Warum wurde Paulus ein "Apostel für die Nationen" genannt und wie hat sich das bewahrheitet?

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Jesus nennt den Paulus nicht nur so, sondern er bestimmte ihn zu einem Apostel für die Nationen, für Könige – also Herrscher - und auch für Söhne des Volkes Israel – die Juden.

Paulus war zuvor nicht nur ein Verfolger der Christen, sondern vor allem ein strenger Pharisäer (Apostelgeschichte 26:5) und ein sehr eifriger noch dazu. Seine Ausbildung hatte er bei dem damals wohl einflussreichsten jüdischen Gesetzeslehrer Gamaliel erhalten (Apostelgeschichte 22:3). Dieser hatte auch einen Sitz im Sanhedrin inne, dem obersten Gerichtshof der Juden (Apostelgeschichte 5:34), der letztendlich Jesus zum Tode verurteilte.

Paulus empfand seine Berufung zu einem Abgesandten für und durch Jesus als ein Dienstamt. (Römer 1:1; 1.Timotheus 1:12)

Hatte er zuvor mit vollem Einsatz denen gedient, die den Tod aller Christen sehen wollten, kehrte er gänzlich um und stellte sich mit allem, was er war und was er konnte dem Christus zu Verfügung.

Wenn sich nicht in der Persönlichkeit dieses Mannes eine grundlegende Wende vollzogen hätte, wäre er für diese neuen Aufgaben völlig untauglich gewesen.

Nach wie vor liebte er von ganzem Herzen seinen Gott Jehova, doch nun hatte er begriffen, dass der Messias Jesus Christus wirklich dessen Sohn und in Gottes Auftrag wirksam war. Nun erkannte er, wie er seinen Eifer auf eine Weise einsetzen konnte, welche Jehova gefiel, und machte sich sofort ans Werk.

Die Apostelgeschichte erzählt die Geschichte seiner Reisen, die er unternahm, um so viel Menschen wie möglich mit der Guten Botschaft vom Königreich Gottes und von Jesus, dem Christus, vertraut zu machen. Er half ihnen zu erkennen, dass dies Gottes Rettungsvorkehrung für die gesamte Menschheit ist und welche Rolle Gottes Sohn darin spielt.

Von großem Nutzen war ihm sicherlich die Bildung, die er genossen hatte. Doch die Veränderungen, die mit ihm vor sich gingen, werden gerade an den jüdischen Vorschriften besonders deutlich. Er war einst ein glühender Verfechter für ihre Einhaltung. Doch als er sich Jesus unterordnete, war ihm eindeutig klar, wie wertlos diese Gebote waren; spiegelten sie doch nicht den Geist des Gesetzes Gottes wieder, das Jesus erfüllte, sondern waren zu einer leeren Hülle mutiert.

Paulus stellt sich uns auch als ein hervorragender Lehrer dar, obwohl er nicht der wortgewaltigste war:

  • „Seine Briefe sind gewichtig und kraftvoll, aber seine persönliche Gegenwart ist schwach und seine Rede verächtlich.“ (2. Korinther 10:10)

Davon können wir uns selbst bei der Lektüre der Bücher Römer bis Hebräer überzeugen. Und dennoch war es ihm immer am wichtigsten, persönlich zu den Menschen zu gehen, so wie Jesus es geboten hatte.

Wie konnte ein Mann, der als schwach angesehen wurde, dann diese überwältigende Wirkung auf so viele Menschen haben?

Das lag einmal an den Personen, die ihm zuhörten, denn sie offenbarten eine der wünschenswertesten Eigenschaften, die ein Christ haben sollte – DEMUT.

Doch lag es auch an dem einnehmenden Wesen von Paulus:

  • „ . . .wir wurden in eurer Mitte sanft, wie wenn eine nährende Mutter ihre eigenen Kinder hegt und pflegt. Da wir also eine innige Zuneigung zu euch haben, hat es uns wohl gefallen, euch nicht nur an der guten Botschaft Gottes teilhaben zu lassen, sondern auch an unseren eigenen Seelen, weil ihr uns lieb geworden wart. (1. Thessalonicher 2:7, 8)
  • „Ich für meinen Teil will mich sehr gern verbrauchen und völlig verbraucht werden für eure Seelen. Wenn ich euch in umso überströmenderem Maße liebe, soll ich da weniger geliebt werden?“ (2. Korinther 12:15)
  • „Ihr wisst wohl, wie ich vom ersten Tag an, da ich den Bezirk Asien betrat, die ganze Zeit bei euch gewesen bin, indem ich als ein Sklave für den Herrn mit der größten Demut und unter Tränen und Prüfungen diente“ (Apostelgeschichte 20:18, 19)

Es war vor allem seine Liebe zu den Menschen, die ihn zu einem so erfolgreichen Missionar machte und dass diese von Herzen erwidert wurde, erfahren wir in Apostelgeschichte 20:37, 38, wo von dem letzten Abschied einiger Christen von Paulus berichtet wird:

  • „In der Tat, da brachen alle in ziemlich starkes Weinen aus, und sie fielen Paulus um den Hals und küssten ihn zärtlich, denn das Wort, das er geredet hatte, dass sie sein Angesicht nicht mehr sehen würden, hatte sie besonders schmerzlich berührt.“

Paulus musste wirklich sehr vieles leiden (2.Korinther 11:23-29), so wie Jesus es ihm vorhergesagt hatte. (Apostelgeschichte 9:16) Mit seiner glänzenden Karriere in der jüdischen Führungsschicht war es damit vorbei.

