutionäre waren einverstanden, wenn sich Frauen in gewissem Ausmaß für die Revolution engagierten und sich in Organisationen vor allem karitativen (wohltätigen), patriotischen Zwecken widmeten (z. B. Hilfe bei der Armenfürsorge Sammeln von Hilfsgütern, Stricken von Kleidungsstücken für die Soldaten). Ein Einsatz mit politischen Forderungen nach Gleichberechtigung mit zum Teil feministischen Ansätzen stieß dann aber auf Mißtrauen der meisten Männer. Eine sehr weitgehende Übertragung von Freiheit und Gleichheit auf den häuslichen Bereich stellte gewohnte Geschlechterrollen in Frage.

Besondere direkte Auswirkungen für die Bauern (ob gut oder schlechte) hatte dies nicht, sondern Auswirkungen auf die Frauen.

Eine Vorstellung nicht nur unterschiedlicher, sondern komplementärer (sich ergänzender) Geschlechtscharaktere sowie eine daraus hervorgehendes Weltbild mit einer Ideologisierung geschlechtsspezifischer Eigenschaften und Tätigkeitsfelder diente als Begründung des Ausschlusses von Frauen aus dem öffentlichen politischen Leben. Die politischen Frauenklubs wurden am 30.10.1793 verboten.

Der im Mai 1793 von Claire Lacombe und Pauline Léon gegründete Club „Citoyennes Républicaines Révolutionaires“ (Klub der revolutionären republikanischen Bürgerinnen) war auch stark politisch aktiv. Die revolutionären Republikanerinnen forderten unter anderem das Wahlrecht für Frauen. Sie setzen sich für eine Pflicht an, in der Öffentlichkeit die Nationalkokarde zu tragen. Dabei kam es zu manchmal handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Marktfrauen, die dies ablehnten. Der Konvent entschied sich am 21. September 1793 für eine Pflicht, was den Streit aber nicht beendete.

Wolfgang Kruse, Die Französische Revolution. Paderborn , München : Wien ; Zürich : Schöningh, 2005 (UTB : Uni-Taschenbücher : Geschichte ; 2639), S. 144 – 145: „Denn als die Tumulte nicht abrissen, nahm die Revolutionsführung dies zum Anlaß, nicht nur die Gesellschaft der revolutionären Republikanerinnen, sondern politische Zusammenschlüsse wie überhaupt politische Aktivitäten von Frauen generell zu verbieten und damit zugleich eine Neuordnung der Geschlechterbeziehungen einzuleiten, die bald auch die erreichte zivilrechtliche Gleichstellung wieder infragestellte.

„Wir glauben also“, erklärte Amar am 30. Oktober 1793 als Berichterstatter im Konvent, „daß es nicht möglich sein, daß Frauen politische Rechet ausüben.“ Zwar wandte der Abgeordnete Charlier ein, es sei nach den revolutionären Prinzipien rechtlich gar nicht zulässig, Frauen an sich das Versammlungsrecht zu entziehen, es sei denn, man wolle das weibliche Geschlecht gar nicht der Menschheit zurechnen. Doch Amar argumentierte auf einer ganz anderen, die Mehrheit der Abgeordneten offenbar überzeugenden Ebene, als er Männern und Frauen unterschiedliche, von der Natur bestimmte Geschlechtscharaktere zusprach und daraus getrennte Lebenssphären und Tätigkeitsbereiche ableitete. „Die soziale Ordnung“, so führte Amar aus, „resultiert aus dem Unterschied, der zwischen Mann und Frau besteht. Jedes Geschlecht ruft nach einer ihm eigenen Art von Beschäftigung, bewegt sich in diesem Kreise, den es nicht überwinden kann. Denn die Natur, die dem Menschen diese Grenze gesetzt hat, befiehlt gebieterisch und hält sich an kein Gesetz.“ Gemeint war damit, daß der stärkere und intelligentere Mann für das öffentliche Leben, die schwächere und einfühlsamere Frau für das familiäre Innenleben geschaffen sei.

Als die Revolutionären Republikanerinnen sich trotzdem nicht geschlagen geben wollten und weiterhin Einfluß auf politische Entscheidungen zu nehmen versuchten, brachte der Leiter der Pariser Kommune, Chaumette, noch einmal in aller Deutlichkeit zum Ausdruck, wie die Mehrheit der revolutionären Männer sich die Beziehungen der Geschlechter vorstellte. Er wandte sich gegen ‚widernatürliche Mannweiber‘ und stellte fest: „Seit wann ist es erlaubt, dem Geschlecht abzuschwören? Seit wann ist es schicklich, Frauen die frommen Sorgen ihres Haushalts, die Wiege ihrer Kinder aufgeben zu sehen, um auf die öffentlichen Plätze, auf die Volkstribünen, an die Schranken des Senats zu eilen? Hat die Natur den Männern, die häuslichen Aufgaben anvertraut? Hat sie uns Brüste gegeben, um unsere Kinder zu säugen? Nein! Sie hat zum Mann gesagt: Sei Mann. Die Jagd, die Landwirtschaft, die politischen Aufgaben, die Anstrengungen aller Art – das ist dein Reich. Sie hat zur Frau gesagt: Sei Frau. Die liebevollen Sorgen, die der Kindheit geschuldet sind, die verschiedenen Haushaltsdinge, die süßen Sorgen der Mutterschaft, das sind deine Arbeiten. Aber deine fleißigen Dienste verdienen eine Entschädigung! Nun gut! Du wirst die erhalten; du wirst die Göttin des häuslichen Bereichs sein[n], du wirst über alles herrschen, was er umfaßt, durch den unbezwingbaren Charme der Anmut und der Tugend.“

Es liegt nahe, daß eine so begründete Verdrängung aus dem politischen Leben auch Rückwirkungen auf die allgemeine Stellung der Frauen in der Gesellschaft haben mußte.“

Was möchtest Du wissen?