Dennoch wählte er diesen Lebensweg und wurde zu einem großartigen Vorbild für jeden Christen.

Sehr schöne Antwort, Cornyriegel, vielen Dank!

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Ganz am Anfang war die christliche Urgemeinde in Jerusalem eigentlich eine neue jüdische Sekte. Keines ihrer Mitglieder hatte das Format, über die jüdische Welt hinaus zu gehen, nicht einmal Petrus, dem Gott auch erstmal Bescheid sagen musste (Apg 10, 9-16).

Saulus von Tarsus / Paulus dagegen war ein umfassend gebildeter Jude der sich auch in der griechischen Welt auskannte, und der keinerlei Berührungsängste hatte.

Paulus hat sich von Jesus hinausschicken lassen in die Welt außerhalb des Judentums. Er hat auf seinen Missionsreisen und in seinen Briefen die Lehre Jesu verbreitet und schriftlich niedergelegt und sie dabei ausdrücklich geöffnet für alle Menschen, d.h. auch für Nichtjuden.

Durch diese Verbreitung und ausdrückliche Öffnung der Lehre Jesu für alle Menschen ist Paulus aufgrund seiner Worte, Schriften und Taten wahrhaftig der "Apostel für die Nationen" geworden.

Das hat sich erfüllt in den Gemeindegründungen in Kleinasien und in Griechenland.

Seine Hauptaufgabe bestand darin Juden und Heiden Christus als den bereits im Alten Testament angekündigten Messias zu verkünden, und dass er seit seiner Rückkehr in den Himmel als einziger Hohenpriester, Mittlere und Fürsprecher die Menschen bei Gott vertritt.

  1. Timotheus 2, 2-7

Schließlich hat keiner der Apostel soviel Gemeinden in der antiken Welt (römischen Imperium) gegründet wie er.

Er ist wohl einer der dominantes Persönlichkeiten in der Frühkirche gewesen.

Man erinnere sich an den Missionsbefehl in MT 28,19: "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, " Speziell Paulus sollte dies mit seinen Reisen gut erfüllen, zumal er nicht auf die Einhaltung der jüdischen Sitten und Speisegebote bestand. Mehr aber noch als dies zeigt sein "Werdegang", das es wirklich einerlei ist, wer der Mensch vor der Bekehrung zum Christentum war, was er anstellte oder welche Schuld er auf sich lud - ist er vom Herrn auerwählt, so dient er der ganzen Welt und nicht sich oder seiner Herde allein. Dieser Form der Selbstlosigkeit sollten sich einige heute wieder erinnern.

Was mir an deinem Beitrag, an dem zitierten Taufbefehl - Matth. 28,19 noch auffällt, mit der Frage direkt aber nicht zu tun hat:

Steht da die Aufforderung zur Taufe zufällig erst an zweiter Stelle nach dem "zu meinen Jüngern machen", oder mit Absicht? - Für mich als Befürworter allein der Glaubenstaufe ein wichtiger Aspekt! LG pasmalle

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@pasmalle

Im Urtext steht:"....macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft, undmacht, daß sie alles behalten...

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@wheuhx

Erstens gibt es keinen Urtext mehr. Alle Autographen dürften verlorengegangen sein. Wir reden immer vom Grundtext (also der rekonstruierte Urtext).

Zweitens steht in den Grundtexten das präsentische Partizip baptizontes:taufend.

Drittens kann man anhand Mt 28 überhaupt nicht sagen, ob das Taufen Voraussetzung des Jüngermachens ist oder eine Ausführungsbeschreibung des Jüngermachens.

Weder Säuglings- noch Glaubenstaufe sollte man anhand dieser Stelle begründen.

Wir müssen uns die Beschreibungen der Taufhandlungen ansehen und es wird ganz deutlich, dass es nur Glaubenstaufen gab.

Übrigens ist das sogar Bestandteil der lutherischen Tauftheologie. Luther geht davon aus, dass der Säugling VOR seiner Taufe glaube, da dessen Glaube aus der Verkündigung entstünde. Ich bin zwar davon überzeugt, dass Säuglinge hinsichtlich ihrer Entwicklung Schwerstarbeit leisten aber dass Säuglinge glaubend auf eine Predigt antworten halte ich für eine Phantasterei.

Menschen, die als Baby mit Wasser übergossen werden, sind ungetauft, haben allenfalls einen feuchten Kindersegen erhalten. So einfach ist das manchmal.

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Das liegt an einer Aufteilung, die in der Apostelgeschichte vorgenommen wird. Dannach übernimmt Paulus die Mission der Völker ind Nichtjuden und Petrus übernimmt die Mission unter den Juden im Heiligen Land. Das Verdienst des Paulus ist es den christlichen Glauben auch für philosophisch gebildete Nichtjuden verständlich gemacht zu haben. Er schreibt in einem annehmbaren Griechisch, dass damals eine der wichtigsten Sprachen im Römischen Reich ist und verwendet Begriffe aus der antiken Philosophie.

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